Keine Zeit für Schnäppchenjäger


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Keine Zeit für Schnäppchenjäger

 
05.10.01 22:18
Keine Zeit für Schnäppchenjäger

von Dr. Friedhelm Busch

Nichts mehr wird so sein, wie es vorher gewesen ist. Eine Ahnung, die wohl jeden von uns nach den unfassbaren Terroranschlägen auf die zivilisierte Welt ergriffen hat. Die Zukunft wird beherrscht sein von der allgegenwärtigen Furcht vor plötzlicher, hemmungsloser Gewalt. Die Angst vor weiteren Anschlägen wird unser Denken verengen, unser Handeln lähmen.

Verständliche Gefühle, unmittelbar nach den Massenmorden in den USA. Doch die Erfahrung lehrt auch, dass die entsetzlichen Bilder aus New York und Washington mit der Zeit an Schärfe verlieren, dass das menschliche Gehirn verdrängt, vielleicht sogar vergisst.

Doch! Wir werden bei aller Trauer und Furcht zur Normalität zurückkehren. Noch nicht jetzt! Nicht in den Tagen und Wochen der Unsicherheit über Erfolg oder Misserfolg im Kampf gegen den Terrorismus.

Unausweichlicher Alltag


Doch! Wir werden in den Alltag zurückfinden. Selbst, wenn das Ausmaß der Anschläge und ihre Inszenierung ohne Beispiel sind, belegen die Abläufe vergangener Katastrophen und Krisen, dass auch die Finanzmärkte mehr oder weniger schnell wieder Tritt fassen. Wer erinnert sich noch an die Kubakrise des Jahres 1960, als die Welt vor einem Atomkrieg stand? Oder an den Krieg in und um Kuwait, der von den Amerikanern im Frühjahr 1991 beendet wurde? Die Kurse schienen zunächst ins Bodenlose zu stürzen, um dann binnen weniger Tage und Monate zu einer längeren Rallye anzusetzen.

Aber wie wird sie aussehen, die Normalität?

Ohne Zweifel haben die Anschläge erhebliche negative Auswirkungen auf eine ohnehin geschwächte Weltwirtschaft. Fluggesellschaften werden mit steigenden Kosten für die Sicherheit des Flugverkehrs konfrontiert, ihre Erträge werden unter den aktuellen Ängsten der Kunden und unter den Folgen der weltweiten Konjunkturschwäche leiden. Arbeitsplätze werden deswegen abgebaut, Investitionen gestoppt. Dies hat wiederum unmittelbare Auswirkungen auf die Flugzeugbauer, die mit Stornierungen bereits erteilter Aufträge rechnen müssen, auf die Aluminiumerzeugung oder auf die High-Tech-Industrie. Die Versicherungswirtschaft wird unter der Schadensregulierung leiden, den amerikanischen Hotels und dem Tourismus insgesamt werden die Einnahmen wegbrechen.

Diese Kette kann beliebig ins Grenzenlose fortgesetzt werden. Nicht wenige Marktbeobachter rechnen daher mit einer längeranhaltenden Rezession in den USA, gar mit einer weltweiten Krise, Schwindende Umsätze und Gewinne werden in den nächsten Monaten die Berichterstattung über die internationalen Finanzmärkte prägen. Die Kurse werden weiter fallen.

Grund zur Hoffnung?


Solange unsere Ängste bleiben, mag dies auch stimmen. Aber hinter den aktuellen Ängsten, hinter den gegenwärtigen Konjunkturproblemen baut sich ein Potenzial auf, das mit dem Verblassen der Furcht, spätestens aber nach einer wohlüberlegten und hoffentlich erfolgreichen Reaktion der zivilisierten Welt gegen den Terrorismus, der Weltwirtschaft auf die Beine helfen wird.

Das Hilfsprogramm der US-Regierung für die von den Anschlägen betroffene Wirtschaft wird 40 Milliarden Dollar umfassen, dazu kommt ein umfangreiches Steuersenkungsprogramm, das Präsident Bush schon lange vor den Anschlägen geplant hatte. Es umfasst rund 1,35 Billionen Dollar und soll in den nächsten 11 Jahren verwirklicht werden. Bei den milliardenschweren Überschüssen in den Haushaltskassen verfügt die amerikanische Regierung offensichtlich über genügend Finanzreserven, um gleichzeitig über niedrigere Kapitalertragssteuern, Steuerhilfen für die Unternehmen, Senkung der Sozialversicherungsbeiträge oder eine Verlängerung der Zahlungen an Arbeitslose nachzudenken. Die erfolgreiche Politik der vergangenen Jahre zahlt sich nun aus.

Der amerikanische Konsument als Hoffnungsträger

Die ersten Steuergeschenke erreichten bereits im August die amerikanischen Haushalte. Mag sein, dass zunächst die Steuerschecks genutzt wurden, um Schulden zu tilgen, mit der Zeit - und mit zunehmendem Vertrauen in ein Wiedererstarken der Wirtschaft - werden diese Steuerrückzahlungen auch wieder ihren Weg in den Konsum finden. Flankiert werden diese Maßnahmen der US-Regierung von einer mehr als aggressiven Notenbankpolitik. Alan Greenspan scheint fest entschlossen, den amerikanischen Finanzmarkt zu fluten. Zinssenkungen ohne Ende, billiges Geld für den Bankenapparat, alles Voraussetzungen für stürmische Aufwärtsentwicklung in der Wirtschaft, vor allem aber an den Börsen.

Noch hat die Wirtschaft nicht reagiert, was auch niemanden verwundern kann, weil sich die Wirkung von Zinsveränderungen nicht über Nacht einstellt, die Erfahrungen belegen, dass in der Regel knapp ein Jahr verstreicht, ehe die Wirtschaft mit steigenden Investitionen und die Verbraucher mit höheren Ausgaben reagieren. US-Notenbankchef Alan Greenspan glaubt, diese Liquiditätsschwemme ohne Sorge fortsetzen zu können, weil die Preissteigerungsraten fallen, die Inflation gegenwärtig also keine Gefahr darstellt. Kein Wunder, angesichts der weltweiten Konjunkturschwäche.

Doch scheinen die Finanzmärkte dieser Beurteilung nicht vorbehaltlos zustimmen zu wollen. Kommt es zu einer Erholung der Konjunktur, könnte diese Liquidität binnen Jahresfrist zu einem Anstieg der Inflationssorgen führen. So mögen sich auch die höheren Zinsen bei längeren Laufzeiten erklären.

Geparkte Billionen warten auf den Aufschwung

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Dies sind aber keine aktuellen Überlegungen. Zunächst sollten wir den Blick auf die positiven Auswirkungen der Liquidität auf Wirtschaft und Börse richten. Mehr als 2,5 Billionen US-Dollar haben die Anleger zudem weltweit geparkt, um bei einer Erholung der Wirtschaft wieder dabei zu sein. Staatliche Hilfen, sinkende Zinsen und eine wachsende Liquidität erhöhen die Chancen für einen kräftigen Aufschwung.

Die Aussichten sind also nicht so schlecht, wie wir zur Zeit glauben. Dennoch: Dies ist nicht die Zeit der Schnäppchenjäger. Die Politik hat den Vorrang, dies sollten wir bei allem Mut zum Risiko nicht vergessen.

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Dr. Friedhelm Busch

Er ist ein anerkannter Kenner des Börsengeschehens, spricht regelmässig mit Händlern, Analysten und Unternehmensvorständen: Friedhelm Busch, Moderator des Nachrichtensenders n-tv.


quelle multexinvestor

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Dr.UdoBroem.:

Dr. Friedhelm Busch for President!

 
05.10.01 22:24
Wieso sieht man ihn eigentlich kaum noch auf n-tv? Ich fand ihn immer zehnmal besser als die ganzen Jungschnösel mit der Börsenerfahrung eines SiegerTraders.

Gruß Dr. Broemme
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Arbeiter:

Dr. Udo

 
07.10.01 19:07
...vielleicht ist "Fiete" schon im Ruhestand :-)
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