Keine Spur von vorweihnachtlicher Stille


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Keine Spur von vorweihnachtlicher Stille

 
20.12.02 20:03
Die Devisen- und Rohstoffmärkte sind in heller Aufruhr. Die wachsende Furcht vor einem Krieg im Irak ließ die Anleger am Dienstag aus dem US-Dollar flüchten. Jahrelang galt die Devise als sicherer Hafen, doch nun kommt sie offenbar unter Druck. Euro, Gold und Öl profitierten von dieser Entwicklung. Die US-Regierung versuchte, ihre Währung zu stützen - teilweise mit Erfolg. Am Mittwochmorgen gewann der Dollar gegenüber dem Euro wieder an Terrain.

Am Dienstag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Euro-Referenzkurs auf 1,0307 Dollar festgesetzt. Europas Einheitswährung war damit zum ersten Mal seit Januar 2000 über die Marke von 1,03 Dollar gestiegen. Mittwoch dann erholte sich das Geld in den ersten Handelsstunden auf 1,0260 Dollar pro Euro, nachdem das Weisse Haus seine Politik einer starken Währung bestätigte. Doch Analysten gehen davon aus, dass die Erholung nur vorläufig ist. Dafür sprechen zwei Gründe: Ihrer Meinung nach wird ein Krieg die US-Wirtschaft am stärksten in Mitleidenschaft ziehen. Und: Der Zustand von Coporate America gibt wieder mal Anlass zur Sorge.

Drittgrößte Insolvenz in USA belastet zusätzlich

Diese wurde durch den Antrag auf Gläubigerschutz beim angeschlagenen US-Finanzdienstleister Conseco von Neuem geschürt. Mit einem Schuldenstand von 6,5 Milliarden Dollar und einem Kapital von 52,2 Milliarden Dollar ist dies die drittgrößte Insolvenz in der US-Geschichte nach Worldcom und Enron. Ein Antrag auf Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Konkursgesetzes bedeutet, dass Conseco eine grundlegende Umstrukturierung vornehmen wird.

Der Dollar werde Schwierigkeiten haben, wieder an Stärke zu gewinnen, solange die Märkte über einen möglichen Irak-Krieg nervös sind, hieß es dann auch bei der Credit Agricole Indosuez. Auch nach Ansicht der Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein steht die Erholung des Dollar auf tönernen Füßen. Schließlich sei der Anfang Dezember ernannte neue Finanzminister John W. Snow noch nicht im Amt. Im neuen Jahr wird er seinen Posten antreten, und die Experten schließen nicht aus, dass Snow die Politik einer starken Währung aufweichen könnte, um der US-Wirtschaft positive Impulse zu geben. Allerdings betonen sie auch, dass Snow an einem rapiden Wertverlust des Dollar nicht interessiert sein kann. Im Hinblick auf die jüngste Insolvenz gehen die Analysten zudem davon aus, dass die US-Devise weiter unter Druck bleibt, solange Corporate America "seine Wunden lecke".

Euro profitiert vom schlechten Wetter

Der Euro profitiert von der Unsicherheit in den USA. Nach Ansicht der Hypovereinsbank wird dieser Trend anhalten. Chefvolkswirt Martin Hüfner macht auf Folgendes aufmerksam: Immer wenn die Weltkonjunktur schwach ist, ist der Euro relativ stark und umgekehrt. Der Dollar sei also eine "Schönwetter-Währung" und der Euro eine "Schlechtwetter-Währung". Hüfner erklärt diesen Zusammenhang, dass bei schlechterer Konjunktur die Risikoaversion der Anleger zunehme und daher weniger bereit sind, ihre Gelder international zu streuen.

Die Experten der Hypovereinsbank sind für 2003 hinsichtlich der Weltkonjunktur "relativ pessimistisch". Als Konsequenz werde sich der Euro weiter aufwerten, "vielleicht bis auf 1,05 bis 1,10 Dollar". Für 2004 ist die Bank dann wieder optimistischer für die Weltwirtschaft. "Dann müsste der Euro nach dieser Theorie wieder fallen, vielleicht sogar unter die Parität", schaut Hüfner in die Zukunft. Und da die Märkte künftige Entwicklungen vorausnehmen, könnte es sein, dass der Dollar sich schon in der zweiten Hälfte von 2003 wieder befestigt.

OPEC beruhigt Märkte

Die zunehmenden Spannungen im Nahen Osten verunsicherten auch die Rohölmärkte. Der OPEC-Referenzkurs sprang am Dienstag bis auf 28,61 Dollar je Barrel. OPEC-Generalsekretär Alvaro Silva kommentierte am Mittwoch, dass dieser Sprung außerhalb der OPEC-Kontrolle liegt. Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass die in der vergangenen Woche abgesegnete Reduzierung der Förderung den Ölpreis wieder in die Spanne zwischen 22 bis 28 Dollar zurückhole.

Dresdner Kleinwort Benson sieht derzeit zwei Favoriten im Ölsektor. Sie empfehlen Royal Dutch und Shell zum "Buy" mit einem Kursziel von 50 Euro beziehungsweise 465 Pence.
multexinvestor

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