Das Kapital: Bei Karstadt könnten sich am Montag Käufer einfinden
Shopping zählt dieser Tage kaum zu den Lieblingsaktivitäten der Deutschen. Und natürlich haben die Anleger dem Einzelhandel noch übler mitgespielt als die Kunden.
KarstadtQuelle
Vor allem KarstadtQuelle hat es mit dem Minus von gut drei Fünfteln über die letzten zwölf Monate schwer erwischt. Nach dem Umsatzrückgang von zwei Prozent bis zum September wähnen die Investoren Böses für die am Montag veröffentlichten Gesamtjahreseinnahmen. Karstadt selbst hat am 18.11.02 eine Einbuße von drei Prozent angekündigt. Gemessen an Metro und Douglas - die sich im Vorfeld für das Weihnachtsgeschäft vergleichsweise optimistisch gaben und dann enttäuschten - wäre es für viele schon eine Überraschung, falls es damit getan wäre.
Wenn sich die Auguren da mal nicht vertan haben. Klar ist auf jeden Fall, dass sich vor allem der Versandhandel Quelle im Jubiläumsjahr weiter proper geschlagen hat, nicht zuletzt wegen der vielen Verkaufsaktionen. Aber das ist nicht alles. Wer sich um die Weihnachtszeit mal in den Warenhäusern getummelt hat, sollte bemerkt haben, dass die Neugestaltungsbemühungen von Wolfgang Urban langsam fruchten. Und zur Erinnerung: In Bezug auf die Warenhäuser war auch Metro mit dem Weihnachtsgeschäft am Ende doch einigermaßen zufrieden. Da der Versandhandel ohnehin gut die Hälfte des Umsatzes ausmacht, dürfte Karstadts Umsatzeinbuße im vierten Quartal eher bei minus eins als bei den minus 5,3 Prozent gelegen haben, von denen der Markt ausgeht. Obwohl die frühen Rabatte das Ergebnis eindeutig belastet haben, wird sich das letztlich auch unter dem Strich bemerkbar machen.
Vermutlich wird das Konsumklima vorläufig noch trüber - und nicht nur Zyniker trauen der Regierung zu, nach den Landtagswahlen die Mehrwertsteuern doch zu erhöhen. Indes ist der Pessimismus für Deutschland ohnehin schon kaum mehr zu übertreffen. Dabei gibt es positive Anzeichen, wie den bombenfesten OECD-Indikator oder die Exportaufträge, die indirekt auch Karstadt helfen. Wer weiß, vielleicht fällt der Ölpreis im Laufe des Jahre auf 20 $ je Fass. Und es ist nicht mal auszuschließen, dass die - oder sollten wir sagen "eine" - Regierung in den nächsten Monaten einen Wurf landet. Mit einer Dividendenrendite von 4,3 Prozent ist die Aktie vielleicht noch nicht über den Berg, obwohl Karstadt sein Heil zunehmend im Ausland sucht. Aber sie ist fast so bewertet, als ob sich das Makroumfeld kaum je wieder besserte. Zumindest der eine oder andere Anleger dürfte heute shoppen gehen.
Carrefour
Zumindest die Völkerschlacht bei Leipzig hat Carrefour bereits hinter sich. Im letzten Jahr musste die Aktie Verluste hinnehmen, die selbst Napoleon Bonaparte verunsichert hätten. Trotzdem deutet wenig auf eine schnelle Rückkehr des einstigen Analystenlieblings aus dem kargen Exil hin. Nach den enttäuschenden Umsätzen im vierten Quartal hagelte es reihenweise Rückstufungen.
Obwohl die Aktie im letzten Jahr ein Drittel ihres Werts eingebüßt hat, ist sie nur im Vergleich zu Wal-Mart ein Schnäppchen. Mit dem 18fachen 2003er Gewinn bewertet bleibt sie 30 Prozent teurer als etwa die ebenfalls wachstumsstarke Tesco. Vom tieffliegenden Holländer Ahold ganz zu schweigen.
Nun mag es Carrefour im lukrativen Heimatmarkt etwas leichter haben als Tesco. Schließlich ist auf den britischen Inseln gerade ein neuer Preiskrieg ausgebrochen. Bloß ist es Carrefour bisher kaum gelungen, die im Zuge der Promodès-Übernahme verlorenen Marktanteile zurückzuerobern. Im vierten Quartal lag das flächenbereinigte Wachstum der französischen Shoppingzentren bei mageren 0,9 Prozent - inklusive Benzin. Dem Einzelhandelsindex FDC nach lag der französische Schnitt dagegen bei knapp drei Prozent. In Belgien soll Carrefour Marktanteile verlieren und in Spanien hat sich das Wachstum zuletzt verlangsamt.
Natürlich dürfte Carrefour in Europa weiter mächtig verdienen. Die operative Marge soll trotz Preisdruck insgesamt bei etwa 4,4 Prozent für 2002 liegen. Bloß kriegen die Aktionäre davon wenig ab. Schließlich wollen die Franzosen nach wie vor die Welt erobern, was ziemlich teuer ist. Und so brächte die 2002er Dividende eine Rendite von nur 1,6 Prozent, selbst wenn sie gegenüber dem Vorjahr wie erwartet um gut zwölf Prozent anzieht.
Immerhin erholt sich Südamerika - zumindest in den jeweiligen Landeswährungen gerechnet. Indes haben die Pariser Strategen ihre gierigen Blicke ja längst weiter schweifen lassen und zuletzt vor allem in Asien investiert. In Südkorea ist Carrefour inzwischen so stark , dass die neuen Großmärkte vor allem den Alten schaden. Zusammen mit der restriktiveren Vergabe von Konsumkrediten hat das zu einem flächenbereinigten Minus von 13,1 Prozent geführt. Da scheint ein Waterloo weiter möglich. Schon Napoleon wusste, dass es vom Erhabenen zum Lächerlichen nur ein kleiner Schritt ist.
Shopping zählt dieser Tage kaum zu den Lieblingsaktivitäten der Deutschen. Und natürlich haben die Anleger dem Einzelhandel noch übler mitgespielt als die Kunden.
KarstadtQuelle
Vor allem KarstadtQuelle hat es mit dem Minus von gut drei Fünfteln über die letzten zwölf Monate schwer erwischt. Nach dem Umsatzrückgang von zwei Prozent bis zum September wähnen die Investoren Böses für die am Montag veröffentlichten Gesamtjahreseinnahmen. Karstadt selbst hat am 18.11.02 eine Einbuße von drei Prozent angekündigt. Gemessen an Metro und Douglas - die sich im Vorfeld für das Weihnachtsgeschäft vergleichsweise optimistisch gaben und dann enttäuschten - wäre es für viele schon eine Überraschung, falls es damit getan wäre.
Wenn sich die Auguren da mal nicht vertan haben. Klar ist auf jeden Fall, dass sich vor allem der Versandhandel Quelle im Jubiläumsjahr weiter proper geschlagen hat, nicht zuletzt wegen der vielen Verkaufsaktionen. Aber das ist nicht alles. Wer sich um die Weihnachtszeit mal in den Warenhäusern getummelt hat, sollte bemerkt haben, dass die Neugestaltungsbemühungen von Wolfgang Urban langsam fruchten. Und zur Erinnerung: In Bezug auf die Warenhäuser war auch Metro mit dem Weihnachtsgeschäft am Ende doch einigermaßen zufrieden. Da der Versandhandel ohnehin gut die Hälfte des Umsatzes ausmacht, dürfte Karstadts Umsatzeinbuße im vierten Quartal eher bei minus eins als bei den minus 5,3 Prozent gelegen haben, von denen der Markt ausgeht. Obwohl die frühen Rabatte das Ergebnis eindeutig belastet haben, wird sich das letztlich auch unter dem Strich bemerkbar machen.
Vermutlich wird das Konsumklima vorläufig noch trüber - und nicht nur Zyniker trauen der Regierung zu, nach den Landtagswahlen die Mehrwertsteuern doch zu erhöhen. Indes ist der Pessimismus für Deutschland ohnehin schon kaum mehr zu übertreffen. Dabei gibt es positive Anzeichen, wie den bombenfesten OECD-Indikator oder die Exportaufträge, die indirekt auch Karstadt helfen. Wer weiß, vielleicht fällt der Ölpreis im Laufe des Jahre auf 20 $ je Fass. Und es ist nicht mal auszuschließen, dass die - oder sollten wir sagen "eine" - Regierung in den nächsten Monaten einen Wurf landet. Mit einer Dividendenrendite von 4,3 Prozent ist die Aktie vielleicht noch nicht über den Berg, obwohl Karstadt sein Heil zunehmend im Ausland sucht. Aber sie ist fast so bewertet, als ob sich das Makroumfeld kaum je wieder besserte. Zumindest der eine oder andere Anleger dürfte heute shoppen gehen.
Carrefour
Zumindest die Völkerschlacht bei Leipzig hat Carrefour bereits hinter sich. Im letzten Jahr musste die Aktie Verluste hinnehmen, die selbst Napoleon Bonaparte verunsichert hätten. Trotzdem deutet wenig auf eine schnelle Rückkehr des einstigen Analystenlieblings aus dem kargen Exil hin. Nach den enttäuschenden Umsätzen im vierten Quartal hagelte es reihenweise Rückstufungen.
Obwohl die Aktie im letzten Jahr ein Drittel ihres Werts eingebüßt hat, ist sie nur im Vergleich zu Wal-Mart ein Schnäppchen. Mit dem 18fachen 2003er Gewinn bewertet bleibt sie 30 Prozent teurer als etwa die ebenfalls wachstumsstarke Tesco. Vom tieffliegenden Holländer Ahold ganz zu schweigen.
Nun mag es Carrefour im lukrativen Heimatmarkt etwas leichter haben als Tesco. Schließlich ist auf den britischen Inseln gerade ein neuer Preiskrieg ausgebrochen. Bloß ist es Carrefour bisher kaum gelungen, die im Zuge der Promodès-Übernahme verlorenen Marktanteile zurückzuerobern. Im vierten Quartal lag das flächenbereinigte Wachstum der französischen Shoppingzentren bei mageren 0,9 Prozent - inklusive Benzin. Dem Einzelhandelsindex FDC nach lag der französische Schnitt dagegen bei knapp drei Prozent. In Belgien soll Carrefour Marktanteile verlieren und in Spanien hat sich das Wachstum zuletzt verlangsamt.
Natürlich dürfte Carrefour in Europa weiter mächtig verdienen. Die operative Marge soll trotz Preisdruck insgesamt bei etwa 4,4 Prozent für 2002 liegen. Bloß kriegen die Aktionäre davon wenig ab. Schließlich wollen die Franzosen nach wie vor die Welt erobern, was ziemlich teuer ist. Und so brächte die 2002er Dividende eine Rendite von nur 1,6 Prozent, selbst wenn sie gegenüber dem Vorjahr wie erwartet um gut zwölf Prozent anzieht.
Immerhin erholt sich Südamerika - zumindest in den jeweiligen Landeswährungen gerechnet. Indes haben die Pariser Strategen ihre gierigen Blicke ja längst weiter schweifen lassen und zuletzt vor allem in Asien investiert. In Südkorea ist Carrefour inzwischen so stark , dass die neuen Großmärkte vor allem den Alten schaden. Zusammen mit der restriktiveren Vergabe von Konsumkrediten hat das zu einem flächenbereinigten Minus von 13,1 Prozent geführt. Da scheint ein Waterloo weiter möglich. Schon Napoleon wusste, dass es vom Erhabenen zum Lächerlichen nur ein kleiner Schritt ist.