FOKUS 3 - Taliban-Zentrum Kandahar angeblich gefallen
(neu: Taliban zu Omar, Bin Laden und Kandahar, Rumsfeld)
Kabul, 14. Nov (Reuters) - Die afghanische Nordallianz und aufständische Volksgruppen haben die radikal-islamischen Taliban aus weiten Teilen des Landes verdrängt. Am Mittwoch sollte nach Angaben der Allianz auch die Stadt Kandahar im Süden gefallen sein, das Zentrum der Taliban-Bewegung. Pakistanische Taliban- Kämpfer wiesen dies zurück. Politiker und Diplomaten bemühten sich um ein Konzept für eine Übergangsregierung. Die Bundesregierung kündigte verstärkte Bemühungen um politische und humanitäre Lösungen an. Die US-Regierung erklärte, Eliteeinheiten überwachten im Süden die Hauptverbindungsstraßen nach Norden.
"Heute sind die Streitkräfte der Nordallianz in Kandahar einmarschiert", sagte ihr Botschafter in Tadschikistan, Said Ibrahim Hikmat. "Es gibt keine Taliban mehr in der Stadt." Eine zuverlässige Bestätigung dieser Angaben gab es zunächst nicht. Das US-Verteidigungsministerium teilte mit, es sei unklar, ob die Nordallianz den Flughafen bei Kandahar kontrolliere, wie sie dies am Dienstag erklärt hatte. Die Allianz mache aber weiter Geländegewinne südlich von Kabul und bei Herat im Westen.
Ein Flüchtling aus Kandahar berichtete, Kämpfer der El-Kaida-Organisation Bin Ladens kämpften dort gegen die Taliban, ihre Gastgeber. Ein pakistanischer Taliban-Kämpfer berichtete an Grenzübergang Chaman, die Taliban hätten weiter die Kontrolle über Kandahar. Bis zu 50.000 Taliban-Kämpfer bereiteten die Verteidigung der Stadt vor. Er sei zurückgekehrt, um seiner Familie zu berichten, dass er wohlauf sei und, um neue Kämpfer zu rekrutieren, sagte der Flüchtling.
Die USA halten Bin Laden für den Drahtzieher der Anschläge vom 11. September in New York und bei Washington. US- Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, US-Einheiten in Südafghanistan bereiteten sich vor, die Verantwortlichen für die Anschläge zu finden. Elitesoldaten kontrollierten Straßen in den Norden. Sie hielten Personen an, "von denen sie meinten, sie müssten angehalten werden", sagte Rumsfeld. Die Suche verglich er mit der Suche nach einer Nadel in einem Heuhaufen. US- Präsident George W. Bush zeigte sich nach Angaben eines Sprechers "sehr erfreut" über den Kriegsverlauf. Ziel bleibe aber die Zerschlagung der El Kaida und der Taliban. Der US- Gesandte für die Nordallianz, James Dobbins, traf in Pakistan ein.
Die afghanische Nachrichtenagentur AIP meldete den Fall von Dschalalabad. Die Stadt sei unter Kontrolle eines Paschtunenanführers, der zugleich klar gemacht habe, dass er die Nordallianz nicht in der Stadt sehen wolle. Zwischen den Paschtunen, der größten afghanischen Volksgruppe, und der Allianz, die vor allem aus Angehörigen der tadschikischen und usbekischen Minderheiten besteht, gibt es tiefe Abneigungen.
Nach den Erfolgen der Nordallianz lehnten sich nach Angaben des offenbar auch immer mehr Menschen im Süden gegen die Taliban auf. Oppositionschefs und Flüchtlinge berichteten, die Paschtunen, die bislang die Taliban unterstützten, wendeten sich von diesen ab. Auch desertierten immer mehr Taliban-Kämpfer.
Deren Führung weigerte sich AIP zufolge weiter Bin Laden auszuliefern. "Wir haben unsere Haltung zu Osama nicht geändert", sagte Taliban-Sprecher Mullah Abdullah AIP. Bin Laden und Taliban-Oberhaupt Mullah Mohammad Omar seien sicher und wohlbehalten in Afghanistan. Er fügte hinzu, Taliban-Kämpfer hätten in der Nord-Provinz Tachar Truppen der Nordallianz angegriffen und viele Gegner getötet, darunter auch 20 Amerikaner und Briten. Im Norden koordinieren amerikanische und britische Eliteeinheiten die Luftangriffe auf die Taliban.
Die Geschwindigkeit, mit der die Taliban-Gegner vorrücken, hat Politiker und Diplomaten in Zugzwang gebracht, möglichst schnell ein Konzept für die Zeit nach den Taliban vorzulegen. Der UNO-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, hatte einen Plan für eine zweijährige provisorische Übergangverwaltung vorgelegt, die alle ethnischen Gruppen einbeziehen soll. Zudem soll eine multinationale Sicherheitstruppe die Maßnahmen sichern. Großbritannien erklärte sich bereit, "einige tausend Soldaten" zu stellen.
Zunächst sollten nach Brahimis Plan Vertreter aller afghanischen Gruppen auf einer Konferenz über die Einberufung eines provisorischen Rates beraten. Der Ort des Treffens sei aber noch unklar, sagte ein UNO-Sprecher. Brahimi bevorzuge einen Ort nahe Afghanistans. Aber auch Wien oder Genf seien im Gespräch. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) erklärten sich nach Angaben aus Regierungskreisen bereit, Gastgeber dieses Treffens zu sein. Die Kreise bestätigten Fernsehberichte, wonach das Treffen bereits in den kommenden Tagen stattfinden solle.
Bundesaußenminister Joschka Fischer sagte in Berlin: "Vordringlich sind nun eine Übergangsregierung und die humanitäre Versorgung der Bevölkerung." Eine politische Lösung solle gemäß den Vorgaben der UNO und unter ihrer Mitwirkung bald umgesetzt werden. Er hoffe, dass in etwa einer Woche eine große Hilfsaktion für die Bevölkerung beginnen könne.
chg/sws
Schmuggler
(neu: Taliban zu Omar, Bin Laden und Kandahar, Rumsfeld)
Kabul, 14. Nov (Reuters) - Die afghanische Nordallianz und aufständische Volksgruppen haben die radikal-islamischen Taliban aus weiten Teilen des Landes verdrängt. Am Mittwoch sollte nach Angaben der Allianz auch die Stadt Kandahar im Süden gefallen sein, das Zentrum der Taliban-Bewegung. Pakistanische Taliban- Kämpfer wiesen dies zurück. Politiker und Diplomaten bemühten sich um ein Konzept für eine Übergangsregierung. Die Bundesregierung kündigte verstärkte Bemühungen um politische und humanitäre Lösungen an. Die US-Regierung erklärte, Eliteeinheiten überwachten im Süden die Hauptverbindungsstraßen nach Norden.
"Heute sind die Streitkräfte der Nordallianz in Kandahar einmarschiert", sagte ihr Botschafter in Tadschikistan, Said Ibrahim Hikmat. "Es gibt keine Taliban mehr in der Stadt." Eine zuverlässige Bestätigung dieser Angaben gab es zunächst nicht. Das US-Verteidigungsministerium teilte mit, es sei unklar, ob die Nordallianz den Flughafen bei Kandahar kontrolliere, wie sie dies am Dienstag erklärt hatte. Die Allianz mache aber weiter Geländegewinne südlich von Kabul und bei Herat im Westen.
Ein Flüchtling aus Kandahar berichtete, Kämpfer der El-Kaida-Organisation Bin Ladens kämpften dort gegen die Taliban, ihre Gastgeber. Ein pakistanischer Taliban-Kämpfer berichtete an Grenzübergang Chaman, die Taliban hätten weiter die Kontrolle über Kandahar. Bis zu 50.000 Taliban-Kämpfer bereiteten die Verteidigung der Stadt vor. Er sei zurückgekehrt, um seiner Familie zu berichten, dass er wohlauf sei und, um neue Kämpfer zu rekrutieren, sagte der Flüchtling.
Die USA halten Bin Laden für den Drahtzieher der Anschläge vom 11. September in New York und bei Washington. US- Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, US-Einheiten in Südafghanistan bereiteten sich vor, die Verantwortlichen für die Anschläge zu finden. Elitesoldaten kontrollierten Straßen in den Norden. Sie hielten Personen an, "von denen sie meinten, sie müssten angehalten werden", sagte Rumsfeld. Die Suche verglich er mit der Suche nach einer Nadel in einem Heuhaufen. US- Präsident George W. Bush zeigte sich nach Angaben eines Sprechers "sehr erfreut" über den Kriegsverlauf. Ziel bleibe aber die Zerschlagung der El Kaida und der Taliban. Der US- Gesandte für die Nordallianz, James Dobbins, traf in Pakistan ein.
Die afghanische Nachrichtenagentur AIP meldete den Fall von Dschalalabad. Die Stadt sei unter Kontrolle eines Paschtunenanführers, der zugleich klar gemacht habe, dass er die Nordallianz nicht in der Stadt sehen wolle. Zwischen den Paschtunen, der größten afghanischen Volksgruppe, und der Allianz, die vor allem aus Angehörigen der tadschikischen und usbekischen Minderheiten besteht, gibt es tiefe Abneigungen.
Nach den Erfolgen der Nordallianz lehnten sich nach Angaben des offenbar auch immer mehr Menschen im Süden gegen die Taliban auf. Oppositionschefs und Flüchtlinge berichteten, die Paschtunen, die bislang die Taliban unterstützten, wendeten sich von diesen ab. Auch desertierten immer mehr Taliban-Kämpfer.
Deren Führung weigerte sich AIP zufolge weiter Bin Laden auszuliefern. "Wir haben unsere Haltung zu Osama nicht geändert", sagte Taliban-Sprecher Mullah Abdullah AIP. Bin Laden und Taliban-Oberhaupt Mullah Mohammad Omar seien sicher und wohlbehalten in Afghanistan. Er fügte hinzu, Taliban-Kämpfer hätten in der Nord-Provinz Tachar Truppen der Nordallianz angegriffen und viele Gegner getötet, darunter auch 20 Amerikaner und Briten. Im Norden koordinieren amerikanische und britische Eliteeinheiten die Luftangriffe auf die Taliban.
Die Geschwindigkeit, mit der die Taliban-Gegner vorrücken, hat Politiker und Diplomaten in Zugzwang gebracht, möglichst schnell ein Konzept für die Zeit nach den Taliban vorzulegen. Der UNO-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, hatte einen Plan für eine zweijährige provisorische Übergangverwaltung vorgelegt, die alle ethnischen Gruppen einbeziehen soll. Zudem soll eine multinationale Sicherheitstruppe die Maßnahmen sichern. Großbritannien erklärte sich bereit, "einige tausend Soldaten" zu stellen.
Zunächst sollten nach Brahimis Plan Vertreter aller afghanischen Gruppen auf einer Konferenz über die Einberufung eines provisorischen Rates beraten. Der Ort des Treffens sei aber noch unklar, sagte ein UNO-Sprecher. Brahimi bevorzuge einen Ort nahe Afghanistans. Aber auch Wien oder Genf seien im Gespräch. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) erklärten sich nach Angaben aus Regierungskreisen bereit, Gastgeber dieses Treffens zu sein. Die Kreise bestätigten Fernsehberichte, wonach das Treffen bereits in den kommenden Tagen stattfinden solle.
Bundesaußenminister Joschka Fischer sagte in Berlin: "Vordringlich sind nun eine Übergangsregierung und die humanitäre Versorgung der Bevölkerung." Eine politische Lösung solle gemäß den Vorgaben der UNO und unter ihrer Mitwirkung bald umgesetzt werden. Er hoffe, dass in etwa einer Woche eine große Hilfsaktion für die Bevölkerung beginnen könne.
chg/sws
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