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Kein Ende in Sicht – Kalistreit geht in nächste Runde
STIMME RUSSLANDS Seit Ende August sitzt der Vorstandschef von Uralkali, Wladislaw Baumgertner, in Minsk in Haft. Seitdem tobt zwischen dem russischen Konzern und Weißrussland eine Schlacht um die Zukunft des Kaliexportmarktes. Nun sprach der Chef des russischen Öl-Konzerns Rosneft mit Minsk. Zu der neuesten Wendung im „Kalikrieg“ sprach unser Korrespondent Birger Schütz für die STIMME RUSSLANDS mit Dr. Stefan Meister, Russlandexperte beim European Council on Foreign Relations.
Wie die STIMME RUSSLANDS bereits berichtete, war Ende Juli der russische Kaligigant aus der gemeinsamen Export-gesellschaft Belarusian Potash Company (BPC) mit Weißrussland ausgestiegen. Der nach Ausstoß größte Kali-produzent der Welt und der Staats-konzern „Belaruskali“ hatten ihren Export bis dahin über die gemeinsame Vertriebs-gesellschaft abgewickelt. So kontrollierten beide Seiten 43 Prozent der weltweiten Kali-Exporte. Das Ende der Handelsallianz setzte Düngemittelaktien weltweit unter Druck. In Deutschland hatte vor allem der Konzern "K und S" unter den Kursabschlägen zu leiden.
Ende August wurde dann der Vorstandschef von Uralkali, Wladislaw Baumgertner von der weißrussischen Staatsanwaltschaft festgesetzt. Baumgertner hatte sich dort auf Einladung des Präsidenten aufgehalten. Seitdem wird zwischen Minsk und Moskau um die Freigabe des Konzernchefs gestritten. Politische Analysten streiten zudem darüber, was hinter dem rätselhaften Schritt steht. Stefan Meister sieht das so:
"Es geht letztendlich darum, dass der Weltkalimarkt ist ein Oligopol. Siehabendrei,vier große Unternehmen,diedenWeltmarkt beherrschen, und da finden letztlichauch Preisabsprachen statt. Es werden bestimmte Mengen auf den Markt gebracht um diesen Preis dann auch zu stabilisieren.Undesgibt ein gemeinsames Unternehmen von Uralkali und Belaruskali,welchesdiegemeinsamenProdukte, das Kali vertreibt. Diese Kooperation hat Uralkali aufgekündigt und gesagt wir bringen mehr Rohstoffe auf den Weltmarkt und damit ist der Preis auch eingebrochen für Kali."
Daraufhin sanken weltweit die Börsenpreise für Kali. Doktor Meister vermutet ein gezieltes Vorgehen des russischen Konzerns:
"Das Ziel von Uralkali, würde ich sagen, war möglicherweise eine Übernahme von Belaruskali zu betreiben. Der Wert von Belaruskaliistmassiv gesunken durch das Sinken des Weltmarktpreises für Kali und letztlich geht es ja um eine Übernahmeschlacht."
Für Lukaschenko könnte die Entscheidung von Uralkali unangenehme Folgen haben. Sein Kalibetrieb zählte bis dato zu den wichtigsten Devisenbringern. Seitdem zeigt der Minsk Moskau die Zähne. Die Verhaftung Baumgertners war nur der Auftakt. So forderte Minsk die Absetzung des millionenschweren Hauptaktionärs von Uralkali, Suleiman Kerimow. Die seitdem kursierenden Ausstiegsgerüchte kommentierte der Pressedienst des Oligarchen bisher aber nicht. Unterdessen drohte Moskau den Import weißrussischer Milch-produkte einzustellen und Minsk den Gashahn zuzudrehen. Am gestrigen Mittwoch weilte nun Igor Setschin in Minsk. Setschin ist Vorstands-vorsitzender des russischen Mineral-öl-konzerns Rosneft mit guten Kontakten in den Kreml.
"Also ich glaube, dass diese Setschinreise nach Minsk, da geht es darum, dass andere russische Unternehmen, oder der russische Staat - über Rosneft möglicherweise - Deals machen mit Weißrussland und dafür dann möglicherweise das alte Kartell dann wieder hergestellt wird. Also ich glaube,dassistdas "Bargaining",was wir dageradeerleben. Es geht ja letztlich darum die Privatisierung der weißrussischen Wirtschaft voranzutreiben und die russischen Unternehmen zum Zuge kommen zu lassen. Wenn das in bestimmten Bereichen funktioniert, wenn zum Beispiel Weißrussland in bestimmten Bereichen der Hauptabnehmer von Öl oder Rosneftgas wirdundalle anderen Abnehmer nicht mehr in Frage kommen, und Setschin einen guten Kontakt in den Kreml hat, wo man dann sagt, wir wollen das jetzt auf dieser Ebene klären, einen Deal machen, dann ist das schon vorstellbar,dassdas möglichist."