hallo,
für die nachrichtenarme zeit nachfolgender bericht vom "wirtschafts blatt"
aus einer aprilausgabe, aber dennoch interessant:
""""
03.04.2015, 06:51 von André Kühnlenz
Nur noch vorletzter Diktator Europas
Manchmal erlaubt sich Alexander Lukaschenko (li.) schon mal einen ironischen Seitenhieb auf seinen großen Nachbarn Wladimir Putin
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Diplomatisch distanziert sich Weißrusslands Präsident gerne einmal von seinem großen Nachbarn im Osten. Auf den Weltmärkten bestimmt die staatliche Belaruskali mittlerweile die Preise.
Minsk. In Weißrussland wachsen die Sorgen vor dem mächtigen Nachbarn im Osten. In einem Interview mit dem Nachrichtendienst Bloomberg hat der Präsident des Landes sich weit aus dem Fenster gelehnt. Alexander Lukaschenko, der im Westen Europas oft als letzter autoritärer Herrscher Europas bezeichnet wird, sagte nur halb ironisch: „Ich bin nicht mehr der letzte Diktator Europas. Es gibt Diktatoren, die ein bisschen schlechter sind als ich, nicht wahr? Ich bin jetzt schon das kleinere Übel.“
Was durchaus als verbaler Affront gegen Russland und seinen Präsidenten, Wladimir Putin, gedeutet werden kann, verdeckt die verzwickte Lage, in der sich das Land befindet. Vom Westen wird Weißrussland noch immer weitestgehend gemieden, sind doch noch immer EU-Sanktionen in Kraft wegen des Verdachts des Wahlbetruges und undemokratischer Maßnahmen gegen Demonstranten. Auf der anderen Seite hat sich Minsk aber über die Eurasische Wirtschaftsunion mit Kasachstan, Russland und Armenien zu einem Binnenmarkt mit Zollunion zusammengeschlossen.
Annäherung an EU
Auffällig ist aber, wie weißrussische Politiker immer stärker die Nähe zur Europäischen Union suchen. So ist das Land noch immer Teil der östlichen Partnerschaftsinitiative der EU für ehemalige Sowjetrepubliken und versucht, diese in zweiseitigen Gesprächen, heute etwa in Rumänien, stärker voranzubringen. Bei der deutschen Bundeskanzlerin stößt dies zumindest auf offene Ohren. Angela Merkel betonte erst am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek, dass es keine Wahl „Entweder – Oder“ zwischen EU und Russland für die Länder der Eurasischen Wirtschaftsunion geben sollte, zu denen auch bald Kirgisistan gehören möchte.
Dass die Friedensgespräche zum Ukraine-Krieg in Minsk geführt wurden, wird dort auch als diplomatische Aufwertung wahrgenommen und vielleicht als erster Schritt zu besseren Verhältnissen mit den Europäern im Westen. So hat auch Lukaschenko ebenfalls im Bloomberg-Interview betont, dass die USA im Ukraine-Friedensprozess eine größere Rolle spielen sollten. „Die beunruhigendste Sache ist, dass die USA nicht offen an diesem Prozess beteiligt werden“, sagte er. „Ich glaube, dass es ohne die Amerikaner keine Stabilität in der Ukraine geben kann.“
Konflikt um Kalisalzpreise
Auf den Weltmärkten kämpfen Weißrussland und Russland bereits erbittert gegeneinander. Wie kürzlich bekannt wurde, hat der staatliche Kalisalzhersteller Belaruskali im März den Exportpreis für das zweitgrößte Abnehmerland, China, zwar angehoben – um zehn US-$ auf 315 $ je Tonne. Damit unterboten sie aber russische und nordamerikanische Konkurrenten, die einen Preisanstieg um 25 bis 30 $ verhandelt hatten. Nun versucht auch Indien, ein ähnlich günstiges Geschäft abzuschließen. Weitere Details zur Menge und Laufzeit des Vertrages legten die Weißrussen aber nicht offen.
Auf den Rohstoffmärkten war der Preis um fast 20 Prozent eingebrochen, nachdem der Belaruskali-Abschluss bekannt geworden war, berichtet Reuters. Allerdings gilt der Preis, den China zahlt, als Richtwert weltweit. Bis 2013 pflegte Belaruskali noch eine Partnerschaft mit der russischen Uralkali bei den Preisverhandlungen mit den Chinesen. Uralkali hatte jetzt eigentlich den Preis des Jahres 2014 von 335 $ um 30 $ erhöhen wollen. Sie erklärten, ihnen bleibe nun nichts anderes übrig, als dem Preis von Belaruskali zu folgen.
Weißrussland, dessen eng mit Russland verbundene Wirtschaft stark unter den Sanktionen gegen das Nachbarland und dem Ukraine-Krieg leidet, hatte voriges Jahr sein Kali-Export nach Angaben des International Trade Centre stark gesteigert: nach Brasilien um 85 Prozent, nach China um 170 Prozent. Weltweit lag das Plus bei 65 Prozent.