Meldung 12.05.2008 10:01
Fehler 1: Missachten von Trends
von Detlev Landmesser
Trends an der Börse lassen sich mit den Naturgewalten vergleichen: Allzu oft unterschätzen Anleger deren Macht – und bezahlen teuer dafür. Wer dagegen ihre Kräfte für sich nutzt, hat mehr von der Börse.
Trends haben nämlich eine interessante Eigenschaft: Es ist schlicht ungleich wahrscheinlicher, dass ein Kurstrend anhält, als dass er endet. Das gilt sowohl für Aufwärts- als auch für Abwärtstrends.
Und doch werden Trends selbst von erfahreneren Anlegern immer wieder missachtet. Schließlich ist die Versuchung groß, "schlauer als der Markt" zu sein und gegen einen etablierten Trend zu handeln. Leider zahlt sich das aber in den seltensten Fällen aus.
Der fahrende Zug
So gilt es allgemein als Fehler, "auf einen fahrenden Zug aufzuspringen" – das betreffende Papier scheint einfach schon zu teuer und ist es vielfach auch. Trotzdem ist genau das oft das Klügste, was ein aktiver Anleger machen kann. Allerdings sollte ein Trend dafür schon etabliert, das heißt die Trendlinie durch mehrere Wendepunkte im Chart bestätigt sein. Außerdem sollte das Engagement auf jeden Fall mit einer Stop-Loss-Order abgesichert werden (vgl. den Beitrag "Die Stop-Loss-Order – gewusst wie"). Denn irgendwann endet an der Börse jeder Trend – und wenn dies geschieht, fällt die Gegenbewegung oft heftig aus.
Die Methode, nur Aktien zu kaufen, die sich gerade auf Rekordniveau befinden, wird oft auf den ungarischen Tänzer Nicolas Darvas zurückgeführt, der in den fünfziger Jahren nach dem Motto "Der Markt hat immer Recht" an der Wall Street ein Millionenvermögen machte.
Das fallende Messer
Ein typischer Anfängerfehler ist es auf der anderen Seite, eine Aktie zu kaufen, die gerade abstürzt oder sich in einem stabilen Abwärtstrend befindet. Der Reflex "Die ist jetzt aber billig, da steig ich ein" ist schon unzähligen Anlegern zum Verhängnis geworden. Denn die Börsenweisheit "Greife nie in ein fallendes Messer" kommt nicht von ungefähr: Hinter einem plötzlichen Kurseinbruch oder einem anhaltenden Abwärtstrend stehen meist handfeste fundamentale Gründe, deren ganze Tragweite erst im Nachhinein offenbar wird.
Bei einem solchen Kursverlauf den Boden zu erwischen, ist daher reine Glückssache und gelingt nur in den seltensten Fällen.
Viel klüger ist es in solchen Fällen abzuwarten, bis sich ein Papier wieder fängt und den Abwärtstrend eindeutig verlassen hat, bzw. noch besser: in einen stabilen Aufwärtstrend übergegangen ist. Die anfänglichen Gewinne einer Kurserholung sind dann zwar verpasst. Aber die Chance, seinen Einstieg nicht teuer zu bezahlen, ist ungleich höher. Die Suche nach dem Boden kann man dagegen getrost anderen überlassen.
boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_142076
Aber hier, wie überhaupt, kommt es anders, als man glaubt.
(Wilhelm Busch)