- Intershop-Gründer und Chef Stephan Schambach will mit
einer neuen Produktstrategie das angeschlagene Software-Unternehmen bis Ende des
laufenden Jahres in die Gewinnzone führen. Im vierten Quartal 2001 solle
Intershop wieder schwarze Zahlen schreiben, sagte Schambach in einem
Interview mit der "Berliner Zeitung" (Samtagausgabe). Eine Preissenkung für das
Intershop-Produkt "Enfinity", um neue Marktanteile zu gewinnen, schloss
Schambach aus. Vilemehr wolle Intershop auf der Cebit neue Zusatzprodukte
anbieten , die "andere Preismodelle" erlaubten.
Für Unternehmen, die in einen komplette E-Business-Installation
investierten, würden die Kosten für "Enfinity" kaum ins Gewicht fallen, sagte
Schambach. nach der Präsentation der neuen Produkte auf der Cebit wolle
Intershop im Laufe des Jahres noch weitere Module anbieten. Wenn sich die
Funktionalität für den Anwender verbessern würde, sei auch das gesamte Produkt
wertvoller. "Ich bin überzeugt, dass die Kunden dann auch bereit sind, mehr Geld
dafür auszugeben", erklärte Schambach. Einen genauen Zeitpunkt für die
Auslieferung des neuen Produktes wollte der Intershop-Chef nicht nennen. "Es
wird aber in jedem Fall noch in diesem Jahr auf den Markt kommen", fügte er
hinzu.
Künftig solle bei Intershop etwas konservativer geplant werden. Es gebe aber
nach wie vor einen "fundamental wachsenden Bedarf" an Electronic-Commerce
-Software, insbesondere im Business-to-Business-Sektor. "Da sind wir nach wie
vor hervorragend aufgestellt", sagte Schambach.
Neben der Streichung von 200 Stellen, will Intershop nach Schambachs Worten
auch "an anderer Stellen" rationalisieren. So könnten beispielsweise auch
Marketing-Organisationen zusammengelegt werden.
Den in der Vergangenheit überproportionalen Einbruch der Intershop-Aktie
führte der Unternehmens-Chef im Gespräch mit der "Berliner Zeitung" darauf
zurück, dass Intershop in Europa unter starker Beobachtung stehe. Es gebe dort
nur wenige Vergleichswerte, fügte er hinzu. Außerdem merkte er an: "Wir sind
zuvor doch als reine Gelddruckmaschine angesehen worden. Als klar wurde, dass
auch bei uns die Bäume nicht in den Himmel wachsen, hat das die Anleger
verschreckt." Für die Erholung des Aktienkurses sei nun wichtig, wie sich das
Unternehmen in den kommenden zwei Quartalen präsentieren werde.
Die Vertriebsschwäche von Intershop begründete Stephan Schambach mit der
derzeitig schwachen Wirtschaftsentwicklung in den Vereinigten Staaten. Dadurch
seien "bereits vorbereitete Aufträge" "in letzter Minute" geplatzt. Der
Schwerpunkt der Geschäftsaktivitäten werde aber weiter "eindeutig in Europa
liegen". Dort sähen die "Konjunkturprognosen für die nächsten Monate ja auch
besser aus als für die USA", erklärte Schambach
Und das sind die nackten ZahlenDie Jenaer Software-Firma Intershop AG will bis
Ende des Jahres wieder in die Gewinnzone kommen, erwartet für das Gesamtjahr
jedoch einen zweistelligen Millionenverlust. "Gegen Ende des Jahres wollen wir
schwarze Zahlen schreiben", sagte Finanzvorstand Wilfried Beeck der dpa.
Im vergangenen Jahr machte Intershop einen Verlust von 39,3 Mio. Euro (76,9
Mio. DM). Der Aktienkurs war zu Jahresbeginn um bis zu 70 Prozent eingebrochen.
Er sank nach der schlechten Bilanz nochmals von 9,70 Euro am Mittwoch auf 7,85
Euro am Freitag.
Im Januar wurden weltweit rund 200 Stellen gestrichen. In den USA musste
fast ein Drittel der 256 Mitarbeiter gehen. Die Geschäfte in Deutschland laufen
nach Worten von Beeck dagegen besser. "In Jena werden Mitarbeiter in der
Entwicklung hinzukommen", kündigte er an. Europa bleibt nach Ansicht des
Finanzvorstands das Zugpferd für Intershop. "In England haben wir sehr gut
aufgeholt.