Mir ist es egal, was Alan G. heute macht.
Die Erwartungen der Akteure an den Finanzmärkten sind ohnehin eindeutig. Wenn der Offenmarktausschuss der US-Notenbank am Mittwoch seine Beratungen abgeschlossen hat, wird er nach nahezu einstimmiger Einschätzung einen großen Zinssenkungsschritt von 50 Basispunkten verkünden.
Eine gute Nachricht für die Aktienmärkte, werden die Optimisten sagen, wenn sich die Erwartung bewahrheitet. Schließlich sind die Zinsen der entscheidende Schlüssel für das Auf und Ab der Kurse. Kombiniert mit den anstehenden umfangreichen Steuersenkungen der Bush-Regierung, schafft die massive geldpolitische Lockerung gute Voraussetzungen für eine Milderung des Abschwungs der US-Wirtschaft und ihre Wiederbeschleunigung im Laufe des zweiten Halbjahres.
Wirklich eine gute Nachricht? Nur bedingt. Denn die Aktionen der Fed signalisieren Risiken. Der Zustand der Wirtschaft muss die US-Notenbank schon ziemlich beunruhigen, wenn sie, wie am 3. Januar geschehen, außer der Reihe eine Zinssenkung um 50 BP beschließt. Das hatte sie davor zuletzt während der Russland- und LTCM-Krise im Jahr 1998 getan. Folgt am Mittwoch ein weiterer großer Schritt, würde der Zielsatz für Fed Funds erstmals in der Amtszeit Greenspans innerhalb eines Monats um einen vollen Prozentpunkt gesenkt.
Für die Aktienmärkte ist m. E. nicht der Zinsbeschluss am Mittwoch entscheidend, sondern die Nachricht hinter der Nachricht, das heißt die weitere Entwicklung der US-Konjunktur.
Der Chairman der Fed sieht die Gefahr einer Abwärtsspirale, einer Bruchlandung anstelle des erhofften Soft Landing. Und er möchte sich später nicht vorwerfen lassen, nicht rechtzeitig und aggressiv genug gegengesteuert zu haben.
Damit werden die Wirtschaftsdaten die weitere Tendenz der Aktienmärkte vorgeben. Denn im Fall einer Rezession müssten die Schätzungen für die Unternehmensgewinne einer weiteren Überprüfung unterzogen werden, mit negativen Vorzeichen. Für die Aktienmärkte würde das im besten Fall eine weitere Durststrecke bedeuten. Dies gilt jedoch nur für die USA, nicht für Euroland. Warum sollten wir nicht von der positiven Wirkung einer wie auch immer gearteten Senkung profitieren, wenn jedem internationalen Investor klar wird, daß die Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne hier eine andere sein wird? Ich kann mir auch vorstellen, daß es nach oben geht hier, wenn Alan G. nichts macht.
Es ist nur eine Frage der mehrheitlichen Interpretation.