Aus der FTD vom 31.3.2003
Derivate: Investoren setzen auf Produkte mit hoher Hebelwirkung
Von Michael Neuhaus
An den Derivatemärkten verfolgen die Anleger derzeit oft sehr kurzfristige, gegen den Markttrend gerichtete Strategien. Besonders gefragt sind Knock-out-Produkte mit teils sehr hoher Hebelwirkung.
Die Optimisten setzten in der vergangenen Woche beim Dax auf Basispreise von 2300 bis 2500 Punkte, Pessimisten auf die Marken von 2900 bis 2750 Punkten. Bei einem Knock-out besteht die Gefahr, dass es automatisch wertlos verfällt, wenn der Basispreis unter- oder überschritten wird.
Hohen Schwankungen waren die Finanztitel ausgesetzt, vor allem die Aktien von Münchener Rück und Allianz. Die Anleger nutzten während der gesamten Woche die vermeintlich niedrigen Kurse, um sich mit klassischen Kaufoptionsscheinen sowie Knock-out-Calls und Hebelzertifikaten einzudecken. Die anhaltende Talfahrt führte dann zu hohen Verlusten. Bei der Münchner Rück standen Calls mit Basispreisen von 70 bis 100 Euro und Fälligkeit im Dezember 2004 ganz oben auf den Käuferlisten.
Zahlreiche Neuemissionen
Mit der Neuordnung der Indexfamilie wurde am vergangenen Montag zum ersten Mal der TecDax berechnet. Aus diesem Grund gab es zahlreiche Neuemissionen an derivativen Produkten. Neben klassischen Optionsscheinen oder auch Knock-out-Produkten stießen gerade die neu aufgelegten Indexzertifikate auf reges Interesse der Anleger.
Inhaber von derivativen Produkten auf den Nemax 50 sind trotz der Neuordnung nicht gezwungen, ihre Bestände zu veräußern, da der Index auf jeden Fall bis Ende 2004 berechnet wird und somit eine Preisermittlung der Derivate gewährleistet ist. Negativ könnte sich aber die nachlassende Liquidität im einstigen Hightech-Index auswirken.
Starke Reaktionen des Euro auf Kriegsverlauf
Mit dem Anstieg des Euro kam es vor dem Wochenende zu Gewinnmitnahmen bei den in der Vorwoche nachgefragten Calls. Da den Investoren die starken Reaktionen des Euro auf Ereignisse in Irak bewusst sind, trennten sie sich von Positionen vor möglichen Verlusten.
Auch die Entwicklung an den Rohölmärkten steht weiter im Blickpunkt der Anleger. Zu Beginn der vergangenen Woche kam es zu Verkäufen von Puts mit einer Basis von 29 $. An den Tagen danach deckten sich die Anleger zunehmend mit Calls ein. Die Basispreise lagen zwischen 30 und 33 $. Grund war der höhere Ölpreis.
In Bezug auf die ölverarbeitende Industrie war vor allem ein Call auf die Aktien der russischen Gesellschaft Lukoil mit einem Basispreis von 150 Euro begehrt. Gerade die ölexportierenden Unternehmen in Russland könnten nach Ansicht einiger Marktteilnehmer bei Verknappung der Fördermengen als Profiteur der Irak-Krise hervorgehen.
Michael Neuhaus ist Optionsscheinhändler bei der Euwax Broker AG.
© 2003 Financial Times Deutschland
Das hätt' ich nicht für möglich gehalten