Internationaler Finanzmarkt
Die Anleger sind wieder in Kauflaune
Von Benedikt Fehr
HCA: größte Übernahme durch privates Beteiligungskapital aller Zeiten
30. Juli 2006
Die Anleger haben in der vergangenen Woche alle Sorgen über den Nahost-Konflikt, hohe Energiepreise und gedämpfte Konjunkturaussichten in Amerika hinter sich gelassen und an den Aktienmärkten kräftig zugekauft. Rund um den Globus haben die großen Leitindizes daraufhin Kursgewinne von 3 Prozent und mehr verbucht, manche Kursbarometer verzeichneten sogar den höchsten Wochengewinn seit mindestens Jahresbeginn. Auch die Anleihemärkte haben sich mit Kursgewinnen präsentiert. Das hat die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatspapiere zum Wochenschluß unter die Marke von 5 Prozent gedrückt.
Zu dem erhöhten Risikoappetit der Anleger haben überraschend gute Unternehmensgewinne im zweiten Quartal beigetragen. Geglänzt haben vor allem die Ölkonzerne, denen der erhöhte Ölpreis einen wahren Geldsegen beschert hat, aber zum Beispiel auch die Autokonzerne VW, Daimler-Chrysler und General Motors, die mit ihren jeweiligen Sanierungsprogrammen offenbar gut vorankommen. Zudem stimuliert das grassierende Übernahmefieber, das bei vielen Aktien für Kursphantasie sorgt. Gleich zu Wochenbeginn sorgte für einen Paukenschlag, daß Finanzinvestoren die Übernahme der amerikanischen Krankenhauskette HCA für 33 Milliarden Dollar ankündigten - die größte Übernahme durch privates Beteiligungskapital aller Zeiten. Das nährt Hoffnungen auf weitere Großübernahmen.
Hochkonjunktur der Private Equity
Tatsächlich haben Beteiligungsfonds allein 2005 und 2006 bei Investoren mehr als 100 Milliarden Dollar eingesammelt. Dieses Kapital, das meist durch Kredite um ein Vielfaches „gehebelt“ wird, drängt nun auf Anlage. Angesichts der gewaltigen Beträge, die sie anzulegen haben, nehmen die Manager dieser Fonds zusehends auch große börsennotierte Konzerne ins Visier.
Wieso erlebt Private Equity derzeit solch eine Hochkonjunktur? Dahinter steht, daß institutionelle Anleger händeringend nach „Alpha“ suchen, also nach Anlageformen, die langfristig hohe absolute Renditen versprechen und die mit den klassischen Anlagekategorien wie Aktien und Anleihen wenig korreliert sind. Denn Studien zeigen, daß Portfolios, denen solche „alternative Investments“ beigemischt sind, mittelfristig höhere Renditen abwerfen als traditionelle Portfolios. „Private Equity“ ist ein „alternatives Investment“ mit diesen Eigenschaften - jedenfalls nach den historischen Erfahrungen.Deshalb strömen den Beteiligungsfonds, daneben den Hedge-Fonds und zum Beispiel auch dem Kunstmarkt, in letzter Zeit Milliarden-Beträge zu.
Ängste der Aktienanleger unbegründet
Rückenwind hat den Aktienmärkten zudem die zunehmende Wahrscheinlichkeit verschafft, daß die amerikanische Notenbank Fed nun kurz vor dem Ende ihrer Leitzinserhöhungen steht - wenn nicht der Zinsgipfel bereits erreicht ist. Die Anleger haben die jüngsten Konjunkturdaten aus Amerika jedenfalls in diesem Sinne gelesen: Sie konzentrierten sich darauf, daß die Wirtschaft im zweiten Quartal nach erster Schätzung nur mit einer Jahresrate von 2,5 Prozent gewachsen ist, statt der erwarteten 3 Prozent. Seither räumen die Zinsterminmärkte einer Anhebung des Dollar-Leitzinses am 8. August nur noch eine Wahrscheinlichkeit von knapp 30 Prozent ein.
Auch einer Zinserhöhung in den folgenden Monaten geben sie derzeit keine höhere Wahrscheinlichkeit. Ginge es nach den Terminmärkten, hätte der Dollar-Leitzins mit derzeit 5,25 Prozent also seinen Gipfel erreicht. Die Aktienanleger erleichtert das. Denn unter ihnen ging die Sorge um, daß die Fed die Konjunktur mit weiteren Zinserhöhungen zu stark abbremsen könnte - was nicht zuletzt zu Lasten der Unternehmensgewinne und damit auch der Aktienkurse gegangen wäre.
Höchster Wert seit 1994
Doch ist über der Fokussierung auf das gedämpfte Wachstum in den Hintergrund getreten, daß die Kernrate des sogenannten PCE-Deflators - einem Inflationsbarometer, dem die Fed große Beachtung schenkt - vom ersten zum zweiten Quartal von 2,1 auf 2,9 Prozent gesprungen ist, den höchsten Wert seit 1994. Auch andere Inflationsmaße seien in jüngster Zeit gestiegen, merken die Analysten von Goldman Sachs an. Dies dürfte ihrer Einschätzung nach, allerdings sehr knapp, den Ausschlag für eine Anhebung des Dollar-Leitzinses auf 5,5 Prozent am 8. August geben.
Während der weitere Weg des Dollar-Leitzinses also noch etwas unsicher ist, gilt als ausgemacht, daß die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Tagesgeldsatz am kommenden Donnerstag von 2,75 auf 3 Prozent anheben wird. Alles andere wäre eine faustdicke Überraschung, da EZB-Präsident Jean-Claude Trichet die Märkte darauf bereits eingestimmt hat. Unklar ist aber, ob im Jahresverlauf nur noch einer oder zwei Zinsschritte folgen werden. Die Wahrscheinlichkeit spreche für zwei Schritte, meint Thomas Mayer, der Chefvolkswirt Europa der Deutschen Bank.
Moderate Yuan-Aufwertung
Denn wenn die EZB den Leitzins am 3. August anhebe, wie es wahrscheinlich sei, dann werde sie damit den Abstand zwischen den Zinsschritten von zuvor drei auf zwei Monate verkürzen. Diese Beschleunigung aber erscheine nur dann sinnvoll, wenn ihr weitere Trippelschritte im Zweimonatsabstand folgten. Mayer erwartet weitere Zinsschritte im Oktober, Dezember sowie Anfang 2007 auf dann 3,75 Prozent.
Dem Euro hat die Aussicht auf einen schrumpfenden Zinsabstand gegenüber dem Dollar Auftrieb verschafft. Er erreichte mit 1,276 Dollar den höchsten Stand seit fast drei Wochen. Auch der chinesische Yuan hat zum Dollar weiter aufgewertet. Zum Wochenschluß mußten nur noch 7,97 Yuan je Dollar gezahlt werden, sowenig wie seit 1993 nicht mehr. Offenbar versucht die chinesische Regierung, die überhitzte Wirtschaft durch eine moderate Yuan-Aufwertung etwas abzukühlen - und damit gleichzeitig der Kritik amerikanischer Politiker an der staatlicherseits verordneten Unterbewertung des Yuan etwas den Wind aus den Segeln zu nehmen.
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Fazit:
Die Zinserhöhungen gehen wohl weiter, wie wir beide es schon am Freitag vermutet haben. Die Faz teilt den eher kritischen Ausblick auf die Finanzmärkte.
Ich denke, bei einem derart drastischen Anstiegt des PCE-Deflators wird die Fed reagieren müssen. Da eine solche Reaktion derzeit vom überwiegenden Teil der Marktteilnehmer offenbar nicht erwartet wird (vgl. Terminmarkt), könnte die nächste Zinserhöhung einschlagen wie eine Bombe.
Bleibt die Frage, ob dies dann die letzte Zinserhöhung der Fed sein wird. Die Gefahr, dass die Preise weiter steigen, ist m.E. nicht gebannt, solange auch der Ölpreis (und die sonstigen Rohstoffkosten) weiter steigt. Zwar wird das Öl aus der Kerninfaltion rausgerechnet (wenn ich das richtig verstanden habe). Dass spielt an sich aber keine Rolle, da der hohe Ölpreis.... wenn auch mit Verzögerungen .... letztlich in den Indikatoren, die die Kerninflation beschreiben, repräsentiert werden wird.
Der Grund liegt auf der hand: Wir brauchen Öl, um so ziemlich jedes Produkt herzustellen, vom Weizen (Brot, Nahrungsmittel) bis zum Plastikstuhl (Alltagsbedarf, Autos). Und wenn es nur um den Transport der Ware geht... oder die Gewinnung der zur Verarbeitung notwendigen Energie.
Steigt der Ölpreis, steigen auch die Transport und Herstellungskosten. Die Preise werden auf den Verbraucher umgelegt, und kommen so in die Kerninflation..... es dauert eben nur etwas, bis die Kerninflation ansteigt, weil steigende Rohstoffkosten oft nicht direkt auf den Verbraucher umgelegt werden.
Der Anstiegt des PCE Defaltors könnt hierfür ein Anzeichen sein.