Inflation ist nicht gleich Inflation
von Jochen Steffens
Gerade kommt über die Ticker: Bush will heute den Nachfolger Greenspans um 19.00 Uhr bekannt geben!
So, heute widme ich mich endlich einmal der Frage, warum eine Nachfrage-Inflation nicht mit einer energiegetriebenen Inflation zu vergleichen ist.
Ich hatte schon 2003 im Rahmen der Deflationsdiskussion erläutert, dass es bei der bekannten und gefürchteten Inflation eigentlich um die Geldumlaufgeschwindigkeit geht.
Es ist eine Spirale und da muss man irgendwo einsteigen, ich steige bei der Nachfrage ein: Die Rezession ist zu Ende, die Unternehmen machen Gewinne und sind bereit, höhere Löhne zu zahlen, weil die Arbeitslosigkeit sinkt und es schwerer wird, gute Arbeiter zu kriegen. Das heißt, es steht mehr Geld zum Konsum zur Verfügung. Das wird sich irgendwann auf die Preise auswirken, diese werden steigen. Bei steigenden Preisen werden die Arbeitnehmer wiederum höhere Löhne fordern, soweit das Wirtschaftswachstum in Ordnung ist, werden sie das auch durchsetzen können.
Wirtschaftliches Wachstum führt zu Infaltion
Nun, das ist der normale Prozess wirtschaftlichen Wachstums und daher wird Wirtschaftswachstum auch immer gerne von einer Inflation begleitet. Soweit ist das in Ordnung.
Stellen wir uns jedoch vor, dass die Preise aufgrund der höheren Nachfrage weiter steigen. Immer mehr Menschen überlegen sich jetzt, größere Anschaffungen noch schnell zu tätigen, bevor es noch teurer wird.
Der beschleunigte Geldstrom
Dadurch beschleunigt sich der Geldstrom, das Geld ist immer kürzer in den Händen der Konsumenten. Es wird nicht gespart, sondern gekauft (in Deutschland erleben wir im Moment deflationäre Tendenzen, eine Verlangsamung der Geldumlaufgeschwindigkeit, die Menschen warten mit Investitionen immer länger, das Geld bleibt immer länger in den Taschen (auf den Konten) der Konsumenten liegen, diese Deflation wird durch niedrigere Zinsen bekämpft und durch die teureren Energiepreise aktuell überdeckt).
Die galoppierende Inflation
In dieser Situation wird es kritisch, denn wenn dieser Prozess nicht nur die größeren Anschaffungen, also den langfristigen Bedarf betrifft, sondern auch den mittelfristigen bis kurzfristigen Bedarf überspringt, haben wir es mit einer galoppierenden Inflation zu tun. Das Geld wird, sobald es in den Händen ist, zum Bäcker getragen, da das Brot am nächsten Tag teurer ist. Löhne werden tageweise ausgehandelt. Das ist der Zustand kurz vor dem inflationären Zusammenbruch.
Die Maßnahme gegen Infaltion
Um in Zeiten eines wirtschaftlichen Aufschwungs die Inflation unter Kontrolle zu halten, muss man also die Geldumlaufgeschwindigkeit ausbremsen. Das kann man sinnvollerweise tun, indem man die kurzfristigen Zinsen anhebt. Auf der einen Seite werden die Kredite teurer, das heißt, der Geldzufluss wird gebremst, zum anderen wird den Konsumenten ein Anreiz geschaffen, Geld verzinslich anzulegen. Dieses parkende Geld steht dem Konsum nicht mehr zur Verfügung und bremst damit die Geldumlaufgeschwindigkeit ab.
Soweit, so gut. Sie sehen, es hat etwas mit der Geschwindigkeit zu tun, mit der Geld die Besitzer wechselt. Zudem betrifft die Inflation nahezu alle Produkte. Und als letzter, wichtiger Grund ist die Psychologie und Einstellung des Konsumenten zu beachten.
Die energiepreisgetriebene Inflation
Wenn wir nun eine energiepreisgetriebene Inflation haben, dann hat das nichts mit der Geldumlaufgeschwindigkeit zu tun. Auch nichts mit höheren Löhnen, die zu einer höheren Nachfrage führen. Nein, hier ist ein Einfluss außerhalb des normalen Geldflusses verantwortlich für die Verteuerung bestimmter Produktsegmente.
Fehlende Nachfrage in anderen Bereichen
Der Witz bei der Sache ist der: Die Nachfrage nach all den anderen Produkten bleibt aber gleich, um nicht zu sagen, sie schrumpft, weil die Verbraucher selber höhere Energiepreise bezahlen müssen. Dadurch steht dem kurzfristigen und mittelfristigen Konsum weniger Geld zur Verfügung. Langfristige größere Anschaffungen werden verschoben.
Hier kann es nicht oder nur sehr langsam zu einer Preisspirale kommen. Dazu müssten zumindest die Löhne steigen. Das wiederum ist schwierig, da die Unternehmen selber die höheren Energiekosten nicht oder nur sehr langsam auf die Produktpreise umsetzen können. Das führt dazu, dass der Faktor Mensch/Arbeit als Kostenfaktor nicht auch noch teurer werden darf.
Es kann zwar sein, dass einige Leute aus Angst vor höheren Preisen schneller tanken oder ihre Öltanks füllen, aber das wird auf diesen Sektor beschränkt bleiben, sie werden nicht auch noch andere Produkte schneller kaufen, weil ohnehin schon weniger Geld da ist.
Fehlende Beschleunigung
Wir haben es hier nicht mit einem massiven Anstieg der Geldumlaufgeschwindigkeit zu tun, sondern mit einem partiellen Anstieg. Zumal nun die Verbraucher sparsamer mit Energie umgehen, genauso wie die Unternehmen.
Völlig hirnrissig ist es, eine energiegetriebene Inflation mit höheren Zinsen bekämpfen zu wollen. Da die Nachfrage nach anderen Produkten zurückgeht, kommen immer mehr Unternehmen in die Zwickmühle und müssen schauen, wie Sie in den dadurch intensiver werdenden Konkurrenzkampf ihre Preise erhalten. Das geht zu Lasten der Arbeitnehmer und der Löhne, einen Effekt, den wir in den USA sehen, die Löhne steigen nicht.
Wenn nun den Unternehmen auf der anderen Seite auch noch die Möglichkeit genommen wird kurzfristig billiges Geld aufzunehmen, werden sie von zwei Seiten in die Mangel genommen. Die höheren Energiepreise und die steigenden Kreditpreise. Das hat während der Ölkrisen der 70er Jahre zu der starken Rezession geführt.
Es ist aus diesem Grund sehr wichtig zu beobachten, wie sich die Nachfrage nach den anderen Produkten entwickelt, wie sich die Löhne entwickeln und wie sich die Geldumlaufgeschwindigkeit entwickelt. In den USA sehen wir aus oben genannten Gründen einen starken Anstieg der Inflationskennzahlen bei moderatem bis gar keinem Anstieg der Kernraten (ohne Energie und Nahrungsmittel).
(Hinweis: Das ist natürlich nur ein sehr oberflächlicher Einblick in das Wesen der Inflation, man könnte damit sicherlich Bücher füllen.)
Was will die Fed?
Die Argumentation der Fed ist also nicht ganz nachzuvollziehen, da sie so tut, als ginge es um eine Nachfrageinflation. Der einzig vorstellbare Einfluss der höheren Zinsen auf die Inflation wäre ein Umweg: Durch die höheren Zinsen wird das Wirtschaftswachstum abgewürgt, das wird die Nachfrage nach Öl senken, das wiederum die Inflation.
Nur dieser Prozess funktioniert auch ohne eine Anhebung der Zinsen. Zudem wird es wenig Einfluss auf den weltweiten Verbrauch haben. Aus diesem Grund halte ich diesen Umweg für theoretisch denkbar, aber kritisch.
Ich kann mir also nicht vorstellen, dass die Fed die Zinsen anhebt, um die Inflation, die keine Nachfrageinflation ist, zu bekämpfen. Also muss es einige andere Gründe dafür geben. Und aus diesem Grund habe ich Ihnen die verschiedenen bisher zu erkennenden Möglichkeiten aufgezeigt.
