Die Hausse am indischen Aktienmarkt, die den Benchmarkindex Sensex am Dienstag auf ein Allzeithoch von 8799,96 Punkten katapultiert hat, könnte zu Ende gehen. Nach Einschätzung von Analysten droht ein langsamerer Anstieg der Unternehmensgewinne die Aufwärtsbewegung zu bremsen.
Seit dem Wahlsieg der Kongreßpartei vor 16 Monaten hat der Sensex mit einem Plus von rund 77 Prozent die zweitbeste Wertentwicklung in Asien verzeichnet. In Asien hat lediglich der Colombo All Share in Sri Lanka mit einem Plus von 90 Prozent besser abgeschnitten. Am Donnerstag schloß der indische Sensex-Index mit knapp 8529 Punkten.
Gewinnwachstum schrumpft
Der Nettogewinn der Unternehmen im Benchmarkindex Sensex dürfte in dem bis März laufenden Geschäftsjahr um 16 Prozent steigen, schreibt Ratnesh Kumar, Direktor Analyse bei der Citigroup, an seine Kunden. In den vergangenen fünf Jahren waren die Unternehmensgewinne laut Kumar um jährlich 25 Prozent gestiegen. Bei dieser Berechnung blieben Ölgesellschaften außen vor, weil diese durch staatliche Preiskontrollen beschränkt wurden. Investitionen in Werke und Maschinen sowie höhere Lohnkosten und Treibstoffpreise dürften das Wachstum dämpfen, heißt es zudem in einer Studie von Ridham Desai, einem Aktienstrategen bei Morgan Stanley in Mumbai.
Die Analysten sind der Ansicht, daß die Investoren die Gewinnaussichten zu rosig beurteilten. Kumar rechnet damit, daß sich das Gewinnwachstum von 16 Prozent im laufenden Jahr noch weiter auf zwölf Prozent im kommenden Jahr verlangsamt. „Die Gewinne dürften den Höhepunkt überschritten haben”, warnte auch Desai. Er geht davon aus, daß die Rendite für Aktien bei steigenden Kapitalinvestitionen der Unternehmen von derzeit 22 Prozent auf 17 Prozent zurückgeht.
Korrektur ist wahrscheinlich
„Der Markt ist zu dramatisch gestiegen”, kommentiert Gulbir Madan, Fondsmanager bei Neptune Capital Management LLC in New York. „Es wäre richtig, wenn die Märkte ein bißchen von ihrer Euphorie lassen würden.” Vor der Rally waren die Aktienkurse am 17. Mai 2004 um elf Prozent eingebrochen. Das war der stärkste Kurseinbruch seit zwölf Jahren gewesen. Investoren befürchteten, daß die neue Regierung in der Wirtschaftpolitik einen anderen Kurs steuern würde. Zuvor hatten Privatisierungen und ein leichterer Zugang für ausländische Investoren zu bestimmten Branchen Indien das stärkste Wirtschaftswachstum seit 15 Jahren beschert.
Die neue Regierung setzte die Politik ihrer Vorgängerin jedoch fort und lockerte die Beschränkungen für ausländische Beteiligungen in Branchen wie Telekommunikation und Luftfahrt. Auch in der Bankbranche sind Erleichterungen für ausländische Investoren geplant.
Sakthi Siva, regionale Strategin bei UBS AG in Singapur, sieht den indischen Aktienmarkt nun aber als den am stärksten überbewerteten in Asien an. „Eine Korrektur von sechs bis zehn Prozent ist angesichts der Bewertung wahrscheinlich”, schrieb sie in einer E-Mail. In der neuesten Umfrage des Magazins „Institutional Investor” kam Siva unter den Asien-Strategen auf Platz zwei. Zieht man das Kurs-Gewinn-Verhältnis als Maßstab heran, ist der Sensex höher bewertet als der MSCI Emerging Markets Index, zeigen Bloomberg-Daten. Während die Aktien im Sensex zum 16,3fachen des für nächstes Jahr erwarteten Gewinns gehandelt werden, liegt das KGV für die weltweite Benchmark bei 12,7.
Text: F.A.Z., 07.10.2005
Seit dem Wahlsieg der Kongreßpartei vor 16 Monaten hat der Sensex mit einem Plus von rund 77 Prozent die zweitbeste Wertentwicklung in Asien verzeichnet. In Asien hat lediglich der Colombo All Share in Sri Lanka mit einem Plus von 90 Prozent besser abgeschnitten. Am Donnerstag schloß der indische Sensex-Index mit knapp 8529 Punkten.
Gewinnwachstum schrumpft
Der Nettogewinn der Unternehmen im Benchmarkindex Sensex dürfte in dem bis März laufenden Geschäftsjahr um 16 Prozent steigen, schreibt Ratnesh Kumar, Direktor Analyse bei der Citigroup, an seine Kunden. In den vergangenen fünf Jahren waren die Unternehmensgewinne laut Kumar um jährlich 25 Prozent gestiegen. Bei dieser Berechnung blieben Ölgesellschaften außen vor, weil diese durch staatliche Preiskontrollen beschränkt wurden. Investitionen in Werke und Maschinen sowie höhere Lohnkosten und Treibstoffpreise dürften das Wachstum dämpfen, heißt es zudem in einer Studie von Ridham Desai, einem Aktienstrategen bei Morgan Stanley in Mumbai.
Die Analysten sind der Ansicht, daß die Investoren die Gewinnaussichten zu rosig beurteilten. Kumar rechnet damit, daß sich das Gewinnwachstum von 16 Prozent im laufenden Jahr noch weiter auf zwölf Prozent im kommenden Jahr verlangsamt. „Die Gewinne dürften den Höhepunkt überschritten haben”, warnte auch Desai. Er geht davon aus, daß die Rendite für Aktien bei steigenden Kapitalinvestitionen der Unternehmen von derzeit 22 Prozent auf 17 Prozent zurückgeht.
Korrektur ist wahrscheinlich
„Der Markt ist zu dramatisch gestiegen”, kommentiert Gulbir Madan, Fondsmanager bei Neptune Capital Management LLC in New York. „Es wäre richtig, wenn die Märkte ein bißchen von ihrer Euphorie lassen würden.” Vor der Rally waren die Aktienkurse am 17. Mai 2004 um elf Prozent eingebrochen. Das war der stärkste Kurseinbruch seit zwölf Jahren gewesen. Investoren befürchteten, daß die neue Regierung in der Wirtschaftpolitik einen anderen Kurs steuern würde. Zuvor hatten Privatisierungen und ein leichterer Zugang für ausländische Investoren zu bestimmten Branchen Indien das stärkste Wirtschaftswachstum seit 15 Jahren beschert.
Die neue Regierung setzte die Politik ihrer Vorgängerin jedoch fort und lockerte die Beschränkungen für ausländische Beteiligungen in Branchen wie Telekommunikation und Luftfahrt. Auch in der Bankbranche sind Erleichterungen für ausländische Investoren geplant.
Sakthi Siva, regionale Strategin bei UBS AG in Singapur, sieht den indischen Aktienmarkt nun aber als den am stärksten überbewerteten in Asien an. „Eine Korrektur von sechs bis zehn Prozent ist angesichts der Bewertung wahrscheinlich”, schrieb sie in einer E-Mail. In der neuesten Umfrage des Magazins „Institutional Investor” kam Siva unter den Asien-Strategen auf Platz zwei. Zieht man das Kurs-Gewinn-Verhältnis als Maßstab heran, ist der Sensex höher bewertet als der MSCI Emerging Markets Index, zeigen Bloomberg-Daten. Während die Aktien im Sensex zum 16,3fachen des für nächstes Jahr erwarteten Gewinns gehandelt werden, liegt das KGV für die weltweite Benchmark bei 12,7.
Text: F.A.Z., 07.10.2005