Indiens Unternehmen entdecken Brasilien


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Indiens Unternehmen entdecken Brasilien

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18.09.06 15:56
HANDELSBLATT, Montag, 18. September 2006, 11:51 Uhr
Wirtschaftlicher Annäherungsprozess

Indiens Unternehmen entdecken Brasilien

Von Alexander Busch

Noch vor kurzem war Indien für brasilianische Unternehmen und Regierungen ein weißer Fleck auf der Landkarte - und umgekehrt. Inzwischen hat sich die Lage fundamental verändert. Die Wirtschaft der beiden Schwellenländer ergänzt sich gut - doch auf dem Weltmarkt konkurrieren sie.


SÃO PAULO. Gerade mal 500 Mill. Dollar betrug der bilaterale Handel zwischen den beiden großen Emerging-Markets noch im Jahr 2000. Investitionen von Unternehmen im jeweils anderen Markt existierten nicht. Der letzte große Staatsbesuch liegt ganze 40 Jahre zurück: Damals war es Indira Gandhi, die Brasilien besuchte.

Inzwischen hat sich die Lage fundamental verändert: Die Staatsvisite des indischen Premiers Manmohan Singh in Brasilien in der vergangenen Woche ist Ausdruck eines intensiven wirtschaftlichen Annäherungsprozesses. Die Unternehmen beider Länder entdecken zunehmend die Chancen auf dem jeweils anderen Markt.

Das drückt sich jetzt schon im Zuwachs des bilateralen Handels aus, der sich seit dem Jahr 2000 auf 2,3 Mrd. Dollar verfünffacht hat. Bis 2009 soll er sich noch einmal verdoppeln. Interesse zeigen auch Konzerne am jeweils anderen Standort: Indische Unternehmen interessieren sich vor allem für brasilianisches Know-how und Technologie bei alternativen Energien wie Ethanol und Biodiesel oder in der Landwirtschaft.

Zur Sicherung der eigenen Energieversorgung kündigen indische Konzerne massive Investitionen in Brasilien an: Der staatliche indische Ölkonzern ONGC hat von Shell in Brasilien für 1,4 Mrd. Dollar Öl-Explorationsfelder übernommen. Auch der private Bergbaukonzern Mine Planning & Construction wird 1,5 Mrd. Dollar in die Ölförderung in Brasilien investieren, den damit wichtigsten ausländischen Standort des Konzerns. "Unser Plan ist, in den nächsten 15 Jahren 18 Mrd. Dollar in Brasilien zu investieren", sagt Simran Bedi, Geschäftsführer des Konzerns. Auch der größte indische Zuckerproduzent Bajaj Hindustan will 500 Mill. Dollar in Zuckerplantagen und Destillen in Brasilien stecken. "Die indischen Konzerne kommen spät, aber dafür umso aggressiver nach Brasilien", sagt Rengaraj Viswanathan, im indischen Außenministerium für Lateinamerika zuständig.

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Schwieriger ist es für Unternehmen, die den brasilianischen Markt erobern wollen: So haben indische Pharmakonzerne rund 200 Mill. Dollar in Brasilien investiert. Doch so richtig glücklich werden sie damit nicht: Der größte indische Generika-Hersteller Ranbaxy ist zwar die größte ausländische Firma im Markt. Er hält aber nicht mehr als drei Prozent des Generikamarktes - zu wenig, um die Produktionskosten durch hohe Stückzahlen senken zu können. "Die Konkurrenz ist extrem stark", sagt Alok Kapoor, Chef von Ranbaxy in Brasilien, "man braucht einen langen Atem zum Überleben."

Brasilianische Konzerne sehen umgekehrt die größten Chancen in der indischen Infrastruktur und Logistik: Der Busausrüster Marcopolo gründete mit dem indischen Industrieriesen Tata im Mai ein Jointventure zum Bau von Bussen in Indien mit einer anfänglichen Jahresproduktion von 7 000 Fahrzeugen. Jetzt verhandelt Marcopolo ein weiteres Kooperationsprojekt mit der Tata-Tochter Taco für den Bau von Busteilen.

CVRD, der brasilianische Eisenerzgigant und wichtigste Logistikanbieter Lateinamerikas, modernisiert für 600 Mill. Dollar das indische Schienennetz. Dafür kauft der Konzern in Indien Eisenbahnwaggons für seine Erztransportzüge. Im Unterschied zu den indischen Konzernen beteiligen die brasilianischen Unternehmen bei den meisten Investitionen lokale Partner. "Die brasilianischen Konzerne schließen immer mehr Geschäfte auf Gegenseitigkeit ab", beobachtet Joachim Zahn, internationaler Berater von CVRD. "Das ist nachhaltiger für die Geschäftsbeziehungen."

Denn auch der Honeymoon in den brasilianisch-indischen Wirtschaftsbeziehungen wird nicht lange anhalten: Viele Unternehmen entdecken, dass sie auf dem Weltmarkt harte Konkurrenten sind. Bei den jetzigen Verhandlungen in Brasília gelang es den Delegationen deshalb auch nicht, den Anteil der zollfreien Produkte im bilateralen Handel zu erhöhen. Vor dem Treffen der Staatschefs sorgte ein Interview des stellvertretenden Ministers für Handel aus Indien für Verstimmung. Es sei "etwas naiv", von einer natürlichen Allianz zwischen Indien und Brasilien zu sprechen. "Denn wir konkurrieren auf dem Weltmarkt mit verarbeiteten Produkten", sagte Jairam Ramesh. "Während Brasilien offene Agrarmärkte will, wollen wir den Schutz unserer Bauern. Brasilien will seinen Markt für Dienstleistungen schützen, wir unseren öffnen."


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