In London grummelt's vernehmlich
Minister und hohe Militärs sind über die USA verärgert
Von Peter Nonnenmacher (London)
Mag der britische Premierminister Tony Blair auch alle paar Wochen über den Atlantik jetten, um im Kampf gegen den Terror mit dem US-Präsidenten "Schulter an Schulter" zu stehen: Ganz so einvernehmlich, wie es noch Anfang des Herbstes war, ist das Verhältnis zwischen Briten und Amerikanern mittlerweile nicht mehr.
Wachsende Vorbehalte gegenüber der US-Politik, wie sie sich in Londons liberaler Presse spiegeln, haben nunmehr zu besorgten Äußerungen von Ministern und Militärs geführt. Zwar wagt noch niemand im Regierungsviertel Whitehall, offene Kritik an den USA zu üben. Dem regierungsnahen Guardian gegenüber haben aber "hohe Kabinettsmitglieder" und "militärische Befehlshaber" ihren Unmut deutlich gemacht.
Verärgert vermerken sie vor allem, dass Blairs waghalsige "Brückenbau"-Offensive in arabischen Ländern und sein Verweis auf die Dringlichkeit einer Lösung der Palästina-Frage im Weißen Haus offenbar auf wenig Interesse stößt. Anlass war die jüngste Bemerkung von US-Präsident George W. Bush: "Wir werden Al Qaeda den Prozess machen, ob es nun Frieden gibt im Nahen Osten oder nicht." Dem Guardian gegenüber klagte ein britischer Minister, die Amerikaner mäßen dem Nahost-Konflikt zu wenig Bedeutung bei. US-Außenminister Colin Powell habe eine lang versprochene Rede zu diesem Thema mehrfach aufgeschoben.
Noch größer ist die Sorge in London, dass in Washington diejenigen die Oberhand gewinnen könnten, die eine Ausweitung des Anti-Terror-Feldzugs, etwa in Richtung Irak, befürworten. Der Guardian zitiert dazu ein Kabinettsmitglied mit den Worten, eine Bombardierung Iraks wäre "katastrophal" und hätte "unvorstellbar gefährliche" Folgen: den Tod zahlloser Frauen und Kinder, die absehbare Schließung britischer und US-amerikanischer Botschaften in vielen Regionen, Übergriffe auf westliche Zivilisten und den Sturz gemäßigter arabischer Regierungen. Ein Diplomat wurde mit der Bemerkung wiedergegeben, Irak sei "eine rote Linie, die Britannien nicht überqueren wird".
Beanstandet wird in London auch, dass sich die Amerikaner nicht ausreichend mit den britischen Alliierten über Militäraktionen gegen Afghanistan absprächen. Britische Befehlshaber zeigen wenig Verständnis dafür, dass die USA britische Truppen angefordert haben, sich einstweilen aber weigern, sie einzusetzen, und dass die Amerikaner dem britischen Kriegsbeitrag "keine Anerkennung" zuteil werden ließen - 70 hohe Offiziere des Königreichs sind dem Hauptquartier des Krieges in Florida zugeteilt worden.
Wenig Hehl machen Insel-Politiker zudem aus ihrer Enttäuschung darüber, dass nach ihrer Einschätzung die USA humanitären Aktionen wesentlich weniger Beachtung schenken als die europäischen Partner: London ist sich der zunehmenden Fragen im eigenen Land bewusst, die Friedensbewegung wächst
www.frankfurterrundschau.de/
ohne Kommentar Kicky
Minister und hohe Militärs sind über die USA verärgert
Von Peter Nonnenmacher (London)
Mag der britische Premierminister Tony Blair auch alle paar Wochen über den Atlantik jetten, um im Kampf gegen den Terror mit dem US-Präsidenten "Schulter an Schulter" zu stehen: Ganz so einvernehmlich, wie es noch Anfang des Herbstes war, ist das Verhältnis zwischen Briten und Amerikanern mittlerweile nicht mehr.
Wachsende Vorbehalte gegenüber der US-Politik, wie sie sich in Londons liberaler Presse spiegeln, haben nunmehr zu besorgten Äußerungen von Ministern und Militärs geführt. Zwar wagt noch niemand im Regierungsviertel Whitehall, offene Kritik an den USA zu üben. Dem regierungsnahen Guardian gegenüber haben aber "hohe Kabinettsmitglieder" und "militärische Befehlshaber" ihren Unmut deutlich gemacht.
Verärgert vermerken sie vor allem, dass Blairs waghalsige "Brückenbau"-Offensive in arabischen Ländern und sein Verweis auf die Dringlichkeit einer Lösung der Palästina-Frage im Weißen Haus offenbar auf wenig Interesse stößt. Anlass war die jüngste Bemerkung von US-Präsident George W. Bush: "Wir werden Al Qaeda den Prozess machen, ob es nun Frieden gibt im Nahen Osten oder nicht." Dem Guardian gegenüber klagte ein britischer Minister, die Amerikaner mäßen dem Nahost-Konflikt zu wenig Bedeutung bei. US-Außenminister Colin Powell habe eine lang versprochene Rede zu diesem Thema mehrfach aufgeschoben.
Noch größer ist die Sorge in London, dass in Washington diejenigen die Oberhand gewinnen könnten, die eine Ausweitung des Anti-Terror-Feldzugs, etwa in Richtung Irak, befürworten. Der Guardian zitiert dazu ein Kabinettsmitglied mit den Worten, eine Bombardierung Iraks wäre "katastrophal" und hätte "unvorstellbar gefährliche" Folgen: den Tod zahlloser Frauen und Kinder, die absehbare Schließung britischer und US-amerikanischer Botschaften in vielen Regionen, Übergriffe auf westliche Zivilisten und den Sturz gemäßigter arabischer Regierungen. Ein Diplomat wurde mit der Bemerkung wiedergegeben, Irak sei "eine rote Linie, die Britannien nicht überqueren wird".
Beanstandet wird in London auch, dass sich die Amerikaner nicht ausreichend mit den britischen Alliierten über Militäraktionen gegen Afghanistan absprächen. Britische Befehlshaber zeigen wenig Verständnis dafür, dass die USA britische Truppen angefordert haben, sich einstweilen aber weigern, sie einzusetzen, und dass die Amerikaner dem britischen Kriegsbeitrag "keine Anerkennung" zuteil werden ließen - 70 hohe Offiziere des Königreichs sind dem Hauptquartier des Krieges in Florida zugeteilt worden.
Wenig Hehl machen Insel-Politiker zudem aus ihrer Enttäuschung darüber, dass nach ihrer Einschätzung die USA humanitären Aktionen wesentlich weniger Beachtung schenken als die europäischen Partner: London ist sich der zunehmenden Fragen im eigenen Land bewusst, die Friedensbewegung wächst
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ohne Kommentar Kicky