Stand heute gibt es allerdings keinen Akteur, der das Pool-, Vergleicher- und MVP-Geschäft so effektiv bündeln kann, dass die Mega-Plattform entsteht. Ein wichtiger Grund ist die fehlende Standardisierung. 20 Jahre nach der Erfindung des GDV-Datensatzes ist die Branche in Deutschland immer noch weit entfernt von einer Normierung der Datenströme. Gerade diese Standardisierung braucht jedoch jede Mega-Plattform.
Im Resultat finden wir eine zersplitterte Landschaft von Dienstleistern für Pool-, MVP- und Vergleichsservices. 50 MVPs werden in Deutschland aktiv genutzt. Dazu kommen 18 Pools, die jeweils mehr als 10 Mio. EUR Jahresprovisionen verwalten. Bei den Vergleichern ist die Konsolidierung etwas weiter, aber auch hier gibt es noch zahlreiche Anbieter, die in verschiedenen Sparten eine große Relevanz haben. All diese Dienstleister müssen mit einer Welt klarkommen, in der 100-150 relevante Versicherer ihr eigenes Süppchen kochen statt sich an einen Branchenstandard zu halten.
Das Fehlen der Megaplattformen bedeutet, dass wir als Makler uns aus verschiedenen Dienstleistern unsere eigene Plattform zusammenstricken müssen, in der wir andere Dienstleister modular anbinden. Dafür braucht ein Makler eine starke IT, die verschiedene Dienstleister zusammenführen kann. Wir haben daraus z.B. längst die Konsequenzen gezogen. Bei Policen Direkt ist die Abteilung IT so groß wie die Abteilung Kundenservice. Das kann und will sich natürlich nicht jeder Makler leisten. Bloß: wer sich keine IT leistet, muss weiter auf die Mega-Plattform warten. Kommt sie, kann er effektiv arbeiten, wird aber von ihr abhängig und über kurz oder lang verschwinden. Kommt sie nicht, ist er zwar weniger abhängig, aber auch nicht mehr effektiv. Nur eine starke eigene IT schützt vor diesem Dilemma.
Übrigens bedroht die Existenz der Megaplattform nicht nur die Unabhängigkeit der Makler. Noch bedrohlicher ist sie vermutlich für die Versicherer, insbesondere für jene ohne starke Eigenmarke. Vielleicht haben die Versicherer gerade deshalb kein Interesse an einer funktionierenden Standardisierung, die das Entstehen von Megaplattformen ermöglichen würde. Aber das ist ein anderes Thema für ein anderes Mal.
Über den Autor: Philipp Kanschik ist Bereichsleiter für das digitale Maklergeschäft und Nachfolgelösungen bei Policen Direkt. Einerseits ist er promovierter Philosoph, Weltreisender und Gitarrist und andererseits Experte für technologiebasierte Online-Versicherungs-Plattformen sowie Maklerbestandsübernahmen. So wirft er einen ganz eigenen Blick auf die digitalen Herausforderungen der Versicherungsbranche.
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