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Neuer HRE-Skandal
Montag, 18. Mai 2009 um 14:37
Von Bernd Niquet
Ich weiß noch sehr gut, wie das war, damals, zum Ende der 90er Jahre, als das Übernahmeangebot von Vodafone für Mannesmann kam. Ich war beglückt ob der Kurssteigerungen und habe das Angebot, meine Aktien mit sensationellem Gewinn abzugeben, dankend angenommen. Mein Vater hingegen weigerte sich standhaft, sich von seinen Aktien ebenfalls zu trennen. „So etwas macht man nicht“, hat er damals gesagt, „ein gutes deutsches Unternehmen an einen britischen Spieler zu verkaufen.“ So unterschiedlich handeln und denken Vertreter verschiedener Generationen.
Jüngst stand ich erneut vor einer ähnlich gelagerten Entscheidung. Dieses Mal allerdings nicht bei steigenden Kursen. Es ging um das staatliche Übernahmeangebot für die Aktien der Hypo Real Estate (HRE). Heute nun bin ich mehr als zehn Jahre älter als damals und denke daher auch anders. Natürlich wollte ich mich eigentlich keinesfalls von meinen Aktien trennen, doch war es nicht irgendwie meine Pflicht, auf das Angebot des Staates einzugehen, um die Verstaatlichung zu vermeiden?
Ich habe damals an dieser Stelle darüber berichtet – und geschrieben, dass ich die Hälfte meiner Aktien zur Übernahme freigegeben habe. Mit dem Rest wollte ich sehen, wie es weiter geht. Wie es allerdings weiter gegangen ist, halte ich für einen Skandal. Denn während diejenigen, die auf den Staat vertraut haben, gerade in diesen Tagen ihre Abrechnung bekommen haben, in der sie ihre HRE-Aktien für 1,39 Euro abgegeben haben, notieren die Aktien zeitgleich an der Börse bei 1,48 Euro. Wer also den Staat nicht unterstützt hat, ist jetzt besser gestellt als derjenige, der das nicht getan hat.
Die Lektion aus dieser Geschichte ist eindeutig und ich bin entsetzt, dass man das zugelassen hat. Was für eine niederträchtige Geschichte, die Gutmeinenden und Staatstreuen so zu demütigen.
Mit was für Leuten hat man es hier auf Staatsseite nur zu tun? Warum gab es hier kein Kursmanagement, das die Kurse unten hält. Notfalls hätte doch der Staat beliebig leerverkaufen können. Ob das rechtlich möglich ist, weiß ich nicht. Aber wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Was jetzt jedoch passiert ist, stellt tatsächlich die schlimmste aller Möglichkeiten dar.
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