HRE: Spekulanten täuschen sich
Die geplante Verstaatlichung der Hypo Real Estate könnte länger dauern als erwartet. Außerdem sollten sich Aktionäre auf eine relativ geringe Entschädigung einstellen. Wie der Bund nach Ansicht von Experten vorgehen wird.
Filiale der Hypo Real Estate in Berlin: Aktionäre warten auf ein Angebot der Bundesregierung. Quelle: dpaLupe
Filiale der Hypo Real Estate in Berlin: Aktionäre warten auf ein Angebot der Bundesregierung. Quelle: dpa
ax/fmd/pk/saf BERLIN/FRANKFURT. In Finanzkreisen wird derzeit nicht mit einer sehr schnellen Verstaatlichung des Münchener Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) gerechnet. Auch wenn der Bundesrat das Enteignungsgesetz durchwinkt, und dieses Mitte nächster Woche in Kraft tritt, werde der Prozess insgesamt noch etliche Wochen dauern, hieß es gestern in Finanzkreisen. Spekulationen auf einen hohen Übernahmepreis werden nach Expertenschätzungen in den nächsten Tagen deutlich enttäuscht werden.
Erster Schritt sei voraussichtlich - noch vor der geplanten Hauptversammlung - ein Übernahmeangebot des Bundes an die Aktionäre. Auf diesem Weg könne der Staat versuchen, eine Hauptversammlungsmehrheit zu erlangen. Mit dieser Stimmkraft könnte dann auf einem Aktionärstreffen eine massive Kapitalerhöhung beschlossen werden, die der Bund trägt. Auf diesem Weg würden die Anteile der übrigen Anteilseigner stark verwässert und der Bund könnte sie über einen "Squeeze-Out" aus dem Unternehmen drängen.
In Finanzkreisen hieß es, aus dem Finanzmarktsabilisierungsergänzungsgesetz leite sich nur ein Mindestpreis von ungefähr 1,26 Euro ab. Dieser errechne sich aus dem HRE-Durchschnittskurs zwischen dem 1. und 15. Februar, am 16. Februar wurde bekanntlich die Übernahmeabsicht des Bundes offiziell. Möglicherweise liegt der Preis bei einer Enteignung noch niedriger, wenn nämlich der "Verkehrswert" erheblich vom "Börsenwert" abweicht. Unterstellt man einen Verkehrswert der HRE von null, müsste eine Unternehmensbewertung erfolgen, die niedriger als die 1,26 Euro ausfallen könnte. "Viele Spekulanten werden sich die Finger verbrennen", sagte ein Beobachter. Der HRE-Kurs ist seit Tagen auf einer Berg- und Talfahrt, wobei er gestern wieder auf das Gerücht reagierte, der Bund habe sich mit dem Investor J.C. Flowers auf eine Übernahme seines Anteils geeinigt, was aber umgehend dementiert wurde.
Da zunächst das Übernahmeangebot kommen soll, rechnen Finanzkreise mit der Hauptversammlung derzeit frühestens im Mai. Theoretisch könnte das Aktionärstreffen mit einer Einladungsfrist von nur einem Tag einberufen werden. Allerdings geht man in Finanzkreisen davon aus, dass dies nicht ausgereizt wird. Eine sehr kurzfristige Einladung würde die Wahrscheinlichkeit von Einsprüchen und Klagen weiter erhöhen und den Prozess zusätzlich verlängern.
Eine Blockade durch die Länder wird nach einer neuen Verständigung jetzt nicht mehr erwartet. Die Bundesländer wollen morgen grünes Licht für das Gesetz geben, zuvor hatten sich Bund und Länder auf einen Kompromiss verständigt. Künftig sollen Hilfsmaßnahmen des staatlichen Rettungsfonds Soffin und finanzielle Hilfen der Länder für Banken steuerlich gleichgestellt werden. Nach dem bisher gültigen Gesetz konnten nur Banken, die vom Soffin unterstützt wurden, weiterhin steuerliche Verlustvorträge nutzen. Das wurde etwa vom Bankenverband VÖB als "sachlich nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung" angesehen. Nun soll diese Diskriminierung abgestellt werden, hieß es übereinstimmend in Länderkreisen. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass Landesbanken auf Jahre hinaus kaum Steuern zahlen werden. Nicht durchsetzen konnten sich die Länder mit ihrem Vorschlag, dass der Soffin auch über 2009 hinaus Eigenkapital-Hilfen zur Verfügung stellt, selbst wenn Banken bislang keine Finanzspritzen durch den Fonds erhalten haben.
Gestern wurde auch in Berliner Regierungskreisen auch bekannt, dass der Bund den Vorstand der staatlichen KfW Bankengruppe, Günther Bräunig, in den Aufsichtsrat der HRE schicken will. Bräunig soll den Posten von Edgar Meister übernehmen, der künftig die Interessen des Bundes im Aufsichtsrat der Commerzbank vertreten soll, erfuhr das Handelsblatt aus den Kreisen.
www.handelsblatt.com/unternehmen/...n-taeuschen-sich%3B2223581