HV Bericht United Labels AG


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HV Bericht United Labels AG

 
04.06.01 11:18
HV Bericht United Labels AG



Die seit dem vergangenen Jahr am Frankfurter Neuen Markt notierte Gesellschaft ist Bereich der Merchandising Artikel tätig. Insgesamt über 11.000 Produkte für die verschiedenen Bereiche wie Geschenkartikel, Textilien, Gebrauchsgegenstände und Dekorationen befinden sich im Programm. Die wichtigsten Lizenzen von United Labels umfassen folgende Charaktere Disneys Mickey Mouse, PEANUTS, South Park, Looney Tunes, Bear in the big Blue House, Tom & Jerry, The Simpsons, Sesamstrasse, Winnie the Pooh, Pokemon, Scooby Doo und Kermit.
Zur ersten Hauptversammlung seit dem Börsengang am 18. Mai in der Halle Münsterland im westfälischen Münster begrüßte der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Gravenhorst etwa 180 Aktionäre, Gäste und Pressevertreter, darunter auch einen Mitarbeiter von GSC Research. Nach Erledigung der Formalia erteilte er dem Vorstand das Wort.


Bericht des Vorstands

Der Vorstandsvorsitzende und Unternehmensgründer Peter M. Boder begrüßte seinerseits die Erschienenen sehr herzlich zur ersten öffentlichen Hauptversammlung der Gesellschaft und dankte für das entgegengebrachte Interesse.

Tätigkeitsfeld von United Labels sei die Verwandlung der aus Film und Fernsehen bekannten Charaktere in die passenden Produkte. Der Markt für Merchandising Produkte biete für die Zukunft noch enormes Wachstumspotential. United Labels konzentriere sich nur auf die besonders verkaufsstarken Produkte, und fungiere als Brücke zwischen Lizenzgebern und dem Handel. Unternehmensziel sei nachhaltiges Wachstum und Werte für Aktionäre und Kunden zu schaffen.

In einem eingespielten Trailer wurden die wichtigsten Lizenzen der United Labels (s.o.), die größten Handelspartner (C & A, OTTO, Carrefour usw.) sowie das Unternehmen vorgestellt.

Als Beispiel für das Geschäftsmodell der United Labels AG führte der Vorstandsvorsitzende die Sesamstrasse an. So sei diese Sendung allein in Deutschland an sieben Tagen in der Woche auf sieben Sendern empfangbar, weltweit in über 90 Ländern mit über 120 Millionen Zuschauern am Tag. Diese Medienpräsenz stelle einen gigantischen Werbeeffekt dar, der den angebotenen Produkten zugute komme. Insgesamt habe man sich auf langlebige Lizenzsegmente spezialisiert und sei nicht im Bereich von Eventmerchandising aktiv. Derzeit verfüge man mit mehr als 10.000 Produkten über das größte europäische Comicware Angebot, das man an über 3.700 Kunden mit mehr als 17.000 Verkaufstellen ausliefere.

Der Start an der Börse im Frühjahr 2000 sei fulminant gewesen. Man habe seitdem alle Ziele erreicht, sowohl die Verdoppelung des Umsatzes, die Steigerung des Ergebnisses sowie das Übertreffen der Planzahlen. Die Eigenkapitalquote liege derzeit bei 65 Prozent, etwa ein Drittel der liquiden Mittel aus dem Börsengang seien noch vorhanden. Insgesamt konnten alle versprochenen Ziele erreicht werden.

Mit den Mitteln aus dem Börsengang habe man das bereits bestehende Lizenzportfolio erweitert, darunter auch eine erste Paneuropäische Exklusivlizenz für Socken. Socken sind nach Worten des Vorstandsvorsitzenden eines der Top-Produkte im Comicware Bereich. Neben neuen Lizenzen wurden die bestehenden Vereinbarungen verlängert und vielfach erweitert.

Basis für die Erschließung des europäischen Marktes bildet die Präsenz der eigenen Sortimente bei den großen Handelspartnern. Über diese Handelspartner sei auch die Expansion in den amerikanischen und asiatischen Märkten möglich, durch deren Präsenzen in diesen geographischen Regionen. Weitere Vertriebswege bilden neben dem klassischen Fachhandel auch das Internet-Portal (siehe www.comicfriends.com ) welches derzeit in sieben Ländern und fünf verschiedenen Sprachen zur Verfügung steht.

Die erworbenen Unternehmen COLOMBINE (Belgien, Niederlande, Italien) und JOCKY (Spanien und Portugal) habe man innerhalb eines halben Jahres vollständig integriert. Einhergehend mit der Integration wurde das Lizenzportfolio auf United Labels in Münster gebündelt, sowie ein zentraler Einkauf für den Konzern in Belgien und Deutschland etabliert. Das länderspezifische Design der Produkte bleibt erhalten, die Integration in den United Labels Konzern ermöglichen jedoch einheitliche Werbemaßnahmen sowie eine Kundenansprache auf hohem Niveau, so der Vorstandsvorsitzende weiter.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr sei überdies ein Büro in Hongkong eröffnet worden, das neben der Abwicklung der Einkäufe bei den örtlichen Produzenten auch zur Erschließung des asiatischen Marktes gedacht sei. Der asiatische Markt ist volumenmäßig doppelt so groß wie Europa, aufgrund der eigenen internationalen Erfahrung und Marktakzeptanz ist Vorstand Boder von den hervorragenden Perspektiven des asiatischen Marktes für die United Labels AG überzeugt.

Finanzvorstand Hanusch erläuterte in seinem Vortrag im wesentlichen das Zahlenwerk der Gesellschaft. So konnte der Umsatz im Berichtsjahr um 113 Prozent auf 28,9 Millionen Euro gesteigert werden, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit stieg von 1,266 Millionen Euro auf 2,904 Millionen Euro. Aus dem Emissionserlös des Börsenganges sind laut Angabe des Finanzvorstandes noch 16,9 Millionen Euro an liquiden Mitteln vorhanden. Diese habe man risikoarm in Form von Termingeldern angelegt

Von dieser postiven Geschäftsentwicklung konnte der Börsenkurs nicht profitieren. Der Kursrückgang ist nach Ansicht des Finanzvorstandes aber weniger auf Fundamentaldaten als vielmehr auf Börsenpsychologie zurückzuführen.

Die Vertriebskanäle von United Labels bilden zu 74 Prozent Key-Accounts (u.a. Lebensmittelketten) und zu 26 Prozent der klassische Fachhandel. Der Umsatz entfällt zu 42 Prozent auf Deutschland und zu 58 Prozent auf Europa.

Besonderes Augenmerk richte man auf das Beteiligungscontrolling. Zusätzlich hat man zusammen mit dem Lehrstuhl für Controlling an der Westfälischen Wilhelms Universität in Münster ein Risikomanagementsystem implementiert. Im Zusammenhang mit den erfolgten Akquisitionen habe man folgende Vorgehensweise für weitere Übernahmen und Zukäufe entwickelt. In der Prüfungsphase der Akquisition richte man besonderes Augenmerk auf die Potentiale aus dem Zukauf, die Ertragskraft des Zielunternehmens, sowie die künftige Wachstumsperspektive der Unternehmung im United Labels Konzern. In der Postakquisitionsphase ist laut Aussage von Vorstand Hanusch die Bündelung von Kompetenzen, sowie das Beteiligungscontrolling von entscheidender Bedeutung.

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Vorstand einen Umsatz von 48,5 Millionen Euro (Vorjahr: 28,9 Millionen Euro), bei einer EBIT Marge von 11 Prozent (Vorjahr: 9 Prozent) und einer Exportquote von 75 Prozent (Vorjahr: 58 Prozent). Für das Jahr 2006 erwartet die Gesellschaft einen Umsatz von etwa 100 Millionen Euro, bei einer 15 prozentigen EBIT Marge und einer 90 prozentigen Exportquote.


Allgemeine Aussprache

Rechtsanwalt Toni Riedel, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) lobte den hohen Informationsgehalt des Geschäftsberichtes, der sich positiv von den Geschäftsberichten anderer am Neuen Markt notierten Gesellschaften abhebe. Auch kommt das Auge, ähnlich wie bei der Internetpräsenz der Gesellschaft nicht zu kurz, so der DSW Sprecher weiter.

In bezug auf eine auf der Unternehmenshomepage veröffentlichte Studie des Bankhauses Sal. Oppenheim erkundigte sich Herr Riedel nach dem Hintergrund der Senkung der erwarteten Gewinnmarge um 6 Prozent gegenüber den Planungen zum IPO. Der Vorstand begründete dies mit zusätzlichen Aufwendungen aus den getätigten Akquisitionen, die zum Zeitpunkt des Börsenganges noch nicht mit eingeplant waren. Alle anderen getroffenen Prognosen habe man eingehalten bzw. übertroffen.

Die Kursentwicklung ist in den Augen des DSW Vertreters nicht erfreulich gewesen, insbesondere durch ein Absinken unter den Emissionspreis. Als vorbildlich lobte er die 24 monatige Lock-Up-Verpflichtung des Vorstandsvorsitzenden der Gesellschaft. Dies ist das richtige Signal für den Anleger. Ein Mehrheitsaktionär der den Prognosen zum Börsengang traut und diesen nicht zum schnellen Kassemachen nutzen will, so Herr Riedel weiter.

Auf die Frage welche weiteren Akquisitionen geplant seien, antwortete der Vorstand, dass derzeit keine konkreten Pläne bestehen, im 2. Halbjahr aber eventuell der eine oder andere Zukauf in Frage komme.

Lob verteilte der DSW Sprecher auch für die hohe Transparenz des Geschäftsberichtes inklusive eines Einsichtsrechtes in den vollständigen AG-Abschluss. Ebenfalls vorbildlich sei auch der Bericht über das Risk-Mangement.

Im Hinblick auf seine Anmerkung, dass die Amtszeit des ersten Aufsichtsrates der Gesellschaft eigentlich auf der diesjährigen Hauptversammlung nach § 30 Abs.3 AktG enden müsse - auf diesen Tatbestand wurde auch im Verkaufsprospekt hingewiesen - erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende, dass er auch ursprünglich dieser Auffassung gewesen sei. Aufgrund der Umwandlung aus einer GmbH und der entsprechenden Umwandlungsbeschlüsse ende die Amtszeit tatsächlich erst nach der nächsten Hauptversammlung. Die Frage nach eventuell bestehenden Beratungsverträgen mit Aufsichtsratsmitgliedern verneinte der Aufsichtsratschef. Diese habe es nicht gegeben und werde es nicht geben. Denkbar wären allenfalls geschäftliche Kontakte zwischen den Unternehmen der Aufsichtsratsmitgliedern und der United Labels.

Die drei größten Kunden wurden mit folgenden Prozentsätzen genannt: 1. 19,5 Prozent (Importeur über den der französische Markt abgedeckt wird), 2. 4,8 Prozent, 3. 3,6 Prozent 4. 2,9 Prozent und 5. 2,8 Prozent. Mit Ausnahme des Importeurs für Frankreich weise kein Kunde einen Umsatzanteil von mehr als 5 Prozent auf. Exklusivverträge gebe es derzeit bei der Sesamstraße, mit anderen Lizenzgebern sei man in Gesprächen. Es sei aber nicht das Ziel von United Labels die Marktposition durch Exklusiv-Verträge zu sichern, dies könne man dauerhaft nur über die besten und konkurrenzfähigsten Produkte.

Auf Nachfrage erläuterte der Vorstandsvorsitzende die möglichen Varianten des Markteintritts in Asien. Die bereits vorhandene Präsenz in Hongkong dient derzeit der Überwachung des Einkaufs. Eine Möglichkeit ist der Markteintritt mit den bereits dort aktiven Kunden (z.B. Carrefour). Erste Anfragen über Lieferungen von United Labels Artikel für den asiatischen Markt seien bereits eingegangen. Zweite Möglichkeit sei rein organisches Wachstums im asiatischen Markt, die dritte Variante stelle die Akquisition eines guten Unternehmens vor Ort dar.

Aktionär Reck äußerte Bedenken im Hinblick auf den geplanten Aktienrückkauf, der zu einer nicht als besonders positiv zu beurteilenden Verringerung des Free Floats führen werde. Die von Herrn Reck konstatierte Margenerosion im 1. Quartal 2001 erklärte der Vorstand mit einer starken Prägung des Geschäftes mit Fachhandelskunden, welches immer auf die Margen drücke. Im Bereich des Materialaufwandes habe man dank einer weiteren Reduzierung die angestrebte Zielmarke erreicht.

Aktionär Knebel zeigte sich erfreut über den gelungenen Börsengang eines Unternehmens aus dem Münsterland. Ein wenig Sorge bereite ihm jedoch der Blick ins benachbarte Osnabrück, in dem ein börsennotiertes Unternehmen der gleichen Branche Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens stellen musste. Der Vorstand zerstreute die von Aktionärsseite vorgebrachten Bedenken mit dem Hinweis, dass United Labels ausschließlich auf langlebige Charaktere mit einer hohen Kontinuität setze und sich nicht im Bereich des Eventmerchandising betätige.

Angesprochen auf das Problem der "Produktpiraterie" in Fernost erklärte der Vorstand, dass sich dort in den vergangenen Jahren einiges zum Besseren gewandelt habe. Nicht nur durch die schärfere Kontrolle der Produzenten vor Ort, sondern auch dank der Bestrebungen vieler Staaten zur Aufnahme in die Welthandelsorganisation (WTO) wird dort vielerorts konsequent gegen "Produktpiraterie" vorgegangen.

Die zu beschließenden Kapitalmaßnahmen wurden auf Nachfrage von Herrn Knebel als Vorratsbeschlüsse klassifiziert, eine konkrete Inanspruchnahme der Ermächtigung zum Rückkauf eigener Aktien oder zur Ausgabe neuer Aktien ist derzeit nach Vorstandsangabe nicht geplant.


Abstimmungen

Nach Beendigung der allgemeinen Aussprache gegen 13:30 Uhr wurde die Präsenz mit 3.035.176 Stimmen oder 75,89 Prozent des stimmberechtigten Grundkapitals festgestellt. Sämtlichen Tagesordnungspunkten wurde mit sehr großer Mehrheit bei wenigen Gegenstimmen und Enthaltungen zugestimmt. Im einzelnen wurde über folgende Tagesordnungspunkte Beschluss gefasst: Die Entlastung von Vorstand (TOP 2) und Aufsichtsrat (TOP 3), die Wahl der Dr. Schumacher und Partner GmbH, Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Steuerberatungsgesellschaft Münster zum Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2001 (TOP 4), die Aufhebung und Schaffung von genehmigten Kapitalien (TOP 5), sowie die Ermächtigung zum Erwerb eigener Aktien (TOP 6).


Fazit

Die United Labels AG ist zu Unrecht durch die fragwürdigen Vorkommnisse und Ereignisse bei den Unternehmen EM.TV und Sunburst AG kursmäßig unter Druck geraten. Der gewählte Ansatz, Lizenzen von erfolgreichen und langlebigen Charakteren der bekannten Unterhaltungskonzerne wie Disney oder Warner Bros. in Merchandising Produkte umzusetzen ist angesichts des überproportional wachsenden Marktes sehr vielversprechend. Wichtig zu beachten ist hierbei, die wesentlich bessere Risikostruktur im Gegensatz zu Merchandising von Events oder kurzlebigen Modeerscheinungen (z.B. Fußball-Großereignisse, Fernsehserien o.ä.).

Bei Umsetzung der gewählten Expansionsstrategie in Europa und erfolgreicher Erschließung der amerikanischen und asiatischen Märkte verfügt die Aktie über Kurspotential. Positiv sind vor diesem Hintergrund auch die guten Vertriebswege über die großen europäischen Handelskonzerne, wie beispielsweise Carrefour u.a., zu werten, die ihrerseits bereits in den angestrebten Märkten mit Niederlassungen präsent sind.


Kontaktadresse

United Labels AG
Gildenstrasse 6
48157 Münster

Telefon: 0251-3221-0
Telefax: 0251-3221-999

Email: info@unitedlabels.com
Internet: www.unitedlabels.com


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