HV-Bericht IN-motion AG


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HV-Bericht IN-motion AG

 
26.03.01 09:27
HV-Bericht IN-motion AG



Zur ersten Hauptversammlung nach ihrem Börsengang lud die IN-motion AG am 21. März 2001 in ihr Firmengebäude in Frankfurt/Main ein. Das ehemalige Fabrikgebäude im Industriegebiet Frankfurt-Ost war dank eines am Eingang ausgerollten roten Teppichs von Weitem zu erkennen. In einer clubmäßig beleuchteten Halle als Versammlungsraum wurden die Aktionäre mit lauter Musik von Interpreten des eigenen Musiklabels Bookmark empfangen, von denen SNAP! und No Doubt die bekanntesten sein dürften.
Wären die vorgelegten Zahlen schlecht gewesen, hätte man vermuten müssen, die schwache Beleuchtung solle verhindern, dass die Aktionäre das Kleingedruckte im knallig und farbenfroh gestalteten Geschäftsbericht lesen. Da die Zahlen aber die Planzahlen anlässlich des Börsengangs übertroffen haben, ist das ungewöhnliche Ambiente eher als Ausdruck der Unternehmenskultur dieses jungen Medienunternehmens zu werten. Ein Vertreter von GSC Research erstellte in dieser etwas ungewohnten Umgebung den folgenden Bericht.


Bericht des Vorstands

Nach Eröffnung der Versammlung durch den Aufsichtsratsvorsitzenden Fred Moske vor gut 100 Aktionären und Gästen stellte dieser die auf dem Podium anwesenden Personen namentlich vor. Dies waren der dreiköpfige Aufsichtsrat und der fünfköpfige Vorstand. Danach übergab Herr Moske das Wort an den Vorstandsvorsitzenden Michael Münzing.

Dieser berichtete, die IN-motion AG sei 1998 in Frankfurt gegründet worden mit dem Ziel, ein globaler Player in der Entertainment-Industrie zu werden. Das Unternehmen ist in die Geschäftsbereiche Film/TV, Music und Multimedia aufgegliedert und an den Standorten Frankfurt, London und Los Angeles präsent. Durch die 100-prozentigen Töchter J&M Entertainment Ltd., London, und Myriad Pictures ist ein weltweiter Vertreib gewährleistet.

„Film-business is people's business“, meinte Herr Münzing, deshalb kaufe man durch Übernahmen keine Filmbibliotheken, sondern man schaffe sich durch Einbeziehung des Managements in die eigene Struktur wertvolle Kontakte. Als Produzent und Co-Produzent mit eigenem internationalem Vertrieb könne man von der gesamten Wertschöpfungskette profitieren. Man betrachte sich dabei nicht als Filmhändler, sondern als Produzent von Content.

Die eigene Filmbibliothek umfasse 350 Spielfilme mit 600 Programmstunden. Im TV-Bereich sei die zusammen mit Partnern produzierte Serie „18 Wheels of Justice“ eine der erfolgreichsten Actionserien in den USA und werde im Verlauf des Jahres 2001 auch in Deutschland auf RTL 2 ausgestrahlt. Im laufenden Geschäftsjahr sollen 10 neue Kinofilme und 6 dazu gehörige Soundtracks durch Trauma Records produziert werden. Dabei werden sich erstmals auch Projekte im Blockbusterbereich befinden: der Action-Thriller „People I Know“ wird bekannte Namen wie Al Pacino und Kim Basinger aufweisen.

Mitte Oktober 2000 wurden für 6 Mio. US-Dollar 51 Prozent an der in Los Angeles ansässigen Trauma Records erworben, einem führenden US-Musiklabel. Dadurch kann IN-motion direkt und unabhängig eigene Künstler in Nordamerika veröffentlichen. Zudem wurde mit der Trend-Musikmarke „Ministry of Sound“ eine Kooperation vereinbart, in deren Rahmen die Marke für den deutschsprachigen Markt ebenso wie für die USA mit eigenen Künstlern und Produktionen weiterentwickelt werden soll.

Durch die Mehrheitsbeteiligung an der SPV Schallplatten Produktion und Vertrieb GmbH, Hannover, wird nun auch in der Musiksparte die gesamte Wertschöpfungskette abgedeckt. SPV zählt mit einem Jahresumsatz von 50 Mio. DM zu den zehn größten unabhängigen Tonträgerunternehmen in Europa. Nach diesen Ausführungen wurde dann noch ein Film gezeigt, der über die einzelnen Geschäftsbereiche der IN-motion AG informierte.

Danach erläuterte der Finanzvorstand Dr. Klaus Manz den Jahresabschluss nach US-GAAP für das am 30. September 2000 beendete Geschäftsjahr. Der Umsatz betrug 112,9 Mio. DM, das EBITDA 73,6 Mio. DM, das EBIT 33,7 Mio. DM und der Jahresüberschuss 15,6 Mio. DM. Der Gewinn pro Aktie belief sich auf 1,44 DM. Der Jahresabschuss nach US-GAAP wurde aus dem Abschluss nach HGB abgeleitet, der einen Fehlbetrag von 2,5 Mio. DM ausweist.

Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Abschlüssen besteht in der Aktivierung des Filmvermögens und in der Behandlung des Lizenzaufwands und der IPO-Kosten. Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit beträgt minus 16,9 Mio. DM, der aus Investitionstätigkeit minus 8,7 Mio. DM, während der Cashflow aus Finanzierungstätigkeit aufgrund des Börsengangs mit 166 Mio. DM positiv ist.

Vom Umsatz von 113 Mio. DM entfiel lediglich gut 1 Mio. DM auf den Geschäftsbereich Music, der Rest auf Film/TV. Dieses Verhältnis soll sich im laufenden Geschäftsjahr zugunsten des Geschäftsbereichs Music ändern, der dann bereits 25 Prozent zum Umsatz beisteuern soll. 71 Mio. DM vom Umsatz wurden in Nordamerika generiert, der Rest in Deutschland, wobei es sich allerdings auch dabei überwiegend um Produktionen für die USA handelt.

Die Bilanz zeigt einen Zugang von 7,1 Mio. DM bei den Grundstücken und Bauten. Davon beziehen sich 4,7 Mio. DM auf das Firmengebäude, welches die Vorstände Münzing und Anzilotti zum Ertragswert in die Gesellschaft eingebracht haben. Die hohen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen von 103 Mio. DM (etwa 40 Prozent der Bilanzsumme von 256 Mio. DM) seien für das Filmgeschäft nicht ungewöhnlich. Das Eigenkapital beträgt 166 Mio. DM (EK-Quote 65 Prozent). Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr belaufen sich auf 63 Mio. DM.

Im ersten Quartal habe man nach US-GAAP bei einem Umsatz von 39,6 Mio. DM ein EBIT von 6,575 Mio. DM und ein Konzernergebnis von 6,242 Mio. DM erzielt. Die korrespondierenden Zahlen nach HGB wurden nicht vorgelegt.

Im Rahmen des IPO mit der Gontard&MetallBank AG als Konsortialführer seien am 20. Juni 2000 3,1 Mio. Aktien zu 26 Euro ausgegeben worden. Der Kurs habe sich erfreulich entwickelt und habe in der Spitze bei 43 Euro gelegen. Erst vor wenigen Wochen sei der Emissionskurs unterschritten worden. Für die Aktionäre sei in diesem Zusammenhang wichtig zu wissen, dass die Altaktionäre ihre Haltefrist freiwillig auf 2 Jahre verlängert haben.

Sie haben zudem das Paket von 800.000 Aktien, das von der Gold-Zack AG gehalten wurde, übernommen, und zwar zu einem Preis, der über dem heutigen Kurs lag. Für das laufende Geschäftsjahr wurde abschließend eine Umsatzsteigerung auf 305 Mio. DM vorhergesagt.


Allgemeine Aussprache

Herr Achenbach von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) stellte heraus, dass die IN-motion zu den wenigen Unternehmen des Neuen Markts gehört, die ihre Prognosen anlässlich des Börsengangs nicht nur eingehalten, sondern sogar übertroffen haben. Dann fragte er, warum lediglich der Abschluss nach HGB testiert worden ist, während der Abschluss nach US-GAAP, den man kommuniziert, lediglich einer „prüferischen Durchsicht“ unterzogen wurde.

Danach merkte Herr Achenbach an, die Kosten für den Börsengang seien mit 13 Mio. DM sehr hoch ausgefallen, und er fragte nach deren Aufteilung. Außerdem forderte er nähere Erklärungen bezüglich verschiedener, im Anhang genannter Geschäfte der IN-motion AG mit Mitgliedern der Geschäftsführung bzw. deren Gesellschaften, z.B. den World Medienfonds, bei denen Dr. Manz als Gründungskommanditist fungierte, sowie Projekten mit der Alive Entertainment, die dem Vorstandsmitglied von Alvensleben zu 50 Prozent gehört.

Des Weiteren wollte Herr Achenbach wissen, warum die Internetaktivitäten, die ursprünglich als drittes Geschäftsfeld kommuniziert wurden, derzeit ruhen. Abschließend fragte er noch nach dem nach Ansicht des Vorstands „fairen Wert“ der Aktie.

Laut Auskunft des Vorstands setzten sich die Kosten für den Börsengang aus 1,6 Mio. DM Beratungskosten der KPMG, 8,4 Mio. DM Konsortialprovision an die Gontard&MetallBank AG sowie 2 Mio. DM Werbekosten zusammen. Zu den Geschäften der IN-motion AG mit Mitgliedern der Geschäftsführung wurde erklärt, Dr. Manz habe lediglich als Gründungskommanditist bei den Filmfonds fungiert, sei jedoch wieder ausgetreten, sobald ein weiterer Kommanditist eingetragen worden war.

Philip von Alvensleben war im Berichtsjahr mit 50 Prozent an der Alive Entertainment beteiligt, mit der man Projekte im Volumen von 840 TDM abgewickelt hat. Heute allerdings sei Herr von Alvensleben nicht mehr an Alive beteiligt. Des Weiteren wurde mitgeteilt, das genannte Grundstücksgeschäft sei mit den Vorständen Münzing und Anzilotti getätigt worden.

Die Internetaktivitäten habe man reduziert, was sich im nachhinein dann auch als richtig erwiesen habe. Man habe eine eigene Internetabteilung im Haus, welche die Promotion für eigene Projekte übernimmt. Für Dritte sei man in diesem Bereich nicht tätig.

Bezüglich des fairen Werts der Aktie erwiderte Dr. Manz, man prognostiziere eine Verdreifachung des Umsatzes im laufenden Geschäftsjahr. Dieser Multiplikator sei auch auf die Aktie anwendbar, allerdings sei IN-motion keine Zockeraktie. Sinnvoller sei es - frei nach Kostolany - die Aktie zwei Jahre liegenzulassen. Einen günstigeren Einstieg als derzeit werde man nicht bekommen, und auch das Halbjahresergebnis werde die Aktionäre nicht enttäuschen.

Danach fragte Aktionär Helmrich nach dem neuen Album von SNAP! und bemängelte, die Filmprojekte von IN-motion seien bislang zu unbekannt. Er wollte wissen, wann die ersten Kinofilme von IN-motion auch in Deutschland zu sehen sind. Eine weitere Frage war, wie der Vorstand die 800.000 Aktien von Gold-Zack übernehmen konnte, nachdem Gold-Zack doch erst vor kurzem die lock-up-Frist verlängert hatte. Bezüglich des Geschäftsberichte mahnte er frei nach Shakespeare zu „mehr Inhalt, weniger Kunst!“.

Das neue Album vom SNAP! und ein Best-Of-Album, welche ursprünglich durch BMG (Bertelsmann) vermarktet werden sollten, habe man vorerst vom Markt genommen, um diese Alben nun über SBV selbst zu vermarkten, da man bei eigener Vermarktung einen fünfmal höheren Cashflow erziele. Im Hinblick auf den Bekanntheitsgrad der Filmprojekte wurde geantwortet, man sei im Bereich Independent tätig, in dem die Produktionskosten bei 3 bis 10 Mio. DM liegen. Der erste Blockbuster, „People I Know“ mit Al Pacino und Kim Basinger, werde dann auch in Deutschland zu sehen sein.

Die Übernahme des Aktienpakets von der Gold-Zack AG sei vereinbart, aber noch nicht vollzogen (In der Präsenzliste vertrat die Gold-Zack AG 800.000 Aktien im Eigenbesitz). Es sei wichtig zu zeigen, dass der Vorstand keine Aktien verkauft, sondern sogar welche zukauft.

Abschließend wollte Herr Böker noch wissen, ob es eine Fünf-Jahres-Planung gibt und wo IN-motion am Ende dieses Zeitraums stehen wird. Hierauf erwiderte der Vorstand, es sei denkbar, dass IN-motion bis dahin auch für die großen Medienkonzerne interessant wird.


Abstimmungen

Das Grundkapital von 21,182 Mio. DM, eingeteilt in 10.830.00 Aktien mit einem rechnerischen Nennwert von 1 Euro, war mit 8.821.727 Aktien zu 81,46 Prozent vertreten. Bei der Entlastung des Vorstands waren 6.931.205 Aktien und bei der Entlastung des Aufsichtsrats 23.000 Aktien nicht stimmberechtigt.

Abgestimmt wurde über die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat, über die Wahl des Abschlussprüfers und über die Wahl zum Aufsichtsrat (Der Aufsichtsratsvorsitzende Moske scheidet aus, um für die Gesellschaft aktiv tätig werden zu können, der vorgeschlagene Rechtsanwalt Helge Sasse, Mitgründer und Aktionär des Musiksenders VIVA, stellte sich der Versammlung ausführlich vor).

Weitere Abstimmungspunkte waren die Änderung der Hinterlegungsfrist und die Ermächtigung zur Gewährung von Aktienoptionen (Die Konditionen wurden von der DSW bemängelt, da die Ausübung bereits bei einem einmaligen Anstieg des Aktienkurses um 10 Prozent gegenüber dem Tag der Gewährung möglich ist).

Sämtliche Abstimmungen erfolgten bei wenigen Gegenstimmen und Enthaltungen, und die Veranstaltung endete nach gut 2 Stunden mit einer Einladung zu einem vorzüglichen Büfett.


Fazit

Die IN-motion AG konnte ihre Planzahlen bisher einhalten und kündigte an, auch mit dem Halbjahresergebnis (zum 31.3.) nicht zu enttäuschen. In der Bilanz zeigen sich naturgemäß die gleichen Bewertungsschwierigkeiten wie bei anderen Medienunternehmen. Die nach US-GAAP mögliche Aktivierung des Filmvermögens schafft gewisse Spielräume und verwandelte den Verlust nach HGB zusammen mit den gegen die Kapitalrücklage verrechneten IPO-Kosten in einen Gewinn.

Die Gesellschaft geht davon aus, dass die Marktwerte der einzelnen Filme über dem jeweiligen Buchwert liegen. Diese Aussage ist naturgemäß schwer zu beurteilen und mangels Testat des Abschlusses nach US-GAAP (die Überleitung aus HGB wurde lediglich einer prüferischen Durchsicht unterzogen) auch durch den Abschlussprüfer nicht bestätigt.

Interessenten sollten sich die veröffentlichten Zahlen sehr genau ansehen und insbesondere das HGB-Ergebnis und den Cashflow beachten. Der Vorstand darf sich an seiner Prognose messen lassen, dass es einen günstigeren Einstieg in die Aktie der IN-motion wahrscheinlich nicht geben wird.


Kontaktadresse

IN-motion AG
Schielestr. 39-41
60314 Frankfurt am Main

Telefax: 069-42084-0
Telefax: 069-42084-30

Email: info@in-motionag.de
Internet: www.in-motionag.de



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