Den Kunden kann es eigentlich egal sein, dass Hugo Boss [ Kurs/Chart ] zu Wochenbeginn die dritte Gewinnwarnung in wenigen Monaten ausgesprochen hat. Da Boss aber gerade in Chefetagen beliebt ist, dürfte sich die dilettantische Informationspolitik des Modekonzerns genau wie die Berichte über Betrügereien im US-Geschäft negativ auf das Image der Marke auswirken.
Im ersten Halbjahr 2002 ist das Ergebnis nach Steuern nach vorläufigen Zahlen auf 30 (Vorjahreszeitraum 58,9) Millionen Euro eingebrochen, teilt der Konzern am Montag überraschend mit. Wegen der unerwartet schwachen Entwicklung in den ersten sechs Monaten rechnet Boss nur noch einen Jahresüberschuss von 70 Millionen Euro statt der bis Mai genannten 95 Millionen Euro. Im März hatte der Modekonzern erstmals die Prognosen revidiert, damals auf 107 Millionen Euro.
Hauptursache für die negative Entwicklung ist die schleppende Nachfrage in den Vereinigten Staaten. Das US-Management verschleierte zudem die tatsächliche Geschäftsentwicklung lange, indem Umsatz und Ertrag künstlich aufgebläht wurden. Mit dieser Strategie wurde offensichtlich auch der Vorstand in Deutschland hinters Licht geführt.
Aktie verliert 20 Prozent Nach Aufklärung des Skandals ist es Hugo Boss augenscheinlich immer noch nicht gelungen, endgültig reinen Tisch zu machen und alle Risiken richtig abzuschätzen. Zu dem Imageverlust kommt deshalb der Vertrauensverlust bei den Marktteilnehmern. Bruno Sälzer, der im Mai Werner Baldessarini als Vorstandsvorsitzender abgelöst hatte, wird zunehmend kritisiert und für die Misere verantwortlich gemacht.
Die Boss-Aktie, die von Anfang 2000 bis Mitte 2001 zu den Top-Performern im MDAX zählte, setzt am Montag ihre Talfahrt der letzten Monate fort. Bis zum Mittag verliert das Papier 20 Prozent auf 13,00 Euro. Der Wert notiert damit wieder etwa auf dem Niveau, wo im Frühjahr 2000 die beeindruckende Rallye startete. Derzeit deutet kaum etwas auf eine Wiederholung dieses Höhenflugs.