Der Enron-Skandal veranlasst die Aufsichtsbehörde des US-Kongresses zu einem beispiellosen Akt. Sie verklagt das Weiße Haus, um Einblick in Dokumente des Vizepräsidenten zu bekommen. Der weigert sich offenzulegen, welche Enron-Vertreter Einfluss auf die Energiepolitik der Regierung nahmen.
Der Präsident und sein Vize bemühten sich am Mittwoch mit aller Macht, Partylaune zu verbreiten und die Nachricht zu ignorieren. Dick Cheney feierte seinen 61. Geburtstag und George W. Bush half ihm dabei, einen Schokoladenkuchen zu vertilgen. Keiner der beiden Männer erwähnte bei einem Fototermin mit Journalisten mit auch nur einem Wort, dass das General Accounting Office (GAO) des Kongresses zum ersten Mal in seiner Geschichte die Exekutive verklagen will. Die Juristen im Weißen Haus aber feilen schon an der Gegenstrategie. Man rechne mit der Klage und werde sich wehren, sagte Claire Buchan, Sprecherin des Weißen Hauses, der Nachrichtenagentur Reuters: "Wir sehen uns im Gericht".
Das General Accounting Office (GAO) hat die Führung des Kongresses am Mittwochmorgen intern über den Entschluss zur Klage in Kenntnis gesetzt. Offiziell soll die Einleitung des Verfahrens, das seit Tagen erwartet wird, im Verlauf des Nachmittags amerikanischer Zeit auf der Website des GAO bekannt gegeben werden. Das GAO, eine Art parlamentarisch bestellter Rechnungshof, will die Klageschrift danach bei einem Bezirksgericht in der Hauptstadt Washington einreichen.
Korruptionsvorwürfe und Prinzipienfragen
Der Rechtsstreit dreht sich um eine Serie nicht öffentlicher Treffen zu Beginn des vergangenen Jahres, der Geburtsstunde der Bush-Regierung. Vizepräsident Cheney hatte damals eine "Task Force" um sich gesammelt, um Grundzüge der Energiepolitik der neuen Regierung zu formulieren. Das GAO verlangt von Cheney, er solle die Liste mit Namen der Gesprächspartner Cheneys veröffentlichen. So will die Aufsichtsstelle unter anderem ermitteln, inwieweit Manager und andere Repräsentanten des bankrotten Skandal-Unternehmens Enron, das die republikanischen Partei und den George W. Bush mit Spenden unterstützt hatte, Einfluss auf die Energiepolitik der neuen Administration nahmen.
Cheney hat es bisher strikt abgelehnt, der GAO diese Liste zu übergeben und seine Weigerung zur politischen Prinzipienfrage erklärt. Es sei dabei nicht seine Absicht, etwas zu verbergen. Doch wenn das Weiße Haus die Namen der Gesprächspartner veröffentliche, könne das Sachverständige in Zukunft daran hindern, die Politik mit ihrem unparteiischen Rat zu unterstützen, heißt die offizielle Begründung. Cheneys Weigerung hat das Misstrauen demokratischer Politiker freilich nur noch verschärft. George Bush hat den Kurs seines Vize in dieser Frage öffentlich entschieden unterstützt. Bush Sprecher Ari Fleischer schlug in dieselbe Kerbe. Die GAO überschreite ihre Kompetenzen, sagte Fleischer. Auch Dennis Hastert, Sprecher des republikanisch dominierten Unterhauses, warnte: "Hier könnte ein sehr ungesunder Präzedenzfall geschaffen werden. Hier geht es um vertrauliche Informationen."
Cheneys Fernseh-Plädoyer
Der Vorsitzende des GAO, David Walker, hat bereits im vergangenen Sommer zum ersten Mal die Herausgabe der Teilnehmerliste und anderer Details über die Task-Force-Treffen verlangt. Der Aufseher trat damals in Aktion, weil Henry Waxman und John Dingell, zwei demokratische Mitglieder des Repräsentantenhauses, glaubten, die Teilnehmerliste sei politisch unausgewogen zusammengestellt worden. Vertreter von Umwelt-Gruppen und von Unternehmen, die Strom aus regenerativen Quellen gewinnen, seien bei den Runden ausgeschlossen gewesen, so der damalige Vorwurf. Von einer Runde unparteilicher Experten könne also keinesfalls die Rede sein. Nach dem spektakulären Kollaps des Energiekonzerns aus Bushs Heimatstaat Texas aber hat die Frage nach einer Einflussnahme insbesondere durch Enron-Chefs neue Brisanz gewonnen.
Oppositionsführer Daschle: Warum sind Namen und Daten ein Staatsgeheimnis?
Das Weiße Haus hat bereits eingestanden, dass Mitglieder der Energie-Task-Force im vergangenen Jahr sechs Mal mit Enron-Vertretern zusammenkamen. In einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN Anfang der Woche hatte Cheney dies abermals eingeräumt und betont, einige essentielle Forderungen der Enron-Manager seien nicht in die energiepolitischen Richtlinien der Regierung aufgenommen worden. So hätten die Enron-Vertreter vergeblich gefordert, das Kyoto-Protokoll zur Eindämmung der Erderwärmung zu unterstützen und den Ausstoß von Kohlendioxid durch strikte Vorgaben zu kontrollieren.
Widerstreit der Meinungen, Konflikt der Parteien
Walker und die ihn unterstützenden Kongressabgeordneten verlagen aber weitere Informationen - vor allem die vollständige Namensliste sowie eine Aufstellung über die Kosten, die die Treffen der Task Force verursachten. Da die Aufgabe des GAO darin bestehe, die Exekutive zu beaufsichtigen, sei sie geradezu verpflichtet, diese Informationen anzumahnen.
Der Senat und das Repräsentantenhaus sind in der Frage gespalten - genau in der Mitte, den Parteilinien entsprechend. Allerdings haben einige wenige Senatoren aus Bushs Partei Sympathie für das Anliegen der Aufseher erkennen lassen. Unterstützung bekommt die GAO naturgemäß auch von Tom Daschle, dem Mehrheitsführer im demokratisch dominierten Senat. Daschles Argument: Das GAO wolle doch nur Namen und Daten erfahren - und nicht etwa den Inhalt geheimer politischer Diskussionen.
(Quelle: spiegel.de; www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,179949,00.html)
So long,
Calexa
Der Präsident und sein Vize bemühten sich am Mittwoch mit aller Macht, Partylaune zu verbreiten und die Nachricht zu ignorieren. Dick Cheney feierte seinen 61. Geburtstag und George W. Bush half ihm dabei, einen Schokoladenkuchen zu vertilgen. Keiner der beiden Männer erwähnte bei einem Fototermin mit Journalisten mit auch nur einem Wort, dass das General Accounting Office (GAO) des Kongresses zum ersten Mal in seiner Geschichte die Exekutive verklagen will. Die Juristen im Weißen Haus aber feilen schon an der Gegenstrategie. Man rechne mit der Klage und werde sich wehren, sagte Claire Buchan, Sprecherin des Weißen Hauses, der Nachrichtenagentur Reuters: "Wir sehen uns im Gericht".
Das General Accounting Office (GAO) hat die Führung des Kongresses am Mittwochmorgen intern über den Entschluss zur Klage in Kenntnis gesetzt. Offiziell soll die Einleitung des Verfahrens, das seit Tagen erwartet wird, im Verlauf des Nachmittags amerikanischer Zeit auf der Website des GAO bekannt gegeben werden. Das GAO, eine Art parlamentarisch bestellter Rechnungshof, will die Klageschrift danach bei einem Bezirksgericht in der Hauptstadt Washington einreichen.
Korruptionsvorwürfe und Prinzipienfragen
Der Rechtsstreit dreht sich um eine Serie nicht öffentlicher Treffen zu Beginn des vergangenen Jahres, der Geburtsstunde der Bush-Regierung. Vizepräsident Cheney hatte damals eine "Task Force" um sich gesammelt, um Grundzüge der Energiepolitik der neuen Regierung zu formulieren. Das GAO verlangt von Cheney, er solle die Liste mit Namen der Gesprächspartner Cheneys veröffentlichen. So will die Aufsichtsstelle unter anderem ermitteln, inwieweit Manager und andere Repräsentanten des bankrotten Skandal-Unternehmens Enron, das die republikanischen Partei und den George W. Bush mit Spenden unterstützt hatte, Einfluss auf die Energiepolitik der neuen Administration nahmen.
Cheney hat es bisher strikt abgelehnt, der GAO diese Liste zu übergeben und seine Weigerung zur politischen Prinzipienfrage erklärt. Es sei dabei nicht seine Absicht, etwas zu verbergen. Doch wenn das Weiße Haus die Namen der Gesprächspartner veröffentliche, könne das Sachverständige in Zukunft daran hindern, die Politik mit ihrem unparteiischen Rat zu unterstützen, heißt die offizielle Begründung. Cheneys Weigerung hat das Misstrauen demokratischer Politiker freilich nur noch verschärft. George Bush hat den Kurs seines Vize in dieser Frage öffentlich entschieden unterstützt. Bush Sprecher Ari Fleischer schlug in dieselbe Kerbe. Die GAO überschreite ihre Kompetenzen, sagte Fleischer. Auch Dennis Hastert, Sprecher des republikanisch dominierten Unterhauses, warnte: "Hier könnte ein sehr ungesunder Präzedenzfall geschaffen werden. Hier geht es um vertrauliche Informationen."
Cheneys Fernseh-Plädoyer
Der Vorsitzende des GAO, David Walker, hat bereits im vergangenen Sommer zum ersten Mal die Herausgabe der Teilnehmerliste und anderer Details über die Task-Force-Treffen verlangt. Der Aufseher trat damals in Aktion, weil Henry Waxman und John Dingell, zwei demokratische Mitglieder des Repräsentantenhauses, glaubten, die Teilnehmerliste sei politisch unausgewogen zusammengestellt worden. Vertreter von Umwelt-Gruppen und von Unternehmen, die Strom aus regenerativen Quellen gewinnen, seien bei den Runden ausgeschlossen gewesen, so der damalige Vorwurf. Von einer Runde unparteilicher Experten könne also keinesfalls die Rede sein. Nach dem spektakulären Kollaps des Energiekonzerns aus Bushs Heimatstaat Texas aber hat die Frage nach einer Einflussnahme insbesondere durch Enron-Chefs neue Brisanz gewonnen.
Oppositionsführer Daschle: Warum sind Namen und Daten ein Staatsgeheimnis?
Das Weiße Haus hat bereits eingestanden, dass Mitglieder der Energie-Task-Force im vergangenen Jahr sechs Mal mit Enron-Vertretern zusammenkamen. In einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN Anfang der Woche hatte Cheney dies abermals eingeräumt und betont, einige essentielle Forderungen der Enron-Manager seien nicht in die energiepolitischen Richtlinien der Regierung aufgenommen worden. So hätten die Enron-Vertreter vergeblich gefordert, das Kyoto-Protokoll zur Eindämmung der Erderwärmung zu unterstützen und den Ausstoß von Kohlendioxid durch strikte Vorgaben zu kontrollieren.
Widerstreit der Meinungen, Konflikt der Parteien
Walker und die ihn unterstützenden Kongressabgeordneten verlagen aber weitere Informationen - vor allem die vollständige Namensliste sowie eine Aufstellung über die Kosten, die die Treffen der Task Force verursachten. Da die Aufgabe des GAO darin bestehe, die Exekutive zu beaufsichtigen, sei sie geradezu verpflichtet, diese Informationen anzumahnen.
Der Senat und das Repräsentantenhaus sind in der Frage gespalten - genau in der Mitte, den Parteilinien entsprechend. Allerdings haben einige wenige Senatoren aus Bushs Partei Sympathie für das Anliegen der Aufseher erkennen lassen. Unterstützung bekommt die GAO naturgemäß auch von Tom Daschle, dem Mehrheitsführer im demokratisch dominierten Senat. Daschles Argument: Das GAO wolle doch nur Namen und Daten erfahren - und nicht etwa den Inhalt geheimer politischer Diskussionen.
(Quelle: spiegel.de; www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,179949,00.html)
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