FRANKFURT (Dow Jones)--Die Deutsche Börse AG will ihren Kunden nun auch weniger strikte Ordertypen anbieten als bislang. Mit dieser Strategie will der Börsenplatzbetreiber der Konkurrenz alternativer Plattformen wie Chi-X und Turquoise begegnen, die ähnliche Dienste anbieten oder planen.
"Es werden immer mehr intransparente Facetten eingearbeitet", sagte der für den Kassamarkt der Deutschen Börse AG verantwortliche Frank Gerstenschläger am Dienstag in Frankfurt. Für das kommende Jahr kündigte der Vorstand die Einführung so genannter "discretionary orders" mit einem verborgenen Preislimit an.
Dies ist dabei nicht der erste intransparente Ordertyp der Deutschen Börse. Bereits seit längerem bietet sie "iceberg orders" mit einer verborgenen Gesamtmenge an.
Trotz der neuen Ordertypen will die Börse am Prinzip größtmöglicher Markttransparenz festhalten. Bei der Ausführung sollen jene Aufträge vorgezogen werden, die sichtbar seien, sagte Gerstenschläger.
Über die neuen Ordertypen hinaus prüft der Börsenplatzbetreiber, einen eigenen so genannten "dark pool" anzubieten. In einem "dark pool" werden besonders große Aktienpakete institutioneller Anleger gehandelt, ohne dass der Öffentlichkeit, Ordergröße, Preis oder Marktteilnehmer bekannt sind.
Allein oder in Kooperation sei damit aber frühestens 2009 zu rechnen, sagte Gerstenschläger. Bereits vor einigen Jahren eingeführt und nur schlecht angenommen wurde von den Kunden das gebührenträchtige Konzept Xetra-XXL zum Blockhandel über Xetra.
Trotz der Konkurrenten, die der Börse Marktanteile streitig machen wollen, bleibt die Deutsche Börse optimistisch. Böten neue Konkurrenten den Aktienhandel in "dark pools" mit ihren weiter gespreizten Geld- und Briefkursen an, so ersetzten diese Plattformen außerbörslichen Handel wie den Telefonhandel und machten nicht dem regulären Aktienhandel Konkurrenz, urteilte Gerstenschläger.
Als Reaktion auf die neuen Anbieter, dem daraus resultierenden Arbitragehandel und dem wachsenden computergestützten algorithmischen Handel will die Börse noch im November in der Abwicklung ihr Preismodell ausdifferenzieren und preiswertere Lösungen anbieten. Manche Kunden benötigten für ihr Geschäft kein Lieferservice mehr, sagte Gerstenschläger: "Die Entkoppelung des Clearing ist einer der wichtigsten Schritte in diesem Jahr."
Für die Bilanz werde das preiswerte Angebot ohne Auswirkungen bleiben, vermutete er: "Wir gehen davon aus, dass die Maßnahmen neutral sind, weil die sinkenden Einnahmen durch höheres Volumen ersetzt werden."
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