Kritik an der Deutschen Börse
Händler nannten das Verhalten der Deutschen Börse "unverantwortlich". Alle anderen Aktien im DAX würden ohne Rücksicht auf Verluste verkauft, nur um Aktien von Volkswagen finanzieren zu können. "Es gibt keinerlei Überlegungen, VW aus dem DAX zu nehmen. Solange fünf Prozent der Aktien im Streubesitz sind, gibt es dazu keine Veranlassung", sagte ein Sprecher des Marktbetreibers am Dienstag und verwies dabei auf das Regelwerk der Deutschen Börse. Derzeit hat VW eine Marktkapitalisierung von 295 Milliarden Euro und damit mehr als die Hälfte der Kapitalisierung des gesamten DAX.
"Unwürdiger Exzess"
Ein Börsianer sagte: "Wenn die Deutsche Börse nicht einschreitet droht uns eine Systemkrise - viele Investoren werden zu Käufen von VW-Aktien gezwungen, die es am Markt praktisch nicht mehr gibt." Robert Halver, Kapitalmarktexperte bei der Baader Bank, sagte: "Wir reden hier über einen DAX-Wert, nicht über einen Wert der dritten oder vierten Reihe. Solche Exzesse sind eines DAX 30-Index, der zu den fünf- bis zehn bedeutendsten Aktienindizes der Welt gehört unwürdig." Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von mehr als 81 seien Werte im "Neuen Markt" bewertet worden - wenn man sich die allgemeine dramatische Situation der Autobranche ansehe sei dies nicht nachvollziehbar. Ein Händler sagte: "Alle anderen DAX-Werte wie vor allem Autobauer werden hierdurch zerstört."
Leerverkäufe gehen selten so schief
Mit den sogenannten Leerverkäufen, die aus Auslöser des gegenwärtigen VW-Exzesses gelten, kann in Zeiten sinkender Aktienmärkte viel Geld verdient werden. Die Grundidee ist, eine geliehene Aktie erst zu verkaufen und dann vor der Rückgabe an den Ausleiher zum niedrigeren Kurs zurückzukaufen. Die Kursdifferenz ist der Gewinn, von dem noch eine Leihgebühr für den ursprünglichen Besitzer abgeht. Die Geschäfte sind riskant, aber es passiert nur selten, dass sie so spektakulär schiefgehen, wie jetzt bei der VW-Aktie.
Plötzliche Knappheit an VW-Aktien
Porsche hatte am Sonntag mitgeteilt, dass der Anteil an Volkswagen auf 42,6 Prozent erhöht wurde und das Unternehmen außerdem noch 31,5 Prozent an VW in Form von Optionen kontrolliert. Insgesamt hat Porsche also 74,1 Prozent der Anteile in der Hand. Damit wurden die Leerverkäufer kalt erwischt. Nach Informationen aus dem Markt waren 12 bis 15 Prozent der VW-Anteile an Leerverkäufer verliehen gewesen. Diese Aktien mussten zur Rückgabe wiedergekauft werden. Abzüglich der gut 20 Prozent, die beim Land Niedersachsen liegen, standen den Spekulanten dafür aber nur noch knapp sechs Prozent der Anteile zur Verfügung.
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