Mails/Nachrichten vom 12.04.2002, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
dieser Ticker ist eine Ergänzung zur heutigen AB. Das ist wichtig, weil es den Anschluß darstellt. Denn das Quartal der Wahrheit, wie ich es kürzlich genannt habe, verdichtet immer mehr das Problem, um das es geht:
Rechtfertigen die hohen Bewertungen der Technologieaktien eine Wachstumsprämie, die in dieser Form offenbar nicht gegeben ist? Anders ausgedrückt: Eine 3- oder 4fache Umsatzbewertung ist bekanntlich nur dann vertretbar oder auszubauen, wenn das Wachstum von Umsatz und Gewinn im hohen zweistelligen Bereich liegt. Wachsen diese Unternehmen aber nur durchschnittlich um 10 bis 15 % in beiden Bereichen (Umsatz und Gewinn), ist eine so hohe Bewertung nicht zu vertreten. Dann kracht es.
Gestern war General Electric dran. Minus 10 % im Tagesverlauf und minus 8,6 % auf Schlußkursbasis sind der Beleg. Zuvor war es IBM und nun fehlt noch Microsoft. GE ist die schwerste Aktie der Welt. Gestern wurden mit rd. 10 % gleich mal 32 Mrd Dollar Börsenwert vernichtet. So bleibe ich dabei:
Es war häufig umstritten, wenn ich auf diese Relationen immer wieder hingewiesen und sie seit langem in der AB zum Bewertungsmaßstab erklärt habe. Das gilt freilich immer nur für die kritischen Situationen. Nämlich die Frage: Zu teuer oder zu billig. Ich empfehle Ihnen, mit diesem Kriterium weiter zu operieren. Nur daran erkennen Sie, ob in der gegenwärtigen Verfassung die Technologie immer noch zu teuer ist oder nicht.
Für die blue chips gilt dies kaum oder gar nicht. Deshalb bleiben Sie hier in aller Ruhe engagiert und dies sogar mit steigendem Trend bzw. weiter anziehenden Kursen. Eastman Kodak ist ein solcher Fall: Bis 35 $ kein Problem, Ziel 46 Dollar. Erster Kauf bei 28 Dollar, und das ist ein immer noch gutes Investment.
Im übrigen gilt: Die High-Tech-Fetischisten stehen weiterhin vor einigen unruhigen Wochen. Jede dieser Aktien ist noch gefährdet, so weit die Zahlen nicht vorliegen. Andererseits ist klar: Auf sehr niedrigem Niveau bleibt das Risiko begrenzt und hier schaue ich auch nicht auf 50 Cents im Kurs. Das gilt für alle Titel, die schon 90 % Kursverlust hinter sich haben. Diese noch zu verkaufen, macht keinen Sinn, aber mit Käufen warten Sie bitte.
Frankfurt übernimmt das Thema aus New York sehr direkt. Die Technologieaktien waren gestern dran. Die Auffangkurse habe ich genannt, aber sie liegen alle deutlich unter den aktuellen Notierungen. Auch das wird ein Problem der nächsten Wochen.
Die gestrigen Abschläge im DAX enthielten vielfach Zufälligkeiten. Allerdings gab es bei einigen erstaunlich hohe Umsätze. Ich gehe nicht fehl in der Annahme, daß hier einige Baisse-Positionen aufgebaut worden sind. Man erkennt das an den Umsätzen. Spielball ist dafür vor allem Telekom mit 19,6 Mio Stück im Xetra-Handel bei minus 2,8 %. Es geht also weiterhin um die Basis um rd. 15 Euro, wobei es bleibt.
Der heutige Nachrichtenstand in Sachen Contigummi, Sixt und anderen entspricht den Erwartungen. Darin steckt nichts Neues, aber viel Vergangenheitsbewältigung. Man kann es auch etwas allgemein formulieren: Niemand kam ungeschoren über das Jahr 2001 hinweg. Beeindruckend finde ich aber, wie dünn die Ertragsdecke häufig ist und wie schnell die Gewinne einbrechen können, wenn die Umsätze relativ gering zurückgehen oder sogar zulegen. Die sogenannten Umstrukturierungskosten sind zwar ein häufig gebrauchtes Argument, aber sie sind letztlich der Beleg dafür, daß die Firmen sich in ihren Investitionen in den letzten Jahren kräftig vertan haben, sei es in der internen oder externen Expansion.
Meine These zum Wochenende: Ich sehe im Moment keinen Anlaß, neues Geld zu binden, verweise aber auf die heutige AB mit der dort konkretisierten Branchenfavorisierung, siehe Rüstung, Öl und Versicherungen, letztere speziell auf Europabasis. Dazu ergänze ich noch AMB Generali und Hannover Rück.
Für die Technologiefans gibt es das Leitwort von Wilhelm Busch: 'Aber hier, wie überhaupt, kommt es anders, als man glaubt.'
Herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker
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