Hans Bernecker: Spannende Woche


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jack303:

Hans Bernecker: Spannende Woche

 
06.05.02 15:06

Mails/Nachrichten vom 06.05.2002, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
wir gehen in eine äußerst spannende Woche. Ich bin davon ausgegangen, daß wir in dieser Woche einen Dreh in New York und Frankfurt bekommen. Mit den Schlußdaten vom Freitag hatte sich das Ganze erneut und in ungewöhnlicher Form verschlechtert. Also eine richtige Gratwanderung, wobei ich an meiner bisherigen Einschätzung dennoch festhalte. Der Wochenverlauf wird es zeigen. Aber:

Die gravierende Schwäche der Telekomtitel ist fast ein weltweites Problem. Deren Liquidität und Marktgewicht zogen an den letzten zwei Tagen alle mit nach unten. Es handelt sich also um eine Meinung, die die Kurse macht und nicht um Fakten, die eine neutrale Beurteilung zulassen. Selbst der stärkste - VODAFONE - geriet nun voll in die Krise. Lachen Sie nicht: Ich bin darüber sehr befriedigt. Über die maßlose Übertreibung aller dieser Unternehmen im internationalen Kontext der Medien - Analysten habe ich mich ebenso maßlos geärgert. Doch meine Skepsis war noch viel zu optimistisch. Das gleiche gilt für SOFTWARE, Telekom-Ausrüstung aller Art, also der ganze Sektor der Hochtechnologie. Hier ist das Ende noch nicht in Sicht. Immer wieder rechne ich an dieser Stelle und in der AB vor, daß die Börsenwerte nicht im Einklang mit den Geschäftsvolumen der Firmen stehen. Solange diese Schieflage nicht beseitigt ist, hat nicht nur dieser Sektor, sondern der ganze Markt Probleme.

Die solide Seite steigt weiter. Ich kann nur dafür plädieren, dieses Bein weiter auszubauen oder zu stärken. Neue Topkurse für PHILIP MORRIS, COCA-COLA, PROCTER & GAMBLE, LOEWS, REYNOLDS und GENERAL MOTORS sind der Beleg. Es sind nicht allzu viele, aber dazu kommen noch die Mittelklasse, wie schon erwähnt, die Rüstungs- und Kliniktitel, die gesamte Ölspekulation, Gold und zu etwa 50 % die großen Banken. BANK OF AMERICA erreichte mit 74 $ am Freitag ein new high. Ich werde durch weitere Empfehlungen diese Palette in der nächsten AB noch etwas aufbauen können.

Die drei Großen bleiben eine Hängepartie: IBM tangierte am Freitag mit 81,15 $ die obere Kante meiner Range zwischen 78 und 81 $. GE fiel auf 30,74 $ zurück und hat noch ein Risiko von etwa 2 $. Am stärksten gefährdet ist MICROSOFT mit 40 $. Sollte aber bei GE die Basis 28 $ nicht halten, geht der Rutsch bis 23 $ als „worst case“ weiter. Übrigens: Bei INTEL erweitert sich das Risiko nun auf rd. 19 $. Auf der Gegenseite:

HEWLETT PACKARD/COMPAC sind ein neuer Kauf. Kein Renner, aber mit der Fusion dürfte es nun möglich sein, eine Perspektive zu gewinnen. Ab heute gilt das neue Ticker-Symbol HWQ. Dazu alles weitere in der nächsten AB. Ferner: XEROX ist ein sofortiger Kauf. Die Herunterstufung durch Moody’s wird auch in New York mit Kopfschütteln begleitet. XEROX zeigt eine Cashposition von 4,7 Mrd $ und steht in den Neuverhandlungen eines Kredites über 7 Mrd $, der übrigens dem Leasing der Geräte dient und nicht der Finanzierung des laufenden Geschäftes in der Produktion. Auch dazu bitte die nächste AB beachten. Ich möchte fast meinen:

Erst die Wirtschaftsprüfer, dann die Broker mit ihren Analysten und nun die Rating-Agenturen. Damit sind die drei wichtigsten Träger der Meinungsbildung in der amerikanischen Börse in ein wirklich schiefes Licht geraten. Das halte ich für eine gravierende Strukturschwäche.

Zu den Wirtschaftsdaten: 6 % Arbeitslosenquote überraschen mich ebenfalls, sind aber aus der Sicht eines Volkswirtes logisch. Denn die Beschäftigtenzahl ist in der Regel eine sog. nachlaufende und nicht vorlaufende Komponente des Konjunkturzyklus. Das wird daraus ersichtlich, daß im 1. Quartal nur die Lagerinvestitionen Träger des Wachstums waren, dem die Ausrüstungsinvestitionen regelmäßig mit ein bis zwei Quartalen später folgen. Ich habe das in der AB schon erläutert. Ergebnis: Mit diesen Vorzeichen ist eine Zinsanhebung vorerst vom Tisch.

Der Dollar wird weiter nachgeben. Die Ergänzung zum Brief Nr. 13, als ich Ihnen dies avisierte, lesen Sie mit der äußerst interessanten Zahlenunterlage, die soeben von der WTO herausgegeben wurde, in der nächsten AB. Das ist zwar klassische Volkswirtschaft, aber durchaus verständlich.

Frankfurt wird dem Gesamteindruck vom Freitag keineswegs zwingend folgen müssen. Mag sein, daß er schwächer beginnt, aber im Tagesverlauf bin ich mir darin nicht mehr sicher. Doch auch hier gilt: Die Technologietitel prägen das Bild. Sie sind im DAX mit gut 30 % gewichtet und machen damit Stimmung. Hier gilt, was ich oben gesagt habe: Keine dieser Aktien ist fair bewertet und alle noch entschieden zu teuer, sowohl objektiv bewertet als auch subjektiv, mit der internationalen Konkurrenz verglichen. Meine Investments liegen in den Autos, in der Chemie, in den zwei Energietiteln und in den Maschinenkonzernen, und damit fahre ich gut. Das ist ebenfalls nicht aufregend, bewegt sich aber auf der Plusseite. Krönung des Ganzen: Niemand redet vom Bau, aber die Kurse steigen kontinuierlich. Ich kann nur hoffen, daß Sie wenigstens zum Teil dabei sind.

Ein Wort zu TELEKOM: 38,5 Mio Aktien wurden am Donnerstag gehandelt. Das sind 0,8 % aller ausstehenden Aktien und über 2 % der tatsächlich verfügbaren Titel (Freefloat). Am Freitag waren es noch über 30 Mio Aktien. Die Hedge-Funds lassen grüßen. Insgesamt bedeutet das:

Wir befinden uns in einem extrem überverkauften Markt. Deshalb ist meine Annahme eines abrupten technischen Drehs nach wie vor gültig.

Für den Wochenverlauf bleiben Sie bitte „stur“. Ich weiß, daß es simpel klingt, aber auch dies gilt gelegentlich sehr real: Nicht verkaufen und einige Tage „aussitzen“.

Das Gegenteil gilt für Tokio. Mein kürzlicher vorsichtiger „Markteintritt“ dürfte richtig gewesen sein. Bauen Sie die Positionen in den großen Elektronikaktien aus, wofür ich Ihnen in der letzten AB alle Eckdaten genannt hatte. Fortsetzung im nächsten Brief. Zumindest sollte eine Anfangsposition stehen.

Bis morgen,

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 




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