"Dieser Freitag war teuer", jammert unser Tagebuch-Autor
Händler-Tagebuch
„Sind die Bullen ausgestorben?“
18. Aug. 2001 Es sieht fast so aus, als ob eine ganze Rasse ausgestorben ist. Offenbar fielen die letzten Bullen den spanischen Stierkämpfern zum Opfer! An der Börse wurden jedenfalls schon lange keine Bullen mehr gesichtet.
Dabei müsste doch die rote Farbe, die fallende Kurse anzeigt, und derzeit reichlich anzutreffen ist, die Bullen anlocken. Trotzdem lässt sich einfach keiner blicken.
Dauert die Baisse noch sechs Wochen?
Eine Baisse dauert normalerweise im Durchschnitt 18 Monate. Das habe ich in einem schlauen Buch gelesen. Bedeutet das dann, dass die jetzige von heute an gerechnet noch sechs Wochen dauert? Zumindest sind dann die 18 Monate seit Beginn der Baisse vorbei.
Diese Woche steckten wir jedenfalls noch Mitten drin im Abwärtsstrudel. Dabei waren die Vorzeichen eigentlich gut. Dachte man zumindest noch zu Wochenbeginn. Profis glaubten, dass die Stimmung bereits auf dem Tiefpunkt sei. Doch letztlich sahen die Tatsachen anders aus.
Dax-Werte versalzen die Suppe
Aber dieses Mal hat uns nicht etwa der Neue Markt die Stimmung versaut. Die Rolle als Buhmanns übernahmen die alten Dax-Werte. Angeführt wurde die Negativ-Liste von MAN mit Bilanzfälschung, Bayer mit Todespillen und der Deutschen Bank mit Leihgeschäften
Besonders der Deal der Deutschen Bank drückte auf die Stimmung. Zwang der Verkauf von 44 Millionen T-Aktien doch unsere Volksaktie in die Knie. Da half selbst die Fürsprache unseres Kanzlers nichts, der sich von seiner Urlaubsreise durch Ostdeutschland mit den Worten meldete: „Die sind zu billig, ich mache mir Sorgen“.
Langes Warten auf die Rallye
Inzwischen fragen sich viele Anleger: Wann ist der Sommer(ron) endlich rum. Fest steht: Große Werbeanzeigen zugunsten der T-Aktie bringen auch mit dem schönsten Margenta nichts, sondern kosten nur Geld. Und Geld hat die Deutsche Telekom nach dem viel zu teuren Einkauf der UMTS-Lizenen bekanntlich nicht mehr. Dafür verhelfen die UMTS-Gelder dem Kanzler zu einer Promotion-Tour durch die schönen Ecken im Osten.
Unterdessen warten wir auf die Rally - schon seit einem Jahr vergeblich. Aber wenn man sich das Sommertheater um den Kursverfall bei der Deutschen Telekom anschaut, überrascht es eigentlich nicht, warum im Ausland trotz eines festen Euro niemand deutsche Aktien kaufen möchte. Fazit: Aktionär zu sein ist Scheisse! Aber fragen sie mich jetzt nicht, wie es dann sein muss, ein Aktienhändler zu sein. Nur so viel, Opel-Mitarbeiter müssen sich ähnlich fühlen.
Aber wo viel Schatten ist, gibt es auch Hoffnungsschimmer. Etwa bei Atoss Software, die in dieser Woche zulegten. Da hatte man festgestellt, dass der Kassenbestand höher ist als die Marktkapitalisierung! Bleibt zu hoffen, dass es solche Hoffnungszeichnen bald wieder öfter gibt. Denn sonst sieht man so schnell kein Licht mehr am Horizont.
Prognosen sind unmöglich
Eine seriöse Aussage, wie sich die Aktienindizes weiter entwickeln, ist im Moment beim besten Willen nicht möglich. Das zeigte auch der Freitag wieder, in den wir eigentlich mit voller Hoffnung gegangen waren. Zwar wurde am Donnerstag ein neues Jahrestief markiert. Aber ein Schlusskurs deutlich darüber gepaart mit günstigen Vorgaben aus den USA ließen auf einen positiven Wochenausklang schließen.
Doch es kam wieder einmal anders und heftige Verkäufe drückten uns deutlich ins Minus. Mit der Folge, dass damit meine überzeugende Performance der vergangenen Wochen ausradiert wurde. Ich möchte überhaupt nicht näher darauf eingehen, wie schlecht es lief. Trotzdem allen ein schönes Wochenende. Es kann eigentlich nur noch besser werden!
Händler-Tagebuch
„Sind die Bullen ausgestorben?“
18. Aug. 2001 Es sieht fast so aus, als ob eine ganze Rasse ausgestorben ist. Offenbar fielen die letzten Bullen den spanischen Stierkämpfern zum Opfer! An der Börse wurden jedenfalls schon lange keine Bullen mehr gesichtet.
Dabei müsste doch die rote Farbe, die fallende Kurse anzeigt, und derzeit reichlich anzutreffen ist, die Bullen anlocken. Trotzdem lässt sich einfach keiner blicken.
Dauert die Baisse noch sechs Wochen?
Eine Baisse dauert normalerweise im Durchschnitt 18 Monate. Das habe ich in einem schlauen Buch gelesen. Bedeutet das dann, dass die jetzige von heute an gerechnet noch sechs Wochen dauert? Zumindest sind dann die 18 Monate seit Beginn der Baisse vorbei.
Diese Woche steckten wir jedenfalls noch Mitten drin im Abwärtsstrudel. Dabei waren die Vorzeichen eigentlich gut. Dachte man zumindest noch zu Wochenbeginn. Profis glaubten, dass die Stimmung bereits auf dem Tiefpunkt sei. Doch letztlich sahen die Tatsachen anders aus.
Dax-Werte versalzen die Suppe
Aber dieses Mal hat uns nicht etwa der Neue Markt die Stimmung versaut. Die Rolle als Buhmanns übernahmen die alten Dax-Werte. Angeführt wurde die Negativ-Liste von MAN mit Bilanzfälschung, Bayer mit Todespillen und der Deutschen Bank mit Leihgeschäften
Besonders der Deal der Deutschen Bank drückte auf die Stimmung. Zwang der Verkauf von 44 Millionen T-Aktien doch unsere Volksaktie in die Knie. Da half selbst die Fürsprache unseres Kanzlers nichts, der sich von seiner Urlaubsreise durch Ostdeutschland mit den Worten meldete: „Die sind zu billig, ich mache mir Sorgen“.
Langes Warten auf die Rallye
Inzwischen fragen sich viele Anleger: Wann ist der Sommer(ron) endlich rum. Fest steht: Große Werbeanzeigen zugunsten der T-Aktie bringen auch mit dem schönsten Margenta nichts, sondern kosten nur Geld. Und Geld hat die Deutsche Telekom nach dem viel zu teuren Einkauf der UMTS-Lizenen bekanntlich nicht mehr. Dafür verhelfen die UMTS-Gelder dem Kanzler zu einer Promotion-Tour durch die schönen Ecken im Osten.
Unterdessen warten wir auf die Rally - schon seit einem Jahr vergeblich. Aber wenn man sich das Sommertheater um den Kursverfall bei der Deutschen Telekom anschaut, überrascht es eigentlich nicht, warum im Ausland trotz eines festen Euro niemand deutsche Aktien kaufen möchte. Fazit: Aktionär zu sein ist Scheisse! Aber fragen sie mich jetzt nicht, wie es dann sein muss, ein Aktienhändler zu sein. Nur so viel, Opel-Mitarbeiter müssen sich ähnlich fühlen.
Aber wo viel Schatten ist, gibt es auch Hoffnungsschimmer. Etwa bei Atoss Software, die in dieser Woche zulegten. Da hatte man festgestellt, dass der Kassenbestand höher ist als die Marktkapitalisierung! Bleibt zu hoffen, dass es solche Hoffnungszeichnen bald wieder öfter gibt. Denn sonst sieht man so schnell kein Licht mehr am Horizont.
Prognosen sind unmöglich
Eine seriöse Aussage, wie sich die Aktienindizes weiter entwickeln, ist im Moment beim besten Willen nicht möglich. Das zeigte auch der Freitag wieder, in den wir eigentlich mit voller Hoffnung gegangen waren. Zwar wurde am Donnerstag ein neues Jahrestief markiert. Aber ein Schlusskurs deutlich darüber gepaart mit günstigen Vorgaben aus den USA ließen auf einen positiven Wochenausklang schließen.
Doch es kam wieder einmal anders und heftige Verkäufe drückten uns deutlich ins Minus. Mit der Folge, dass damit meine überzeugende Performance der vergangenen Wochen ausradiert wurde. Ich möchte überhaupt nicht näher darauf eingehen, wie schlecht es lief. Trotzdem allen ein schönes Wochenende. Es kann eigentlich nur noch besser werden!