In Beirut demonstrieren 700 000 Schiiten gegen die Mohammed-Karikaturen
Hisbollah-Führer Scheich Nasrallah: Bush und Rice sollen "das Maul halten" - Günter Grass greift dänische Zeitung an
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| In der libanesischen Hauptstadt demonstrieren schiitische Frauen gegen die Mohammed- |
Zum Abschluß der Massenkundgebung zum schiitischen Aschura-Fest sagte Nasrallah: "Wir werden den Gesandten Gottes nicht nur mit unserer Stimme, sondern auch mit unserem Blut verteidigen." US-Präsident George W. Bush und seine US-Außenministerin Condoleezza Rice sollten "das Maul halten". Die US-Regierung hatte Syrien und den Iran beschuldigt, die Proteste bewußt zu schüren. Der iranische Vizepräsident Isfandiar Rahim Maschai wies diesen Vorwurf zurück und sagte: "Das ist eine hundertprozentige Lüge."
Auch in anderen islamischen Ländern hielten gestern die Demonstrationen gegen die Mohammed-Karikaturen an, blieben aber im Unterschied zu den Vortagen meist friedlich.
In Deutschland schaltete sich der Literaturnobelpreisträger Günter Grass in die Diskussion über die Mohammed-Karikaturen ein und kritisierte ihre Veröffentlichung in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" scharf. "Es war eine bewußte und geplante Provokation eines rechten dänischen Blattes", sagte der Schriftsteller in einem Interview mit der spanischen Zeitung "El País". Den Blattmachern sei bekannt gewesen, daß die Darstellung Allahs oder Mohammeds in der islamischen Welt verboten sei. "Sie haben aber weitergemacht, weil sie rechtsradikal und fremdenfeindlich sind."
Von den gewalttätigen Reaktionen zeigte sich der 78jährige Autor wenig überrascht. Es sei die fundamentalistische Antwort auf eine fundamentalistische Aktion des Westens, angefangen von der Invasion in den Irak, die gegen internationales Recht verstoßen habe. Dem Westen warf Grass in der Debatte über die Karikaturen Selbstgefälligkeit und Arroganz vor.
In Turin wurde unterdessen bekannt, daß bei der Eröffnungsfeier der Winterspiele heute abend die dänische Fahnenträgerin Dorthe Holm Polizeischutz erhalten wird.
