Ja, das Angebot an Mr. Kong ist nach kanadischem Recht und den Regeln der TSX Venture Exchange (TSXV) grundsätzlich erlaubt und stellt eine gängige Praxis dar, um rechtliche Streitigkeiten bezüglich einer Verwässerung (Dilution) zu entschärfen.
Zulässigkeit des Angebots:
Zweck des Angebots: Mr. Kong hält rund 12,79 % der Aktien und hatte öffentlich kritisiert, dass die geplante Privatplatzierung (Private Placement) stark verwässernd wirkt.
Schutz vor Verwässerung: Indem Majestic Gold Corp. ihm ein vertragliches Bezugsrecht anbietet – das ihm erlaubt, rund 56,38 Millionen zusätzliche Aktien zu erwerben –, gibt das Unternehmen ihm die Möglichkeit, seine anteilige Beteiligung von ca. 12,8 % auch nach der Finanzierungsrunde exakt beizubehalten.
Bedingte Genehmigung: Da die TSXV für die gesamte Platzierung bereits eine bedingte Genehmigung (conditional approval) erteilt hat, ist das Angebot rechtlich zulässig, sofern es die finalen regulatorischen Vorgaben der Börse erfüllt.
Related Party Transaction (Transaktion mit nahestehenden Personen)
Rechtliche Einordnung: Nach der kanadischen Richtlinie Multilateral Instrument 61-101 (MI 61-101) gelten Aktionäre, die mehr als 10 % der Stimmrechte halten, als Insider und somit als nahestehende Personen.
Regelungen und Ausnahmen: Wenn eine Related Party an einer Privatplatzierung teilnimmt, greifen strenge Regeln zum Schutz der Minderheitsaktionäre. In der Regel fordert das Gesetz eine unabhängige formale Bewertung (Formal Valuation) sowie die Zustimmung der Minderheitsaktionäre (Minority Shareholder Approval).
Ausnahme im konkreten Fall: Das Gesetz sieht Ausnahmen vor, wenn der Marktwert der Transaktion weniger als 25 % der Marktkapitalisierung des Unternehmens ausmacht. Da Mr. Kong hier lediglich prozentual mitzieht, um seinen Altbestand zu schützen (und nicht die primäre Platzierung von 49,2 Mio. C$ alleine zeichnet), greift für seinen Anteil oft eine solche regulatorische Befreiung, um den Prozess nicht zu blockieren.
New Control Person Situation (Neue Kontrollperson)
Definition der TSXV: Nach den Regeln der TSXV wird eine Person oder eine Gruppe zu einer "Control Person", wenn sie nach Abschluss einer Transaktion mehr als 20 % der ausstehenden stimmberechtigten Aktien des Unternehmens hält.
Folgen einer Kontrollübernahme: Sollte ein einzelner neuer Investor durch die Privatplatzierung die 20 %-Schwelle überschreiten, müsste das Unternehmen zwingend die Zustimmung der Aktionäre (Shareholder Approval) einholen, bevor die Transaktion final geschlossen werden darf.
Auswirkung auf Mr. Kong: Für Mr. Kong entsteht hier keine neue Kontrollsituation. Da das Angebot explizit darauf ausgelegt ist, seine "proportionale Eigentumsquote beizubehalten", bleibt er bei seinen bisherigen ~12,79 % und überspringt die kritische 20 %-Marke nicht.
Die Chancen von Mr. Kong bei der gerichtlichen Anhörung vor dem B.C. Supreme Court am Montag, den 22. Juni 2026, stehen eher schlecht bis moderat, da kanadische Gerichte bei geschäftlichen Entscheidungen von Vorständen eine sehr hohe Hürde für einstweilige Verfügungen anlegen.
Chancen bei der gerichtlichen Anhörung am 22. Juni
Um eine einstweilige Verfügung (Injunction) in British Columbia zu erwirken, muss Mr. Kong den dreistufigen rechtlichen Test (RJR-MacDonald-Test) bestehen:
Ernsthafte rechtliche Frage: Er muss beweisen, dass der Vorstand nicht im besten Interesse der Gesellschaft handelt. Majestic Gold kontert mit der "Business Judgment Rule" (Gerichte mischen sich ungern in kaufmännische Entscheidungen ein, solange sie vertretbar begründet sind).
Irreparabler Schaden: Mr. Kong argumentiert, dass die Verwässerung (Dilution) nicht rückgängig gemacht werden kann. Das Unternehmen hat ihm jedoch ein Sonderangebot gemacht, um genau diese Verwässerung für ihn persönlich auszugleichen. Dies schwächt sein Argument des "irreparablen Schadens" massiv ab.
Abwägung der Interessen (Balance of Convenience): Das Gericht prüft, wer mehr Schaden erleidet. Da das Board angibt, das Kapital für strategische Akquisitionen außerhalb Chinas zu benötigen, wiegt das Blockieren einer 49-Millionen-C$-Finanzierung oft schwerer als der Protest eines einzelnen Großaktionärs.
Prognose: Die Gerichte neigen dazu, solche Streitigkeiten auf die Hauptversammlung (Annual General Meeting) zu verweisen, anstatt die Handlungsfähigkeit eines börsennotierten Unternehmens per Eilerlass zu blockieren.
Alternative Wege, die Privatplatzierung vor der HV zu blockieren
Falls das Gericht am 22. Juni die einstweilige Verfügung ablehnt, verbleiben theoretisch noch drei weitere Hebel:
1. Intervention bei der Wertpapieraufsicht (TSXV)
Hebel: Mr. Kong oder eine Gruppe unzufriedener Aktionäre können formellen Einspruch direkt bei der Rechtsabteilung der TSX Venture Exchange einlegen.
Argumentation: Wenn nachgewiesen werden kann, dass die Platzierung primär dem Machterhalt des aktuellen Vorstands dient (Entrenchment) oder eine "faktische Kontrollübernahme" (De Facto Control) durch einen neuen, geheimen Investor darstellt, kann die TSXV die finale Genehmigung verweigern oder eine nachträgliche Aktionärsabstimmung erzwingen.
2. Aktivierung der "Oppression Remedy" (Schutz vor Unterdrückung)
Hebel: Nach dem Business Corporations Act (British Columbia) können Minderheitsaktionäre klagen, wenn das Verhalten des Vorstands "unterdrückend" oder "unbillig nachteilig" für sie ist.
Argumentation: Da Majestic Gold laut Bilanz bereits über erhebliche Barreserven verfügt, ist eine weitere massive Verwässerung wirtschaftlich nicht zwingend notwendig. Ein Gericht könnte im Hauptverfahren (unabhängig von der Injunction) die Transaktion stoppen, falls bewiesen wird, dass der Vorstand die Aktionäre vorsätzlich schädigt.
3. Einstweilige Verfügung zur Verschiebung des Schlusstermins (Closing)
Hebel: Da der geplante Abschluss der Platzierung für Donnerstag, den 25. Juni 2026, angesetzt ist, könnte die Gegenseite versuchen, gerichtlich zu erzwingen, dass das Geld bis zur endgültigen Klärung der Petition auf einem Treuhandkonto eingefroren wird, anstatt die Aktien direkt auszugeben.
Ausblick:
Da das Board die Jahreshauptversammlung geschickt für den 31. Juli 2026 einberufen hat, versucht das Management vollendete Tatsachen zu schaffen: Die neuen Aktien aus der Privatplatzierung werden voraussichtlich noch vor dem Stichtag (Record Date) der HV ausgegeben. Dadurch verschieben sich die Stimmrechtsmehrheiten auf der Versammlung massiv zu Gunsten des aktuellen Boards, was eine Absetzung der vier Direktoren durch Mr. Kong am 31. Juli erheblich erschweren wird.