Glattes Konjunkturparkett bringt US-Börsen ins Schlittern
von Anne Lacker
Die Unsicherheit in den USA hält an und damit auch die Berg- und Talfahrt der Börse. Auf Grund der zunehmenden Zahl an Milzbrand-Opfern und den anhaltenden Militärschlägen in Afghanistan verloren die Indizes Mitte der vergangenen Woche deutlich an Grund. Am Dienstag setzte sich der Negativtrend fort. Dazwischen gibt es immer wieder Tage, an denen sich die Hoffnung durchsetzt, dass sich im nahenden Jahr 2002 alles wieder zum Guten wendet. Die US-Unternehmen befinden sich derzeit in der heissen Phase der Berichtssaison für das dritte Quartal. Und auch hier werden die Investoren in ein Wechselbad der Gefühle geworfen.
Apple und Compaq senken Prognosen
So konnte der Computerhersteller Apple zwar die Erwartungen für das gerade abgeschlossene Quartal mit einem operativen Gewinn je Aktie von $ 0,18 erfüllen. Doch für das nunmehr laufende Quartal liegt die Gewinnschätzung von Apple weit entfernt von den Analystenprognosen. Laut Unternehmensangaben peilt man hier einen Ertrag je Anteilsschein von $ 0,10 an. Laut Thomson Financial/First Call hatten Analysten bisher mit $ 0,18 gerechnet. Kein Wunder, dass die Aktie am Tag der Vorlage des Quartalsberichts 6% an Wert verlor. Dennoch, insgesamt gehört Apple zu den wenigen Technologietiteln, die im Vergleich zum Jahresanfang im Plus liegen.
Compaq musste im abgeschlossenen Quartal einen operativen Verlust von $ 0,07 hinnehmen. Auch für das vierte Quartal erwartet der zweitgrösste Computerhersteller der Welt, der sich gerade in Fusionsgesprächen mit Hewlett-Packard befindet, ein schwaches Geschäft. Der operative Verlust je Anteilsschein sollte rund $ 0,03 betragen. Analysten rechneten bisher damit, dass Compaq bis Ende dieses Jahres wieder in die Gewinnzone kommt.
Keine Weihnachtsstimmung bei Amazon
Wenig erfreut reagierten Investoren am Dienstag im nachbörslichen Handel auf die Zahlen von Amazon.com. Danach verzeichnete der Online-Einzelhändler im dritten Quartal einen Netto-Verlust je Aktie von $ 0,16. Dies lag im Rahmen der Erwartungen. Doch Amazon gab bekannt, dass es für das vierte Qurtal mit einem Umsatzrückgang von maximal 10% im Vergleich zum Vorjahrszeitraum rechnet. Das hatten die Anleger für die traditionell konsumfreudige Vorweihnachtszeit nun nicht erwartet.
Einen starken Gewinneinbruch auf $ 0,04 gab AT&T bekannt. Zudem warnte das Telekomunternehmen davor, dass die Gewinne auch im kommenden Jahr unter starker Konkurrenz und einem schwachen Wirtschaftsumfeld leiden werden.
Schlimm, aber weniger schlimm als erwartet
Auch in der Finanzbranche ringt man derzeit heftig um Gewinne. Dass nach dem Terror-Akt am 11. September die US-Börsen für vier Tage geschlossen blieben, Merger & Acquisition-Tätigkeiten auf nahezu null heruntergefahren wurden, kann an den großen Wall Street Banken nicht spurlos vorübergehen. Citigroup etwa verzeichnete im dritten Quartal einen Gewinn je Wertpapier von $ 0,61, vor einem Jahr waren es noch $ 0,67. Für das laufende Quartal erwartet der Finanzgigant nach eigenen Angaben dann wieder ein Gewinnplus von 15% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Wäre der 11. September nicht gewesen, dann hätte man solch einen Gewinnsprung auch schon für die drei Monate bis Ende September bekanntgeben können, so Sandy Weill, Chairman und Chief Executive Officer der Citigroup.
Bei J.P. Morgan Chase brach der Gewinn je Aktie inklusive Restrukturierungskosten deutlicher ein - um 68% auf $ 0,22. Zudem erwartet der Konkurrent von Citigroup, dass das vierte Quartal nicht wesentlich besser ausfallen wird. Und American Express hatte von einem Quartals-Gewinnrutsch je Aktie inklusive einmalige Sonderposten um 60% auf $ 0,22 zu berichten. Dennoch, am Tag der Vorlage der Geschäftszahlen stiegen alle drei Finanztitel. Analysten und Investoren hatten offenbar mit noch Schlimmerem gerechnet.
Verluste bei AOL und Ford
Bei dem Mediengiganten AOL Time Warner sieht es weniger rosig aus. Zum einen weitete sich der Netto-Verlust je Aktie um knapp 5% auf $ 0,22 aus. Zum anderen zeigten sich einige Analysten von der Entwicklung im Internet-Geschäft enttäuscht. Merrill Lynch etwa stufte die Aktie daraufhin von "Buy" auf "Neutral" herab.
Mehr als vorsichtig schaut auch Ford in die Zukunft. Der zweitgrösste Autohersteller der Welt gab erstmals in den vergangenen neun Jahren seinen zweiten Quartalsverlust in Folge bekannt. Danach weitete sich der Quartalsverlust je Aktie exklusive einmaliger Sonderposten auf $ 0,28 aus. Zudem warnte das Unternehmen davor, dass es sich als schwierig gestalte, im kommenden Jahr in die Gewinnzone zurückzukehren. Die US-Wirtschaft stehe weiterhin auf tönernen Füssen. Die zukünftige Nachfrage für Automobile sei daher nur schwer zu prognostizieren, hieß es aus dem Unternehmen.
Chiphersteller setzt auf Zukunft
Ebenfalls mit einem Verlust im laufenden Quartal rechnet Advanced Micro Devices (AMD). Vorher hatte der Chip-Hersteller unter anderem auf Grund des Preiskampfes mit dem Konkurrenten Intel für das dritte Quartal seinen ersten Verlust seit fast drei Jahren bekanntgegeben.
Dieser betrug exklusive einmalige Sonderposten $ 0,28 je Aktie. Dies lag nach der AMD-Gewinnwarnung Anfang dieses Monats im Rahmen der Analysten-Erwartungen. Dennoch, AMD sieht sich nach eigenen Worten für die Zukunft gut gerüstet. Wenn die Nachfrage nach Chips wieder anziehe, sei man gut positioniert, so der Chairman und Chief Executive Officer von AMD Jerry Sanders. Zunächst einmal jedoch erwarten Analysten laut Thomson Financial/First Call für das vierte Quartal einen Verlust je Aktie von $ 0,21.
Microsoft gewinnt
Es gab aber auch positive Nachrichten, unter anderem von Microsoft. Der Software-Riese legte einen Quartalsgewinn je Aktie exklusive Sonderposten von $ 0,43 vor und lag damit über den Erwartungen der Analysten. Das Unternehmen sagte, dass der 11. September keine grossen Auswirkungen auf das Geschäft hatte. Allerdings betonte Microsoft, dass es schwer sei, die zukünftige Geschäftsentwicklung zu prognostizieren.
So langsam flauen die Quartalsberichte der S&P-500-Unternehmen ab. Dennoch gibt es noch Zahlen, die mit Spannung erwartet werden. Dazu zählen wohl die von JDS Uniphase am heutigen Donnerstag. Man rechnet hier mit einem Verlust von $ 0,03 je Wertpapier. Am kommenden Dienstag dann legt Procter & Gamble das Buch offen. Analysten prognostizieren einen Gewinn je Aktie von $ 0,94.