Genügend Raum vorhanden
Eine Zinssenkung der EZB in der kommenden Woche scheint eine abgemachte Sache. Doch hilft das Konjunktur und Finanzmärkten auf die Sprünge?
Frankfurt - Am Donnerstag ist wieder Raum in Frankfurt. Einerseits ganz konkret. Denn die Dresdner Bank wird ihren neuen gläsernen Turm einweihen, der den Namen Galileo trägt. Damit wird sich das Platzangebot für die Bankenbranche am Main noch einmal deutlich erhöhen - obwohl schon jetzt ein immenser Leerstand an Büroflächen herrscht.
Doch während Gerhard Schröder die Inaugurationsrede für den neuen Geldpalast halten wird, wird einen Steinwurf entfernt fast gleichzeitig auch EZB-Chef Wim Duisenberg Raum finden - allerdings im übertragenen Sinne. Er dürfte "Raum für eine Zinssenkung" ausmachen. In der vergangenen Woche hatte schon Otmar Issing, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, eben jenen Raum für eine geldpolitische Lockerung entdeckt. Der Kursanstieg des Euro gebe dafür den notwendigen Spielraum.
"Die Eurostärke seit letzten September entsprach einer Zinserhöhung um 1,5 Prozent", erklärt auch Andrew Garthwaite von Crédit Suisse First Boston, "dagegen wurden die Zinsen nur um 25 Basispunkte gesenkt." Er rechnet daher mit einem deutlichen Zinsschritt nach unten.
Dem pflichten auch die Analysten der DZ Bank bei. Sie rechnen in ihrem Wochenausblick, wie inzwischen die meisten Beobachter, mit einer Senkung um 50 Basispunkte auf 2,0 Prozent. "Mit einem großen Schritt signalisiert die Notenbank ihre Fähigkeit, entschlossen zu handeln, falls es die Umstände erfordern", glauben die DZ-Bank-Experten.
Die Umstände sind schwache Konjunkturdaten und ein rückläufiger Preisauftrieb. Am selben Tag, da die EZB zu ihrer Zinsentscheidung zusammenkommt, wird das Bruttoinlandsprodukt für Euroland bekannt gegeben werden. Es dürfte aller Voraussicht nach bei null Komma null liegen. Stagnation also. Die Inflation dagegen dürfte im Mai in Euroland unter zwei Prozent gefallen sein. Bis zum Ende des Jahres rechnet CSFB-Experte Garthwaite sogar mit einer Rate zwischen 1,3 und 1,5 Prozent. In Deutschland, das schon jetzt nur noch eine Inflationsrate von 0,7 Prozent aufweist, könnten die Preise dann sogar sinken. Deflation also.
Kein Wunder also, dass vor allem aus Deutschland und Frankreich in den vergangenen Wochen der Duck auf die EZB verstärkt wurde, durch eine weitere Zinssenkung der Wirtschaft neue Impulse zu geben. Gleichzeitig verringert sich mit einer Zinssenkung der Abstand zum Zinssatz der Fed in den USA. Damit verliert eine Anlage in Euro an Attraktivität und der Kursanstieg des Euro könnte gebremst werden. Damit würde viel Druck von den exportorientierten Unternehmen hier zu Lande genommen.
Die meisten Experten gehen sogar davon aus, dass diese Zinssenkung der EZB nicht die letzte in diesem Jahr war. Joachim Fels von Morgan Stanley rechnet in der zweiten Jahreshälfte mit einem weiteren Schritt um 25 Basispunkte nach unten. "Und wir sehen nicht, dass die Sätze vor Mitte nächsten Jahres wieder ansteigen könnten", so Fels.
An diesem Szenario könnte sich nur etwas ändern, falls die Konjunkturdaten in den kommenden Wochen besser ausfallen als erwartet. Eine erste Tendenz werden die Einkaufsmanagerindices erkennen lassen, die in der kommenden Woche veröffentlicht werden. Auf beiden Seiten des Atlantiks dürfte sich die Stimmung ein wenig aufgehellt haben, allerdings dürften die Daten weiterhin deutlich unter 50 Indexpunkten liegen, der Trennmarke zwischen Konjunkturaufschwung und -abschwung. Auch der Arbeitsmarktbericht aus den USA, der am Freitag folgt, dürfte kein Ende der konjunkturellen Schwierigkeiten einläuten. Die meisten Experten gehen von einem weiteren leichten Anstieg der Zahl der Arbeitslosen aus.
Doch manchmal sind Alltagsbeobachtungen viel ergiebiger als nackte Statistiken. Wenn Gerhard Schröder und Wim Duisenberg am Donnerstag durch die Frankfurter Einkaufstraße Zeil schlendern würden, könnten sie sehen, dass einige Geschäfte, die seit Monaten leer standen, nun wieder vermietet sind. Verkaufsraum scheint wieder attraktiver zu werden - ein gutes Zeichen. fhs
Eine Zinssenkung der EZB in der kommenden Woche scheint eine abgemachte Sache. Doch hilft das Konjunktur und Finanzmärkten auf die Sprünge?
Frankfurt - Am Donnerstag ist wieder Raum in Frankfurt. Einerseits ganz konkret. Denn die Dresdner Bank wird ihren neuen gläsernen Turm einweihen, der den Namen Galileo trägt. Damit wird sich das Platzangebot für die Bankenbranche am Main noch einmal deutlich erhöhen - obwohl schon jetzt ein immenser Leerstand an Büroflächen herrscht.
Doch während Gerhard Schröder die Inaugurationsrede für den neuen Geldpalast halten wird, wird einen Steinwurf entfernt fast gleichzeitig auch EZB-Chef Wim Duisenberg Raum finden - allerdings im übertragenen Sinne. Er dürfte "Raum für eine Zinssenkung" ausmachen. In der vergangenen Woche hatte schon Otmar Issing, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, eben jenen Raum für eine geldpolitische Lockerung entdeckt. Der Kursanstieg des Euro gebe dafür den notwendigen Spielraum.
"Die Eurostärke seit letzten September entsprach einer Zinserhöhung um 1,5 Prozent", erklärt auch Andrew Garthwaite von Crédit Suisse First Boston, "dagegen wurden die Zinsen nur um 25 Basispunkte gesenkt." Er rechnet daher mit einem deutlichen Zinsschritt nach unten.
Dem pflichten auch die Analysten der DZ Bank bei. Sie rechnen in ihrem Wochenausblick, wie inzwischen die meisten Beobachter, mit einer Senkung um 50 Basispunkte auf 2,0 Prozent. "Mit einem großen Schritt signalisiert die Notenbank ihre Fähigkeit, entschlossen zu handeln, falls es die Umstände erfordern", glauben die DZ-Bank-Experten.
Die Umstände sind schwache Konjunkturdaten und ein rückläufiger Preisauftrieb. Am selben Tag, da die EZB zu ihrer Zinsentscheidung zusammenkommt, wird das Bruttoinlandsprodukt für Euroland bekannt gegeben werden. Es dürfte aller Voraussicht nach bei null Komma null liegen. Stagnation also. Die Inflation dagegen dürfte im Mai in Euroland unter zwei Prozent gefallen sein. Bis zum Ende des Jahres rechnet CSFB-Experte Garthwaite sogar mit einer Rate zwischen 1,3 und 1,5 Prozent. In Deutschland, das schon jetzt nur noch eine Inflationsrate von 0,7 Prozent aufweist, könnten die Preise dann sogar sinken. Deflation also.
Kein Wunder also, dass vor allem aus Deutschland und Frankreich in den vergangenen Wochen der Duck auf die EZB verstärkt wurde, durch eine weitere Zinssenkung der Wirtschaft neue Impulse zu geben. Gleichzeitig verringert sich mit einer Zinssenkung der Abstand zum Zinssatz der Fed in den USA. Damit verliert eine Anlage in Euro an Attraktivität und der Kursanstieg des Euro könnte gebremst werden. Damit würde viel Druck von den exportorientierten Unternehmen hier zu Lande genommen.
Die meisten Experten gehen sogar davon aus, dass diese Zinssenkung der EZB nicht die letzte in diesem Jahr war. Joachim Fels von Morgan Stanley rechnet in der zweiten Jahreshälfte mit einem weiteren Schritt um 25 Basispunkte nach unten. "Und wir sehen nicht, dass die Sätze vor Mitte nächsten Jahres wieder ansteigen könnten", so Fels.
An diesem Szenario könnte sich nur etwas ändern, falls die Konjunkturdaten in den kommenden Wochen besser ausfallen als erwartet. Eine erste Tendenz werden die Einkaufsmanagerindices erkennen lassen, die in der kommenden Woche veröffentlicht werden. Auf beiden Seiten des Atlantiks dürfte sich die Stimmung ein wenig aufgehellt haben, allerdings dürften die Daten weiterhin deutlich unter 50 Indexpunkten liegen, der Trennmarke zwischen Konjunkturaufschwung und -abschwung. Auch der Arbeitsmarktbericht aus den USA, der am Freitag folgt, dürfte kein Ende der konjunkturellen Schwierigkeiten einläuten. Die meisten Experten gehen von einem weiteren leichten Anstieg der Zahl der Arbeitslosen aus.
Doch manchmal sind Alltagsbeobachtungen viel ergiebiger als nackte Statistiken. Wenn Gerhard Schröder und Wim Duisenberg am Donnerstag durch die Frankfurter Einkaufstraße Zeil schlendern würden, könnten sie sehen, dass einige Geschäfte, die seit Monaten leer standen, nun wieder vermietet sind. Verkaufsraum scheint wieder attraktiver zu werden - ein gutes Zeichen. fhs
