G. Heller: Besseres Börsenwetter in Aussicht!


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G. Heller: Besseres Börsenwetter in Aussicht!

 
13.08.01 12:18
Die Aussichten für ein besseres Börsenwetter sind gut

Je schwächer die Wirtschaft, desto tiefer die Zinsen der Notenbanken und großzügiger allerlei Geldspenden - Kolumne

Von Gottfried Heller

Fallende Börsenkurse, schlechte Wirtschaftsdaten, steigende Arbeitslosigkeit: Hiobsbotschaften allerorten. Einem Lagebericht der amerikanischen Notenbank zufolge ist das Wachstum in den USA immer noch schwach. Die Bank von England hat zunehmende Konjunktursorgen geäußert, und erstmals hat auch die Europäische Zentralbank Zweifel an ihrer bisherigen Wachstumsprognose angemeldet. Auch in Deutschland werden die Prognosen laufend nach unten revidiert.
Kanzler Schröder hat eingeräumt, dass er sein Ziel einer Senkung der Arbeitslosigkeit unter 3,5 Millionen wohl nicht erreichen werde. Seine Politik der "ruhigen Hand" wird bereits als ein Synonym für das von seinem Vorgänger praktizierte Aussitzen verstanden, und es geht wieder das Wort vom "Stillstandort Deutschland" um.

Das sind alles gute Nachrichten für einen Börsianer: Je schwächer die Wirtschaft, desto tiefer werden die Notenbanken die Zinsen senken und desto stärker werden sie den Geldhahn aufdrehen. Die großzügigen Geldspenden beflügeln immer zuerst die Börse, bevor sie Monate später auch der Wirtschaft Auftrieb geben.

Weitere guten Nachrichten kommen von der Inflationsfront. In den USA sind die Produzentenpreise so stark gesunken wie seit 1993 nicht mehr. Auch in Deutschland ist die Inflationsrate im Juli deutlich auf 2,6 Prozent gefallen. Der Ölpreis pendelt sich nach dem Anstieg auf 30 Dollar bei 25 Dollar ein. Dies dämpft nicht nur die Inflation, sondern lässt den Konsumenten mehr Geld in der Tasche für andere Ausgaben. In den USA läuft zudem gerade eine riesige Steuerrückerstattungsaktion: Insgesamt werden bis September rund 40 Mrd. Dollar in die US-Haushalte fließen. Es ist anzunehmen, dass dieser Geldsegen vorwiegend dem Konsum zugute kommen wird.

In den vergangenen Monaten wurde die Industrieproduktion gedrosselt, und das Personal und die Lagerbestände besonders im Technologiebereich wurden drastisch reduziert. Alles in allem ist der Bereinigungsprozess nach einem zehnjährigen Konjunkturaufschwung schon weit fortgeschritten, so dass bald mit besseren Gewinnzahlen aus den Unternehmen zu rechnen ist. Es könnte gut sein, dass das zweite Quartal mit einem mickrigen Wachstum von nur 0,7 Prozent das schwächste war in diesem Jahr.

Trotzdem fallen die Börsenkurse und mit ihnen auch das Stimmungsbarometer immer tiefer. Ganz besonders in Deutschland, ausgelöst durch den Absturz der T-Aktie auf den tiefsten Stand seit drei Jahren. Ausländische Investoren, die durch den Aktientausch beim Erwerb der amerikanischen Voicestream große Pakete von Deutsche Telekom erhielten, luden ihre Aktien ab. Noch am Montag hatte die Deutsche Bank in einer Studie die T-Aktie auf ein Kursziel von 31 Euro hochgelobt, was auch prompt zu einem Kursanstieg auf über 24 Euro führte. Nur einen Tag danach verkaufte sie 44 Millionen Aktien für einen unbekannten Großaktionär und schickte den Kurs auf Talfahrt. Nur dumm gelaufen, oder steckt System dahinter? Jedenfalls ist es der Deutschen Bank in einem Rundumschlag gelungen, Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit und Professionalität aufkommen zu lassen, das Vertrauen von Millionen deutschen Anlegern zu beschädigen und die Aktienanlage in Misskredit zu bringen.

Doch Stimmungen an der Börse wechseln schnell. Bei aller Paranoia, die an der Börse herrscht, obsiegt letztlich eine noch größere Macht: die Macht des Faktischen. Und die Fakten sprechen dafür, dass bald weitere Zinssenkungen kommen werden - in den USA und in Euroland - und dass sich unter der Decke die Kräfte für einen neuen Konjunkturaufschwung sammeln.

Anfang Juni schrieb ich an dieser Stelle, den Märkten drohe ein Sommergewitter. Dieses hat nun stattgefunden. Die Aussichten für ein freundlicheres Börsenwetter sind jetzt sehr gut.

Gottfried Heller ist Fondsmanager und Chef der Fiduka Depotverwaltung



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