Netflix-Crash: Aktie stand zuletzt 2024 so tief – wie sollten Anleger reagieren?

Markus Weingran Markus Weingran
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Markus Weingran ist seit mehr als 20 Jahren als Kapitalmarkt-Stratege und Aktien-Experte aktiv. Geprägt durch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Finanzexperten Hans A. Bernecker verfolgt er einen klaren Anspruch: in jeder Börsenphase das Beste für Anleger herauszuholen. Weitere Einschätzungen und Trading-Ideen teilt er auch täglich in der wallstreetONLINE Börsenlounge auf YouTube.

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Netflix mit stärkstem Kursverlust seit 4 Jahren
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Netflix lieferte solide Zahlen und stürzte trotzdem so stark ab wie seit vier Jahren nicht mehr. Analysten bleiben optimistisch, senken aber ihre Kursziele. Lohnt sich jetzt der Einstieg – oder droht noch mehr Ungemach?
Für dich zusammengefasst:
Hinweis

Die Netflix-Aktie ist nach den Quartalszahlen so stark eingebrochen wie seit mehr als vier Jahren nicht mehr. Zum Start in die neue Woche steht der Kurs auf dem niedrigsten Stand seit Oktober 2024. Dabei hat der Streaming-Konzern im zweiten Quartal operativ solide geliefert. Das eigentliche Problem liegt im Ausblick und in der Frage, ob die neue Strategie langfristig aufgeht.

Netflix steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 13,4 Prozent auf 12,6 Milliarden US-Dollar. Der operative Gewinn legte um 11,1 Prozent auf 4,19 Milliarden US-Dollar zu. Das Ergebnis je Aktie erhöhte sich von 0,72 auf 0,80 US-Dollar. Damit traf der Konzern die Erwartungen der Wall Street weitgehend.

Eine deutliche Enttäuschung lieferte jedoch der freie Cashflow. Dieser sank um 33 Prozent auf 1,53 Milliarden US-Dollar. Analysten hatten mit 2,72 Milliarden US-Dollar gerechnet.

Schwacher Ausblick verschreckt die Wall Street

Werte aus dem Artikel:
Netflix Aktie 63,99 € +0,44%

Noch schwerer wiegt die Prognose für das laufende Quartal. Netflix erwartet einen Umsatz von 12,9 Milliarden US-Dollar und ein operatives Ergebnis von 4,27 Milliarden US-Dollar. Die operative Marge soll bei 33,2 Prozent liegen. Die Erwartungen der Analysten lagen jeweils etwas höher.

Damit droht sich das Umsatzwachstum erneut abzuschwächen. Finanzchef Spencer Neumann warnt allerdings davor, die Entwicklung einzelner Quartale überzubewerten. Netflix konzentriere sich auf nachhaltig steigende Umsätze und Gewinne. Wachstum sollen weiterhin mehr zahlende Mitglieder, höhere Preise und steigende Werbeeinnahmen liefern.

Das Unternehmen sieht noch erhebliches Potenzial. Netflix erreicht nach eigener Einschätzung bislang nur rund 45 Prozent seines adressierbaren Marktes und steht für lediglich fünf Prozent der weltweiten Fernsehnutzung.

Wachstum verlagert sich in günstigere Märkte

Das stärkste Wachstum erzielt Netflix inzwischen außerhalb seiner etablierten Kernmärkte. In Nordamerika legte der Umsatz um zehn Prozent zu. Europa kam auf 14 Prozent. Lateinamerika wuchs um 21 Prozent und die Region Asien-Pazifik um 16 Prozent.

Gerade in den wachstumsstarken Regionen ist die Zahlungsbereitschaft jedoch geringer. Netflix muss dort mit günstigeren Tarifen um neue Kunden kämpfen. Das werbefinanzierte Abonnement gewinnt deshalb an Bedeutung. Es soll niedrige Abopreise durch zusätzliche Werbeerlöse ausgleichen.

In den Vereinigten Staaten setzt Netflix dagegen weiter auf Preiserhöhungen. Das Standardabonnement ohne Werbung kostet inzwischen 19,99 US-Dollar im Monat. Für das Premiumangebot werden 26,99 US-Dollar fällig. Nach Angaben des Managements haben die Kunden die höheren Preise bislang weitgehend akzeptiert.

Teure Wette auf Live-Sport

Netflix will sich künftig nicht mehr allein auf Serien und Filme verlassen. Live-Sport, Konzerte, Videopodcasts, Spiele und Inhalte von Creatorn sollen neue Zielgruppen ansprechen und die Nutzungsdauer erhöhen.

Die Strategie ist jedoch teuer. Netflix plant für 2026 Content-Ausgaben von rund 20 Milliarden US-Dollar. Etwa fünf Prozent des Budgets fließen in Live-Inhalte. Diese stehen bislang aber nur für rund ein Prozent der gesamten Nutzungszeit.

Das Unternehmen hält dennoch an der Strategie fest. Sechs der zehn stärksten Tage für Neuanmeldungen in den vergangenen fünf Jahren entfielen nach Angaben des Managements auf Live-Veranstaltungen. Gleichzeitig sollen solche Inhalte das Werbegeschäft stärken.

Ob sich die hohen Kosten langfristig rechnen, ist offen. Sportrechte lassen sich im Gegensatz zu erfolgreichen Serien kaum über viele Jahre hinweg erneut vermarkten.

Analysten bleiben optimistisch, senken aber ihre Ziele

Trotz des Kurseinbruchs halten mehrere Analysten an ihren Kaufempfehlungen fest. Wedbush senkte das Kursziel von 118 auf 105 US-Dollar. UBS reduzierte seine Prognose von 130 auf 115 US-Dollar. HSBC kappte das Ziel von 104 auf 96 US-Dollar. Oppenheimer ging besonders deutlich nach unten und sieht die Aktie nun bei 85 statt zuvor 100 US-Dollar.

Die positiven Einschätzungen zeigen, dass die Wall Street das Geschäftsmodell grundsätzlich weiterhin für stark hält. Die sinkenden Kursziele machen jedoch deutlich, dass die Erwartungen an das weitere Wachstum vorsichtiger werden.

Netflix-Aktie vorerst meiden

Netflix bleibt der weltweit führende Streaming-Anbieter und verfügt über eine starke Marke, Preissetzungsmacht und zusätzliche Chancen im Werbegeschäft. Die Konkurrenz wird jedoch nicht kleiner. Neben Disney und Paramount Skydance kämpfen auch YouTube und TikTok um die Aufmerksamkeit der Zuschauer.

Zudem muss Netflix erst beweisen, dass die kostspielige Expansion in Live-Sport und andere neue Formate tatsächlich dauerhaft höhere Umsätze und Gewinne bringt. Der schwächere Ausblick, der überraschende Rückgang des freien Cashflows und die sinkende Transparenz sorgen kurzfristig für weitere Unsicherheit.

Solange sich die Stimmung am Markt nicht wieder aufhellt und die Aktie keinen stabilen Boden findet, sollten Anleger vorerst an der Seitenlinie bleiben.

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Redaktion Ariva/MW


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