Weiter Warten auf Greenspan
11. Dez. 2001 Etwas schwächere Eröffnung am deutschen Aktienmarkt erwartet
Die europäischen Börsen dürften nach den Kursverlusten in den USA und den schwächeren Kursen in Japan zunächst verhalten bis leichter eröffnen. So könnten sich leichte Gewinnmitnahmen bei den in letzter Zeit gut gelaufenen Titeln fortsetzen bis der amerikanische Notenbankpräsident Alan Greenspan sich am Abend über seine Erwartungen an die weitere Entwicklung der Konjunktur geäussert hat. Sollte er sich positiv äussern, dürften die Börsen freundlich reagieren, während die Rentenmärkte schwächer tendieren könnten.
Bund-Future dürfte sich wenig bewegen
Die Rentenmärkte dürften sich zunächst an der Entwicklung der Börsen orientieren. Sollten die freundlich tendieren, sich halten oder nur leicht zur Schwäche neigen, dann sollte nicht zu viel Bewegung aufkommen. Nur falls die Aktien zur Schwäche neigen sollten, könnten sich die Renten von den Kursverlsuten der vergangenen Tagen etwas erholen.
Euro in Asien etwas fester
Etwas fester notiert der Euro am Dienstagnachmittag (Ortszeit) in Tokio. Um 6.51 Uhr MEZ kostet ein Euro 0,8912 Dollar nach 0,8849 am Montagabend in New York. Zum Yen notiert der Dollar mit 125,97 Yen nach 126,11 Yen im späten New Yorker Handel am Vorabend. Im Handelsverlauf hatte der Dollar gegen den Yen ein Acht-Monats-Hoch erzielt.
Aktien in Tokio schließen schwächer
Schwächer haben die Aktienkurse am Dienstag in Tokio den Handel beendet. Der Nikkei-225-Index verlor 0,9 Prozent 10.473,91 Yen. Der Topix sank um gleichfalls 0,9 Prozent auf 1.014,69 Yen. Vor allem computerbezogene Werte standen im Topix unter Druck. Sony gab 3,3 Prozent auf 5.830 Yen nach, aber auch Toshiba verloren 4,3 Prozent auf 493 Yen. Dagegen stiegen Pharmawerte. So konnten Chugai Pharmaceuticals 14,1 Prozent auf 1.728 Yen zulegen, nachdem Roche bekannt gegeben hatte, eine für 155 Milliarden Yen eine Mehrheitsbeteiligung zu erwerben.
Aktien Hongkong am Mittag leichter
Leichter tendieren die Aktienkurse am Dienstagmittag (Ortszeit) in Hongkong. Der Hang-Seng-Index (HSI) verliert zum Ende der ersten Sitzungshälfte 0,7 Prozent auf 11.702,73 Zähler. Verluste verzeichne vor allem der Immobiliensektor, der den Markt ins Minus ziehe, sagen Händler. Zu den Kursgewinnern zählten die Versorgungswerte, die vom lebhaften Kaufinteresse der Fonds profitierten. Die für diesen Dienstag erwartete Zinsentscheidung der US-Notenbank werde den Markt kaum beeinflussen. Wichtiger sei der Ausblick, den die Fed für die US-Konjunktur gebe, heißt es am Markt.
Neuigkeiten und Kursbewegungen nach Börsenschluss
Nachbörslich stiegen die Aktien des Kleidungsherstellers Jones Apparel von 32,90 Dollar auf 43,67 Dollar. Ursache dürfte die Aufnahme in den S&P 500 Index sein. Dort wird die Aktie Homestake Mining ersetzen, die von Barrick Gold übernommen worden und bereits im Index enthalten ist. Die Papiere von des Stromerzeugers Calpine Power stiegen von 17,79 Dollar auf 18,50 Dollar, nachdem Vorstand Peter Cartright Vergleiche mit dem insolvent gewordenen ehemaligen Konkurrenten Enron als lächerlich bezeichnet hatte. Dagegen fielen die Papiere des Papierproduzenten Willamette um 2,43 Dollar auf 43,97 Dollar, nachdem das Unternehmen angekündigt hatte, entsprechende Aktivitäten der Georgia-Pacific Group übernehmen zu wollen. Willamette selbst steht durch ein feindliches Übernahmeangebot vom Rivalen Weyerhaeser unter Druck.
Wall Street schließt schwach - HP und Compaq unter Druck
Mit schwachen Kursen sind die US-Aktien an der Wall Street am Montag aus der Sitzung gegangen. Der Dow Jones fiel um 1,3 Prozent auf 9.921,45 Zähler und schloss damit nach einer Woche wieder unter der Marke von 10.000 Punkten. Die Nasdaq büßte 1,4 Prozent auf 1.992,12 Punkte ein.
In einem relativ ruhigem Handel vor der Zinsentscheidung am Dienstag sind die Kurse der meisten Aktien zurückgekommen. Marktbeobachter meinten, einige Investoren hätten nicht mehr so viel Zuversicht wie jüngst in eine schnelle Erholung der US-Konjunktur.
Am Berichtstag gaben vor allem konjunktursensitive Titel aus dem zyklischen Bereich nach, die in den vergangenen Tagen von der Rally am meisten profitiert hatten. Unter den Blue-Chips rutschten Home Depot um 2,3 Prozent auf 48,26 Dollar. General Motors sanken um 2,4 Prozent auf 50,34 Dollar und Caterpillar um 2,2 Prozent auf 50,01 Dollar. Minnesota Mining & Manufacturing (3M) büßten 2,3 Prozent auf 115,59 Dollar ein. Gegen die Verluste halfen auch keine optimistischen Meldungen zu den Gewinnaussichten. So hat der neue CEO von General Electric, Jeffrey Immelt, in einem internen Memorandum an die Mitarbeiter gesagt, dass die Prognosen mit einem zweistelligen Gewinnwachstum eingehalten würden. Dennoch verbilligten sich General Electric um 0,9 Prozent auf 36,80 Dollar.
Die schlechten Aussichten hinsichtlich ihrer Fusion ließen Compaq Computer und Hewlett-Packard nach unten rutschen. Während Compaq kräftig um 14,3 Prozent auf 9,70 Dollar nachgaben, hielten sich Hewlett-Packard, die zu Beginn noch im Plus notiert hatten, mit einem Abschlag von 2,2 Prozent auf glatt 23 Dollar noch relativ passabel. Hintergrund sei die Annahme gewesen, dass HP noch am ehesten von den beiden auch allein weiterexistieren könne, hieß es.
An der Nasdaq gehörten JDS Uniphase zu den größten Verlierern, nachdem der Hersteller von Netzwerk-Komponenten mitgeteilt hatte, dass er im laufenden Quartal mit einem Umsatzrückgang um zehn bis 15 Prozent zum Vorquartal rechnet, und sich diese Entwicklung auch noch im kommenden Quartal fortsetzen dürfte. Die Papiere gaben daraufhin um 5,5 Prozent auf 9,95 Dollar nach. Der Halbleiterbereich zeigte sich ebenfalls belastet, weil Merrill Lynch in einer Studie keine der 30 beobachteten Halbleiter-Aktien momentan für günstig bewertet hält. So fielen die heruntergestuften Atmel um 3,5 Prozent auf 8,56 Dollar und Applied Micro um 2,9 Prozent auf 13,13 Dollar.
US-Anleihen schließen fester
Mit festeren Notierungen haben sich die US-Anleihen am Montag im späten Geschäft in New York präsentiert. Zehnjährige Papiere mit einer Zinsausstattung von fünf Prozent gewannen 15/32 auf 99-7/32. Die Rendite fiel damit von 5,161 auf 5,098 Prozent. Der Longbond mit einem Kupon von 5-3/8 Prozent stieg um 17/32 auf 97-10/32 und gab von 5,602 auf 5,559 Prozent nach. Tagesgeld ging mit 1-7/8 Prozent um. Am Markt habe es ein Boden-Fischen gegeben, hieß es. Nach Käufen in Japan und frühen Verlusten in den USA habe es eine erneute Kaufrunde gegeben, sagte Andy Brenner, Händler bei Investec Ernst. Zur Begründung wurde in erster Linie auf die schwachen Aktienmärkte verwiesen.
Zudem hätten die Verluste der vergangenen drei Handelstage eine Erholung nahegelegt, meinten Analysten. “Angesichts der Aufwärtsbewegung von 100 Basispunkten bei der Rendite der 10-jährigen ist eine Gegenbewegung das mindeste was passiert“, sagte Corey Redfield, Analyst bei US Bancorp Piper Jaffray. Im November hat die 10-jährige den größten Kursabschlag seit Anfang 1987 hinnehmen müssen, fügte er hinzu. Für den Dienstag wird weithin mit einer Senkung der US-Zinsen zum 25 Basispunkten gerechnet. Angesichts der schlechten Arbeitsmarktdaten gibt es sogar Stimmen, die mit einem weiteren Zinsschritt nach unten für Ende Januar rechnen. Viele dürften deshalb den Bias des Offenmarktausschuss interessanter finden als den Zinsschritt selbst.
Medienschau
11. Dez. 2001
Unternehmensnachrichten
Fiat restrukturiert
Mit sofortiger Wirkung wird der Autochef Roberto Testore durch Giancarlo Boschetti ersetzt. Mit einem umfassenden Sanierungsprogramm soll die hoch defizitäre und hoch verschuldete Autosparte saniert weden. Dazu werden 6.000 Arbeitsplätze abgebaut und 18 Werke geschlossen. (FT, S.1)
Anhaltender Auftragsrückgang bei MAN
Bei der MAN sinken die Auftragseingänge seit August unvermindert. Mit neun Prozent bezifferte Vorstandsvorsitzender Rudolf Rupprecht das Minus bis Ende November. Im Juli lag MAN noch im Plus. “Wir müssen uns sicher anstrengen, für das Gesamtjahr die Prognose eines Rückgangs um 7,5 Prozent auf 15,5 Milliarden Euro einzuhalten, sagte Rupprecht. Seit dem 11. September blieben in den Maschinen- und Anlagenbausparten viele Großaufträge aus. Alle großen Abnehmerbranchen hätten große Investitionsentscheidungen verschoben. (Frankfurter Allgemeine Zeitung, S. 18)
Mobilcom im Abwehrkampf
Firmenchef Gerhard Schmid will Großaktionär Fance Telecom mit Hilfe neuer Investoren die Komplettübernahme erschweren. Neben einem Investor, der bereits fünf Prozent der Mobilcom-Aktien hält, hat der New Yorker Investor Guy Wyser-Pratte 1,1 Prozent erworben. (FTD, S. 7)
Jean Pascale mit Umsatz- und Gewinnwarnung
Der Jean Pascale Konzern musste in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres entgegen der Planung einen Umsatzrückgang in Höhe von minus fünf Prozent verkraften. Der Vorstand geht davon aus, dass der Jean Pascale Konzern auch im 4. Quartal die Umsätze des Vorjahres nicht erreichen wird. Das Jahresergebnis wird sich gegenüber dem Ergebnis des Septembers 2001 nicht verbessern. (Ad-hoc)
Regierung schließt den Verkauf von Korea Telecom ab
Die koreanische Regierung wird den geplanten Verkauf von elf Prozent an Korea Telecom noch in diesem Monat an mehrere ausländische Investoren umsetzen, sagte Chief Executive Lee Sang. Im kommenden Jahr sollen dann bis zu 30 Prozent an inländische Anleger veräussert werden. (Bloomberg)
Wirtschaftsnachrichten
Peffekoven fordert moderate Lohnpolitik
Rolf Peffekoven, ehemaliges Mitglied des Rates der Fünf Weisen und Direktor des Instituts für Finanzwissenschaft an der Universität Mainz, hält wenig von einer Politik der ruhigen Hand. Er fordert glaubwürdige Konzepte und geeignete Rahmenbedingungen, damit die Wirtschaft im nächsten Jahr wieder auf die Beine kommt. Hohe Bedeutung für eine wirtschaftliche Wiederbelebung käme nach Peffekoven auch der Fortführung einer moderaten Lohnpolitik zu. (FAZ.NET)
Wirtschaftsproduktion in China verlangsamt sich
Die chinesische Wirtschaftsproduktion hat die geringste Wachstumsgeschwindigkeit der vegangenen zehn Monate. Die nachlassende Nachfrage nach Telefonsausrüstung und Fernsehgeräten wirke sich auf die sich weltweit bisher noch am besten entwickelnde Volkswirtschaft aus. Die Produktion stieg im November um 7,9 Prozent. Im Oktober war sie noch mit 8,8 Prozent gewachsen. (Bloomberg)