19. Dezember 2002 Deutlich im Minus ging der Dax am Mittwoch aus dem Handel. Nach zwei enttäuschend verlaufenen Sitzungen winkt dem Börsenbarometer am Donnerstag zumindest zunächst aber etwas Unterstützung aus den USA. Denn dort sind die nachbörslich veröffentlichten Quartalszahlen von Oracle auf ein positives Echo gestoßen. Wie lange der erhoffte Schwung vorhält, wird sich aber erst noch zeigen müssen. Denn wie der erneut gestiegene Goldpreis demonstriert, bestimmt unverändert die Angst vor einem Irak-Krieg die Denkweise der Anleger.
Anleihen vor Verschnaufpause
Sollte der Aktienmarkt am Donnerstag wie erhofft zu einer kleinen Gegenbewegung ansetzen, dann rechnen Händler im Gegenzug am Rentenmarkt mit einer Verschnaufpause. Nach den jüngsten Gewinnen dürfte der nur wenig entfernt vom November-Hoch notierende Bund-Future erst einmal durchatmen, wenngleich grundsätzlich die Stimmung nicht zuletzt wegen der vorherrschenden Kriegsangst günstig für den Terminkontrakt bleibe.
Euro knapp behauptet
Knapp behauptet zeigt sich der Euro am Donnerstagmorgen. Gegen 7.25 Uhr kostet ein Euro 1,0256 Dollar nach 1,0264 Dollar am Mittwochabend in New York. Zum Yen notiert die US-Währung mit 121,14 Yen nach 121,08 Yen. Im Devisenhandel konzentriere sich derzeit alles auf die offene Kriegsfrage gegen den Irak, heißt es. Erst wenn sich hier definitiv eine Entscheidung abzeichne, sei wieder mit neuem Schwung zu rechnen.
Börse Japan etwas fester
Angeführt von deutlichen Gewinnen im Bankensektor hat der Tokioter Aktienmarkt am Donnerstag zu Handelsschluss ins Plus gedreht, nachdem er zuvor über weite Strecken Verluste verbucht hatte. Der Nikkei-225-Index gewann am Ende 0,5 Prozent auf 8.388 Punkte, nachdem er zwischenzeitlich auf ein neues 20-Jahrestief abgerutscht war. Der marktbreitere Topix-Index stieg um 0,9 Prozent auf 823 Zähler. Von einer Wende zum Besseren will unter den Marktteilnehmern aber noch niemand sprechen.
Aktien Hongkong am Mittag leichter
Mit einer leichteren Tendenz präsentieren sich die Aktienkurse an der Börse in Hongkong am Donnerstagmittag (Ortszeit). Zum Ende der ersten Sitzungshälfte verliert der Hang-Seng-Index (HSI) 0,7 Prozent auf 9.482 Punkte. Die US-Wirtschaft zeige keine klaren Erholungstendenzen, und zusätzlich drohe eine militärische Auseinandersetzung im Irak, erklärt ein Händler von CEF Brokerage. Er sieht eine nächste Unterstützung für den HSI bei 9.400 Punkten. Die Telekommunikationswerte führen die Liste der Verlierer an: China Unicom geben 2,7 Prozent ab, und China Mobile verbilligen sich um 1,1 Prozent. CNOOC gewinnen gegen den Trend wegen eines höheren Ölpreises ein Prozent.
Neuigkeiten und Kursbewegungen nach US-Börsenschluss
Beflügelt zeigten sich die Aktienkurse am Mittwoch im nachbörslichen US-Geschäft. Der Nasdaq-100 After Hours Indicator stieg um 0,5 Prozent auf 1.018,75 Punkte. Zu einer kleinen nachbörslichen Rally bei Softwaretiteln hat am Mittwoch das positive Ergebnis von Oracle geführt. Das Unternehmen hat in seinem zweiten Quartal je Aktie 0,10 Dollar verdient und damit mehr als die 0,08 Dollar, die Analysten erwartet hatten. Der CFO von Oracle sagte zudem, er gehe davon aus, dass seine Branche das Schlimmste überstanden habe. Nachbörslich rückte der Titel um 5,2 Prozent auf 11,18 Dollar vor. Im Gefolge von Oracle verbesserten sich Microsoft nachbörslich um 0,3 Prozent auf 53,68 Dollar und Siebel Systems um 3,4 Prozent auf 7,60 Dollar. Auch Palm legten deutlich zu, da das Unternehmen für das zweite Quartal einen Pro-Forma-Gewinn von 0,19 Dollar je Aktie erzielt hat. Im Vorjahr war noch ein Pro-Forma-Verlust von 1,29 Dollar je Aktie verbucht worden. Palm gewannen nachbörslich 9,3 Prozent auf 18,25 Dollar.
Schwache Bilanzen und Kriegsängste drücken US-Börsen
Schwache Quartalszahlen des Halbleiterherstellers Micron haben am Mittwoch an den US-Aktienmärkten Sorgen der Anleger um die Entwicklung der Unternehmensgewinne verstärkt und die Kurse gedrückt. Auch trübe Unternehmensprognosen sowie zunehmende Kriegsängste hätten die Stimmung der Investoren belastet, sagten Händler. Der Dow-Jones-Index fiel zum Handelsschluss um 1,03 Prozent auf rund 8.447 Punkte. Der Nasdaq-Index gab deutlich stärker um 2,19 Prozent auf rund 1.362 Zähler nach, und der breiter gefasste S&P-500-Index verlor 1,31 Prozent auf rund 891 Punkte.
„Ich denke nicht, dass wir schon klar auf dem Weg zu einer Erholung der Konjunktur und der Gewinne sind", sagte Peter Gottlieb, Portfolio Manager bei First Albany Asset Management. „Die Situation im Irak belastet bei allen die Stimmung", sagte Steve Kolano, Aktienhändler bei Mellon Growth Advisors. Die USA werden den Waffenbericht Iraks nach Angaben aus US-Regierungskreisen voraussichtlich als schweren Verstoß gegen die jüngste UNO-Resolution werten. US-Präsident George W. Bush äußerte sich am Mittwoch besorgt über Lücken in Iraks Waffenbericht. Die USA haben dem Land mit einem Militärschlag gedroht, sollte Irak nicht mit der UNO kooperieren.
Micron-Aktien brachen um rund 23 Prozent auf 10,22 Dollar ein und zogen nach Händlerangaben andere Titel der Branche mit nach unten. Der weltweit zweitgrößte Speicherchip-Hersteller hatte am Vorabend nach Börsenschluss mitgeteilt, in den ersten drei Monaten seines Geschäftsjahres sei der Verlust gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Der Konzern begründete dies unter anderem mit dem Rückgang der Chippreise.
„Micron ist vielleicht ein Einzelfall. Er wirft aber die Frage auf, wie die Gewinne wirklich aussehen werden und ob die Erwartungen für das vierte Quartal weiterhin so positiv bleiben", sagte Jeff Kleintop, Investmentstratege bei PNC Advisors. Die Papiere des Chipherstellers Intel fielen um 4,3 Prozent auf 17,13 Dollar. Der Halbleiterindex der Philadelphia Stock Exchange gab rund 7,1 Prozent nach.
Belastend für die Technologiewerte waren nach Händlerangaben auch trübe Prognosen des Videospiele-Konzerns Activision. Das Unternehmen hatte seine Umsatz- und Gewinnerwartungen für das dritte und vierte Quartal unter anderem wegen des schwachen Vorweihnachtsgeschäfts deutlich gesenkt. Die Aktien brachen um rund 19,7 Prozent auf 12,62 Dollar ein. „Wenn Activision mitten im Weihnachtsgeschäft (vor sinkenden Gewinnen) warnt, bedeutet das nichts Gutes für die Software- und Einzelhandelsbranche", sagte Mellon-Growth-Analyst Kolano weiter.
Die Papiere des mit rund sechs Milliarden Dollar verschuldeten Finanzkonzerns Conseco stiegen um zwei Cents oder 56,4 Prozent auf 6,1 Cents. Das Unternehmen hatte zuvor Antrag auf Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Konkursrechts gestellt. Damit erlebt die US-Unternehmenswelt die drittgrößte Insolvenz in ihrer Geschichte nach WorldCom und Enron. Gegen den Trend legten die Aktien von General Mills 2,4 Prozent auf 45,98 Dollar zu. Der Nahrungsmittelkonzern hatte mitgeteilt, der Quartalsgewinn habe sich mehr als verdoppelt.
US-Anleihen schließen fester - Aktienmarkt und Irak treiben
Eine schwache Wall Street und Kriegsfurcht haben am Mittwoch zu kräftigen Aufschlägen bei den Notierungen der US-Anleihen geführt. Zehnjährige Titel mit einer Zinsausstattung von 4,0 Prozent gewannen 19/32 auf 99-20/32 und rentierten mit 4,046 Prozent, nach 4,114 Prozent am Dienstag. Der Longbond mit einem Kupon von 5,375 Prozent stieg um 27/32 auf 106-5/32. Die Rendite ging von 5,014 auf 4,966 Prozent zurück. Die scharfe Kritik des irakischen Waffenberichts durch das Weiße Haus sei vom Markt als Schritt in Richtung Krieg interpretiert worden, hieß es. Hieraus ergebe sich das Bedürfnis nach sicheren Investments, von dem die Anleihen profitierten.
Der Umsatz sei aber gering gewesen, es breite sich eine typische Jahresend-Stimmung aus, sagte ein Händler. Die dünnen Umsätze führten auch leichter zu größerer Bewegung bei den Notierungen, hieß es. Neben den schwachen Aktienmärkten und der weltpolitischen Krise habe auch der Antrag auf Gläubigerschutz durch den Versicherungskonzern Conseco treibend gewirkt. Das niedriger als befürchtete US-Handelsbilanz-Defizit habe die Notierungen kaum belastet. Ein Händler sieht die Zahl eher als Ausnahme und erwartet im Folgemonat wieder ein größeres Defizit.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters.
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Text: @jüb