10. Okt. 2002 Dax dürfte weiter zur Schwäche neigen
Die europäischen Märkte, insbesondere der deutsche, haben zwar in der jüngeren Vergangenheit deutlich stärker an Wert verloren als die Wall Street. Aber nach den starken Verlusten am Mittwoch sowohl an den US-Börsen als auch in Fernost dürften auch die Europäischen weiterhin zur Schwäche neigen.
Bund-Future dürfte von schwacher Börse profitieren
Schwache Börsen sind ein gutes Zeichen für die Rentenmärkte. Denn auf der Suche nach Anlagealternativen streben viele Anleger in diese Richtung, wenn die Aktien fallen. Das darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie sich auf hohem Niveau befinden und damit anfällig sind für Gegenbewegungen.
Euro zum Dollar behauptet
Mit knapp behaupteter Tendenz präsentiert sich der Euro zum US-Dollar am Donnerstag im asiatischen Handel. Um 6.43 Uhr MESZ kostet ein Euro 0,9889 Dollar nach 0,9901 Dollar am Mittwochabend in New York. Zum Yen notiert der Dollar mit 123,63 Yen nach 123,37 Yen am Mittwoch im New Yorker Handel.
Nikkei-Index markiert neues 19-Jahres-Tief
Negative Vorgaben von der Wall Street und die anhaltende Nervosität der Anleger über die Bankenreform in Japan haben Händlern zufolge am Donnerstag den Aktienmarkt in Tokio belastet. Erneut standen vor allem Finanzwerte unter Druck. Der Nikkei-Index fiel im Verlauf um 2,29 Prozent auf 8.343,49 Punkte, konnte sich aber im spteren Handel leicht erholen. Um 7.00 Uhr MEZ liegt der Index mit einem Minus von 1,7 Prozent bei 8.401 Zählern.
Aktien Hongkong mittags sehr schwach
Mit zunehmender Unsicherheit über die Quartalergebnisse der US-Unternehmen tendiert der Hongkonger Aktienmarkt am Donnerstag sehr schwach. Der Hang-Seng-Index (HSI) verliert zum Ende der ersten Sitzungshälfte bei geringem Umsatz 1,7 Prozent bzw 149 Punkte auf 8.828 und bewegte sich bislang in einer Handelsspanne von lediglich 67 Punkten. Die höchsten Abschläge verzeichnen Johnson Electric, die um 5,8 Prozent auf 7,30 HKD zurückgehen. Dagegen legen PCCW infolge von Gelegenheitskäufen um 2,2 Prozent auf 0,93 HKD zu. Händler gehen davon aus, dass die psychologische Unterstützungsmarke des HSI bei 8.800 Punkten am Nachmittag verstärkt unter Druck gerät.
USA: Neuigkeiten und Kursbewegungen nach Börsenschluss
Yahoo haben im nachbörslichen Handel am Mittwoch zugelegt, nachdem das Unternehmen Drittquartalszahlen veröffentlicht hat. Yahoo wies einen Gewinn je Aktie von 0,05 Dollar aus, der zweite Quartalsgewinn in Folge nach sechs aufeinanderfolgenden Perioden mit Verlusten. Analysten hatten mit 0,04 Dollar gerechnet. Der Umsatz betrug 248,8 Millionen Dollar und lag damit am oberen Ende der unternehmenseigenen Schätzung vom Juli von 225 Millionen bis 250 Millionen Dollar und über der Konsensprognose von 240 Millionen Dollar. Yahoo kletterten auf Island ECN bis 19.58 Uhr Ortszeit um 7,2 Prozent auf 10,70 Dollar.
Die Aktien des Handyherstellers Motorola verloren nach Handelsschluss bis 18.51 Uhr knapp ein Prozent auf 8,25 Dollar, nachdem sie sich zwischenzeitlich bis auf 8,40 Dollar erholen konnten. Im Verlauf des regulären Geschäfts waren die Titel um bis zu 15 Prozent auf ein 52-Wochen-Tief gefallen, nachdem Lehman-Brothers-Analyst Tim Luke die Umsatzprognosen für das laufende vierte Quartal und das kommende Jahr gesenkt hatte.
Die im Rahmen der Erwartungen liegenden Quartalszahlen von Genentech verhalfen der Aktie an der Nasdaq nach Handelsschluss bis 18.58 Uhr zu einem Aufschlag von 3,1 Prozent auf 31,88 Dollar. Das Unternehmen hatte im dritten Quartal ein Pro-Forma-Ergebnis je Aktie von 0,23 Dollar erwirtschaftet und damit die Prognose der Analysten exakt getroffen. Das Nettoergebnis hat sich mit 89,30 (42,74) Millionen Dollar mehr als verdoppelt. Mit einem nachbörslichen Plus von 2,5 Prozent auf 4,10 Dollar präsentierten sich Rambus bis 18.18 Uhr auf Island ECN. Der Chiphersteller hat ein dreiprozentiges Umsatzplus im Vergleich zum Vorquartal erzielt.
Wall Street: Dow-Jones mit einem neuen Fünf-Jahrestief
Pessimistische Analysten-Kommentare zu großen Konzernen wie General Electric (GE) und General Motors (GM) haben am Mittwoch Sorgen um die Gewinnentwicklung der Unternehmen verstärkt und für schwache Schlusskurse an der Wall Street gesorgt. „Natürlich sind GE und GM wichtige Stimmungsbarometer in der Industrie für die Wirtschaft", sagte Eric Barden, Fondsmanager bei Texas Capital Value Funds. „Das kommt zweifellos zur negativen Grundstimmung am Markt noch dazu.“ Der Standardwerte-Index Dow Jones schloss rund 2,9 Prozent schwächer auf einem Fünf-Jahrestief bei 7.286 Punkten. Der technologielastige Nasdaq Composite verlor rund 1,3 Prozent auf 1.114 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index ging um rund 2,7 Prozent auf 776 Zähler zurück.
Die Kursverluste der Aktien des Mischkonzerns GE drückten auf die Standardwerte. GE-Papiere verloren rund sechs Prozent auf 22,00 Dollar, nachdem die Investmentbank Morgan Stanley unter anderem ihr Kursziel für die Titel gesenkt hatte. Nachdem Morgan Stanley auch ihre Ergebnisprognosen für Ford, GM und DaimlerChrysler reduziert hatte, gaben auch die Aktien der Autohersteller nach. Ford-Papiere brachen knapp acht Prozent auf 7,15 Dollar ein. GM verloren ebenfalls knapp acht Prozent auf 31,01 Dollar. DaimlerChrysler-Aktien verloren in New York rund 6,5 Prozent auf 30,17 Dollar. Die Finanzwerte wurden belastet von der Herabstufung des Ratings für die langfristigen Verbindlichkeiten von J.P.Morgan Chase durch die Ratingagentur Moody's. J.P.-Morgan-Aktien verloren rund sieben Prozent auf 15,45 Dollar.
„Jede Art von schlechten Neuigkeiten wirkt sich tief greifend auf diesen Markt aus", sagte Analyst Kevin Logan von Dresdner Kleinwort Wasserstein. „Insgesamt zeigt der Trend nach unten wegen der Zweifel über die Ergebnisaussichten für viele Unternehmen. Werden sie im Stande sein, ihre Ergebnisse in dem Maße zu steigern, dass es die Investoren besänftigt? Die Antwort lautet: Nein.“ Die Technologiewerte verzeichneten im Schnitt nicht so starke Kursverluste wie die Blue Chips. Händler führten dies darauf zurück, dass bei manchen Titeln Investoren das günstige Kursniveau zum Einstieg nutzten. So legten die Papiere des Netzwerkausrüsters Cisco nach Kursverlusten an den vorangegangenen fünf Tagen mehr als sieben Prozent auf 9,23 Dollar zu.
US-Anleihen schließen fester
Nach einem verhaltenen Auftakt profitierten die US-Anleihen am Mittwoch von der erneuten Schwäche am Aktienmarkt und tendierten letztlich fester. Zehnjährige Titel mit einem Kupon von 4,375 Prozent gewannen 18/32 auf 106-22/32, die Rendite sank auf 3,558 Prozent nach 3,629 Prozent. Der mit 5,375 Prozent verzinste 30-jährige Longbond legte um 19/32 zu auf 111-7/32 und rentierte mit 4,660 Prozent nach 4,696 Prozent. Damit hätten die Zehnjährigen die Marke von 3,56 Prozent erreicht, die als Ausbruchsniveau gelte, hieß es.
Der Handel sei eindeutig von der Entwicklung am Aktienmarkt sowie der Schwäche der Kreditmärkte dominiert worden, zumal es an Konjunkturdaten gemangelt habe. An den Kreditmärkten seien die Spreads, also der Risikoaufschlag gegenüber Staatsanleihen, um zehn Punkte angewachsen, in den Bereichen Automobile, Einzelhandel und Versorger sogar noch mehr. Längere Laufzeiten hätten zudem von der Flucht in höher verzinste sichere Anlagen profitiert, hieß es. Die Experten der Investmentbank Credit Suisse First Boston prognostizieren für die zehnjährigen Titel einen weiteren Rückgang der Rendite in den Bereich 3,00 bis 3,50 Prozent.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters.
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Text: @cri