Ferrari Aktien noch dieses Jahr, Quelle faz-net


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Ferrari Aktien noch dieses Jahr, Quelle faz-net

 
27.05.02 10:04
Automobile
Die PS-Aktie
Von Esther Koppel


25. Mai 2002 „Ferrari-Aktien würde ich eventuell kaufen“, sagt Sandro Salvini, leitender Angestellter in einem Call-Center in Rom. „Eigentlich habe ich ja zur Börse kein gutes Verhältnis, aber die Idee, auch nur ein ganz kleines Stückchen des roten Rennstalls zu besitzen, die reizt mich doch sehr“.

Salvini ist ein typischer Ferrari-Fan: keiner von denen, die unbedingt an die Strecken fahren oder Tausende von Fan-Artikel besitzen, aber einer, der kein Rennen im Fernsehen versäumt und für den Ferrari weit mehr als nur ein sündhaft Auto ist, das er nie selbst besitzen wird. Der Name ist eben ein Mythos: schnell, erfolgreich, unerreichbar, aber auf der anderen Seite auch ein sehr handfestes Unternehmen mit einem knallharten Management, das genau weiß, was für die Firma am besten ist und sich - siehe das letzte Rennen in Österreich - nicht von irgendwelchen Gefühlsduseleien irritieren lässt.

Ferrari-Konzern gut geführt

Und dass Ferrari nicht nur ein Traum sondern ein kleines aber feines, gut geführtes Unternehmen ist, beweisen die Zahlen der letzten Jahre. 2001 betrug der Umsatz 1.058 Millionen Euro, 18 Prozent mehr als im Vorjahr, und der Reingewinn stieg von 7 auf 47 Millionen. 2001 verkaufte die Firma 6.158 Wagen - 4.289 Ferrari und 1.869 Maserati (Maserati gehört seit 1997 zum Konzern und wurde 1999 vollkommen übernommen).

Die besten Kunden sitzen in den USA: Dorthin wanderten im letzten Jahr 1206 Wagen (10 Prozent mehr als 2000), gefolgt von Deutschland mit 651 Autos (+ 6%), Groß Britannien mit 501 (+ 9%) und Italien mit 490 (+18%). Damit wurde der Verkauf im achten Jahr in Folge weltweit verbessert.

Ferrari bleibt Exklusivprodukt

Das sind alles keine großen Zahlen, aber die strebt man natürlich auch nicht an. Ferrari ist und bleibt ein absolut exklusives Produkt und in diesem Jahren will man höchsten 4300 Stück bauen und verkaufen, wozu noch 3600 Maserati kommen werden - vor allem das neue viertürige Modell von Pinifarina.

Trotzdem wird der Unternehmenswert derzeit auf etwa 2,5 Milliarden Euro geschätzt. Ferrari gehört heute zu 90 Prozent Fiat und zu 10% einem Enkel des Firmengründers Enzo Ferrari. 40% will der Turiner Konzern jetzt an die Börse bringen und so - wie Fiat-Chef Paolo Fresco sagte - zwischen 750 und 800 Millionen Euro einnehmen. Denn dass Fiat auch in der Zukunft 51% selbst behalten will, steht außer Frage. Fraglich bleibt hingegen, ob man nur an die italienische Börse gegen will.

Unternehmenswert von 2,5 Milliarden Euro

Der Vorsitzende des Verwaltungsrates Paolo Cantarella: „Ferrari wird vor Jahresende erst einmal auf dem italienischen Markt quotiert werden. Dann werden wir weiter sehen. Es wird auch von den Banken abhängen, mit denen wir zusammenarbeiten und davon, was sie uns raten“. Alle sind jedoch davon überzeugt, dass die nächste Station - und das schon bald - Wall Street sein wird, auch weil Maserati nach einer längeren Pause erst dieses Jahr wieder auf den amerikanischen Markt gegangen ist.

Gründer: Enzo Ferrari

Für das 1929 in Modena gegründete Unternehmen wäre dies ein weiterer enormer Sprung. Bis 1969 gehörte die Firma einzig und allein ihrem Chef Enzo Ferrari. 1969 verkaufte der 50 Prozent der Anteile an Fiat, 1988 gingen dann weitere 40 Prozent nach Turin. Nach vielen Siegen aber auch Niederlagen ist der Rennstall mit dem Pferdchen im Wappen jetzt auf dem absoluten Erfolgskurs.

In den letzten Jahren gewann man in der Formel Eins drei Mal in Folge die Konstrukteurswertung und zwei Mal den Fahrer-Titel mit Michael Schumacher, den die Fans mittlerweile auch in Italien weniger liebevoll aber mit viel Respekt „Schumi“ nennen - und wenn man den Experten glauben will, wird der sportliche Erfolgskurs auch 2002 fortgesetzt.

Formel Eins als Promotor

Ein sicherlich nicht unerheblicher Teil dieses Erfolges ist Luca Cordero di Montezemolo zu verdanken, dem die Fans anfangs nicht allzu viel zutrauten, weil er ihnen nach dem bodenständigen und brummigen Ingenieur Enzo Ferrari zu feingemacht, zu adelig und auch zu kalt erschien. Doch mittlerweile hat man sich an seine Art gewöhnt: ähnlich wie Schumacher ist auch er nicht sonderlich beliebt, dafür aber um so mehr geachtet.

Und so äußerte er sich zum Börsengang seines Unternehmens auch sehr gemäßigt: „Die Entscheidung, die die Verwaltungsräte von Fiat AG und Ferrari AG bekannt gegeben haben, ist äußerst wichtig. Sie wird nämlich neue Ressourcen für die Entwicklungspläne von Ferrari und Maserati ermöglichen und unsere Mitarbeiter, unsere Kunden und unsere Tifosi noch mehr für das Wachstum und die Erfolge der Gruppe Ferrari- Maserati motivieren“.

Text: @zyd
Bildmaterial: dpa
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