euch allen einen schönen sonntach.
und was die aussichten nächste woche betrifft:
HB FRANKFURT. Am Dienstag dürften die Quartalsergebnisse des Leverkusener Bayer-Konzerns und am Donnerstag aktualisierte Geschäftszahlen des weltgrößten Chipherstellers Intel zur Mitte des dritten Quartals für Bewegung am Markt sorgen.
Sollte der US-Arbeitsmarktbericht enttäuschen, könnte dies die Kursgewinne des Deutschen Aktienindex (Dax) von 2,8 Prozent in dieser Woche schnell wieder zunichte machen, befürchten Experten. „Falls es im August zum dritten Mal in Folge zu schlechten Arbeitsmarktdaten kommen sollte, wäre das ein Keulenschlag, von dem sich die Börsianer so schnell nicht erholen würden“, sagte Aktienstratege Frank Schallenberger von der LBBW.
Experten rechnen nach den enttäuschenden US-Arbeitsmarktdaten der beiden Vormonate damit, dass nun eine Zahl von 150.000 bis 200.000 neuen Stellen nötig ist, um dem Aktienmarkt neue Impulse zu geben. Wenn diese Marke deutlich unterschritten werden sollte, werde der am Freitagnachmittag bei 3826 Zählern notierende Dax wohl auf Talfahrt Richtung 3600 bis 3400 Punkte geschickt. Sollte es zu einer positiven Überraschung bei den US-Arbeitsmarktdaten kommen, könnte sich der Index auf die psychologisch wichtige Marke von 3920 Zählern zu bewegen und sie bei ausreichender Schubkraft sogar überschreiten.
Sinkender Ölpreis erwartet
Auch der Ölpreis wird in der neuen Woche zunächst die Märkte beeinflussen. Entpuppt sich der jüngste Rückgang als Strohfeuer, dann wird es auch mit der Erholung der Börse schnell ein Ende haben, sind sich Marktteilnehmer einig. Erweist sich der Anstieg auf fast 50 US-Dollar jedoch als spekulative Übertreibung, die nun einer Phase der Normalisierung weicht, dann bestünden gute Chancen auf eine Fortsetzung des Dax-Anstiegs der vergangenen Tage.
Es könnte sogar recht flott nach oben gehen, denn die jüngste Erholung sei von großer Vorsicht und geringen Umsätzen geprägt gewesen, wie die Analysten der Bankgesellschaft Berlin feststellen. Hierin spiegele sich eine gewisse Skepsis über Nachhaltigkeit des Ölpreisrückgangs. Kläre sich die Lage jedoch, dürften viele Anleger ihre Zurückhaltung ablegen und sich dem Markt wieder zuwenden.
Die Zuversicht bei weiter rückläufigen Rohölpreisen gründet sich auf die im Prinzip guten Fundamentaldaten. So sei der Ertragstrend im ersten Halbjahr sehr positiv gewesen und habe zu entsprechend günstigen Bewertungen der europäischen Aktienmärkte beigetragen, heißt es. Auch der ifo-Index, der im August weniger stark gefallen ist als befürchtet, wird von Volkswirten als positives Signal interpretiert. Es sei erstaunlich, dass der hohe Ölpreis nicht stärkere Bremsspuren hinterlassen habe, denn in den Daten komme eine weiterhin moderat verlaufende Konjunkturerholung zum Ausdruck.
Der Ölpreis, der das Börsengeschehen wochenlang maßgeblich beeinflusst hatte, notierte am Freitagnachmittag bei 43,32 Dollar je Barrel (knapp 159 Liter) und damit weit unter seinen Höchstständen der vergangenen Wochen. Volker Borghoff, Aktienstratege bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, erwartet nun, dass sich der Fokus am Aktienmarkt auf die US-Konjunkturdaten verschieben dürfte. Eine Reihe von US-Indikatoren in der ersten Wochenhälfte werde zudem dafür sorgen, dass es vor den am Freitag mit Spannung erwarteten Arbeitsmarktdaten keine „lethargische Börsenwoche“ werde, sagte Steffen Neumann von der LRP.
Hier stehen am Dienstag das US-Verbrauchervertrauen, am Mittwoch der deutsche Einzelhandelsumsatz und der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe der USA. Am Donnerstag folgen dann die Angaben zur US-Produktivität in der 2. Veröffentlichung sowie das Ergebnis der EZB-Ratssitzung, wobei hier aber kein Zinsschritt erwartet wird. Highlight werden wohl die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag sein, die vom ISM-Index für das Nicht-Verarbeitende Gewerbe in den USA flankiert werden.
Bei Bayer Konzernumbau im Blick
Der Bayer-Konzern dürfte nach Einschätzung von Analysten im zweiten Quartal dank guter Geschäfte seiner Pflanzenschutzsparte und hoher Absatzmengen in den stärker konjunkturanfälligen Chemiebereichen operativ deutlich mehr verdient haben als vor Jahresfrist. Neben dem Zahlenwerk steht vor allem der Verlauf des Konzernumbaus im Blickpunkt der Analysten, wenn das Management des Chemie- und Pharmariesen am Dienstag seine Zwischenbilanz vorlegt.
Die Aufnahme dieser Zahlen an der Börse könnte ausschlaggebend sein für den Verbleib der Bayer-Aktie im Stoxx50-Index, dem Auswahlindex der größten börsennotierten Unternehmen Europas. Sollte der Quartalsbericht enttäuschen und die Aktie nachgeben, könnte dies nach Einschätzung von Experten den Abstieg Bayers aus dem Index bedeuten. Zusammen mit Aegon könnte der Wert aus dem Stoxx-50 fallen, heißt es. Ericsson und Societe Generale gelten hier als potenzielle Nachrücker.
Ähnliches gilt für Volkswagen-Titel, die möglicherweise ebenfalls aus dem herausfallen könnten. Hier könnte nach Ansicht von Teilnehmern Credit Agricole nachrücken. Eine Entscheidung dazu fällt der Index-Anbieter Stoxx am Mittwochabend nach Börsenschluss.
Für den Verbleib des lange Zeit vom Dax-Abstieg bedrohten Reisekonzerns TUI fließen Kursänderungen nur noch bis Dienstag in die Entscheidung ein, die die Deutsche Börse Ende kommender Woche fällen wird. Indexspezialisten gehen auf Grund der jüngsten Kursrally jedoch davon aus, dass TUI im Börsenbarometer bleiben wird. Die Mitgliedschaft in einem Index wie dem Dax ist für Unternehmen wichtig, weil sie dadurch stärker in das Blickfeld internationaler Anleger rücken.
Keine Zinsanhebung zu erwarten
Da keine Überhitzungserscheinungen auszumachen seien, müsse auch nicht mit einer baldigen Leitzinsanhebung durch die EZB gerechnet werden. Erst im nächsten Jahr, und dann vermutlich nicht vor dem zweiten Quartal, sei ein solcher Schritt wahrscheinlich. Zudem gibt es auch Entwarnung von der Währungsseite. So haben sich mit der jüngsten Abschwächung des Euro gegenüber dem Dollar die Voraussetzungen für die Exportwirtschaft wieder verbessert.
Technische Analysten stimmen der hoffnungsvollen Botschaft ihrer Kollegen von der Fundamentalseite zu. Mit dem Anstieg über 3.800 Punkte sei es dem Dax gelungen, wieder in die seit Jahresbeginn gültige Seitwärtsrange zu klettern und damit die zweitweise kritische Lage zu bereinige, meint Wieland Staud von Staud Research. Auch Marcel Mußler, Verfasser der Mußler-Briefe, sieht den Grundstein für einen Aufschwung gelegt, rät dem Dax jedoch tunlichst, nicht wieder unter 3.800 Zähler zu fallen.
Mit etwas Sorgen schauen die beiden Analysten jedoch auf den Ölpreis. “Die erste Gegenrally erscheint noch nicht geeignet, eine dauerhafte Trendwende auszurufen; ein beginnender Konsolidierungsmarkt ist wahrscheinlicher“, merkt Mußler an und weigert sich damit, zum Vordenker einer „mittelfristigen Trendwendephilosophie“ zu werden. Staud weist auf den “überragenden Aufwärtstrend“ beim Rohöl hin und rechnet spätestens nach einem Test der „extremen Unterstützungszone“ von 37 bis 39 US-Dollar bei Rohöl der Sorte Brent mit einer Fortsetzung des Anstiegs.
HANDELSBLATT, Freitag, 27. August 2004, 17:02 Uhr
greetz uedewo
