Plädoyer: Es geht um euer Geld!
Der Wirecard-Prozess in Stadelheim wird in der Öffentlichkeit oft so dargestellt, als ginge es nur noch um die Schuldfrage von Markus Braun. Viele hoffen: Ein hartes Urteil bringt wenigstens späte Genugtuung. Aber Vorsicht: Wer sich mit einem schnellen Schuldspruch zufriedengibt, verzichtet am Ende auf das Wichtigste – auf sein eigenes Geld.
Denn wenn der Prozess in Stadelheim nur dazu dient, Braun als „Mastermind“ festzuschreiben, dann sind die anderen Verantwortlichen fein raus. Die Wirtschaftsprüfer, die jahrelang Testate ausstellten. Die BaFin, die Kritiker verfolgte statt hinzusehen. Die politischen Netzwerke, die Wirecard hofierten. Wenn diese Verantwortung verdrängt wird, gibt es für Kleinanleger keinen Schadensersatz.
Ihr bekommt vielleicht ein Urteil für die Schadenfreude – aber keinen Cent zurück.
Darum braucht es eine kritische Sicht auf diesen Prozess. Nicht, weil Braun ein Held wäre. Sondern weil ihr als Geschädigte ein Recht darauf habt, dass die wirklichen Verantwortlichkeiten aufgeklärt werden. Nur dann haben Klagen gegen EY, gegen die BaFin oder gegen andere Beteiligte überhaupt eine Chance.
Es geht nicht um Mitleid mit den Angeklagten. Es geht um euer Geld – und um die Frage, ob ein Rechtsstaat wirklich Gerechtigkeit schafft oder nur eine Geschichte erzählt, die allen bequem ist.