Auf die negativen Folgen der USD Abwertung und des Sandozdeals für die Umsatzentwicklung 2026 habe ich seit Monaten mehrfach hingewiesen. Die naive Vorstellung, Evo würde nach dem Sandozdeal gleichbleibende Umsätze bei höheren Margen und vollständiger Entschuldung fahren, habe ich schon bei Verkündung des Deals Ende 2025 ins Reich der Träume verwiesen.
Ich hätte mir indes nicht träumen lassen, dass die Analysten ihre weder an die USD Entwicklung noch den Toulouse Exit angepassten Prognosen dem Markt tatsächlich als glaubhaft verkaufen würden.
Frühere Analysen der dt. Bank hatte ich deshalb gegeißelt, weil das ausgegebene Kursziel nicht mit den Umsatz- und Gewinnschätzungen im Einklang stand. Ich kann nicht gleichzeitig steigende Umsätze und Gewinne prognostizieren und Kursziele ins Nirvana senken.
Im übrigen werden die Auswirkungen kurzfristiger Umsatz- und Gewinneinbrüche auf den langfristigen Unternehmenswert von Analysten systematisch geradezu dramatisch überschätzt, da sie fast ausnahmslos reine Trendfolger sind und absolut nicht in der Lage, Trendwechsel valide vorherzusagen bzw. in ihren Bewertungsmodellen zu antizipieren.
Als Unternehmensbewerter kann ich über die meisten DCF Modelle von Reasesrch Abteilungen nur ungläubig den Kopf schütteln. Was da tagein tagaus zu Papier gebracht wird, ist vielfach reines Wunschdenken und hat mit Analyse und integrierter Unternehmensplan rein gar nichts zu tun.
Die Marktreaktion auf die Verfehlung einer m.E. offensichtlichen Bullshitkonsensschätzung habe ich grandios unterschätzt. Offensichtlich sind bei Evo auch nach drei Jahren Crasherfahrung noch immer jede Menge Tagträumer und Goldgräber unterwegs.
Das macht die Aktie weiter extrem instabil. M.E. wäre Evo bereits seit Jahren besser in der Hand von Private Equity Investoren aufgehoben. Die Börse macht aus langfristig angelegten Biotech Geschäftsmodellen zunehmend Casino Zockereien mit extremer Vola.
Auf diese Weise kann ein echtes Fotschungsunternehmen mit weit in der Zukunft liegenden Cashflowüberschüssen kaum noch langfristig reüssieren.
Dass die Biontechgründer relevante Teile der MRNA Forschung in ein nicht börsennotiertes Startup überführen wollen, werte ich als Fingerzeig in die Richtung, dass die Fixierung auf Quartalsberichterstattung und stetige Newsflows mit langfrister Entwicklung oder Grundlagenforschung absolut unvereinbar ist und am Ende sogar zum Scheitern führen kann, wenn durch die Notwendigkeit permanenter Anlegerbespaßung der Fokus auf's Wesentliche verloren geht.
Evo hat hier eine Zwitterposition... einerseits Tagesgeschäft bei Just, andererseits Durchführung langfristiger Auftrags- Forschungsprojekte.
Evotecs weltweit anerkanntes Know how und die selbstentwickelte Forschungsplattform werden im Aktienkurs seit Jahren nicht mehr angemessen reflektiert.
Rein fundamental betrachtet müsste das Unternehmen klar zweistellig notieren. Indes liegt der Anlegerfokus nach teils unfassbaren Managementfehlleistungen verständlicherweise nur noch auf sehr kurzfristigen Entwicklungen, wodurch der faire Wert Evotec immaterieller Vermögenswerte nahezu komplett aus dem Fokus gerät.
Ich bin unverändert überzeugt, dass die Kursentwicklung nicht näherungsweise die Wertentwicklung des Unternehmens abbildet.
Aber solange das Management so intransparent agiert und kommunikationstechnisch wie betriebswirtschaftlich Fehler an Fehler reiht, steht der Kurs halt da wo er steht und fällt ggf. sogar weiter.
Ein starkes Management ist wichtiger Bestandteil einer guten Anlagestory... und der aktuelle Vorstand hat in Sachen Shareholder Value bislang leider komplett versagt.
Ich möchte da noch nicht endgültig den Stan brechen, weil W.L. mit seiner völlig verfehlten Umsatzmaximierung das Unternehmen beinahe ruiniert hat und der aktuelle Sanierungsjob wahrlich kein Zuckerschlecken bedeutet.
Wie gesagt, Horizon ist m.E. - endlich - eine glaubhafte Abkehr von W.Ls ruinösem Umsatzmaximierungsmodell.
Natürlich ist Evos Angebot in dem Moment, da Evo unverschämter Weise plötzlich Gewinn aus Neuaufträgen ziehen will, nicht mehr so attraktiv für Big Pharma wie zuvor. Es war klar und unvermeidlich, dass eine drastische Margenanhebung - mindestens übergangsweise - mit deutlich sinkendem Auftragseingang einhergehen würde. Nachdem man bis vor 12 Monaten in Antizipation der alten Umsatzziele noch wie verrückt Personal eingestellt hat, sind die Kapazitätsanpassungen jetzt umso schmerzhafter, weil kurzfristig sehr kostspielig.
Für den langfristigen Unternehmenserfolg sind diese Maßnahmen indes dringend notwendig und in zwei, drei Jahren wird es niemanden mehr interessieren, ob Evo damals 20 oder 40 Mio EUR weniger EBITDA erwirtschaftet hat, um den langfristigen Unternehmenserfolg zu sichern.
Die 25 Mio USD Sandoz Lizenzzahlungen in 2026 und 2027 habe ich in der Umsatzerwartung 2026 in der Tat absichtlich "unterschlagen", da ich davon ausgehe dass diese durch wegfallende Sandoz Umsätze der veräußerten Betriebsstätte aber auch der US Betriebsstätte (Stichwort Verlagerung nach Toulouse) deutlich überkompensiert werden.
Dass bis heute keine Zahl in der Welt ist, wie hoch der Toulouse Umsatz in 2025 war und wieviel Umsatz aus USA dem Sandozdeal zum Ppfer fallen werden, ist sicher ein Teil der Ursache für völlig verfehlte Konsensschätzungen, wenngleich es Aufgabe der Analysten gewesen wäre, die für die Prognoseanpassung an den Sandoz Deal notwendigen Infos beim Management lautstark einzufordern.
Da ich jeden Analystencall der letzten 24 Monate live verfolgt habe, kann ich sagen, dass dies nicht passiert ist und die Fragen der Analysten um die wirklich relevanten Punkte teilweise einen riesigen Bogen schlugen, während man um Kompetenz vorzutäuschen zu irgendwelchen Peanuts Teilbereichen 5 Nachfragen anbrachte.
Was hier in den letzten 2 Jahren abgeht, ist ein Totslversagen des Managements, aber auch sämtlicher Kontrollinstanzen, zu denen ich unter anderem auch Analysten zähle.
Aktionäre wie auch ich waren zu fokussiert auf langfristige Bewertungsfragen und haben die desaströsen Auswirkungen des Tagesgeschäfts auf das Anlegervertrauen signifikant unterschätzt.
Nun ist das Kind in den Brunnen gefallen und es geht darum, wie bekommen wir es schnellstens und möglichst verletzungsfrei heraus...
Horizon ist dem Grunde nach ein vernünftiger Plan. Ob er die Kurswende bringt, hängt an der Umsetzung...
Evo ist nun mehr denn je eine "show me" Story... Vorschusslorbeeren kann sich dieses Management aktuell nicht mehr erwarten...