19:09 23Jul2002 RTRS-FOKUS 1-Erster Massekredit für eine insolvente Babcock-Tochter
Oberhausen, 23. Jul (Reuters) - Gut zwei Wochen nach dem Scheitern eines Sanierungsplans für den Babcock-Konzern haben sich die Gläubigerbanken auf einen ersten Massekredit für eine der zahlungsunfähigen Tochtergesellschaften geeinigt.
Für die Service-Tochter der insolventen Babcock Borsig Power (BBP) wurde nach Angaben des neuen Babcock-Vorstandschefs Horst Piepenburg ein Massekredit vereinbart, der dem Unternehmen die Fortführung der Geschäfte bis Ende September sichere. Die Entscheidung stehe noch unter einem Vorbehalt, da bei den Verhandlungen nicht alle Banken vertreten gewesen seien, hieß es in einer am Dienstagabend veröffentlichten Presseinformation weiter. Der vorläufige Insolvenzverwalter Helmut Schmitz hatte die Einigung auf diesen ersten Massekredit am Morgen gegenüber Reuters bereits angekündigt. Angaben über die Höhe des Kredits wurden nicht gemacht.
Von den knapp 300 Tochtergesellschaften des Babcock-Konzerns haben den Angaben zufolge bis Dienstag 58 Insolvenzantrag gestellt. Rund 4200 Mitarbeiter in 25 Gesellschaften erhielten nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Schmitz in diesen Tagen das erste Insolvenzgeld. Schmitz hat die ihm unterstellten 25 insolventen Babcock-Töchter einen einzigen Gläubigerausschuss gegründet. Insgesamt beschäftigt Babcock in Deutschland rund 13.000 Menschen, weltweit sind es etwa 22.000.
Wie der vorläufige Insolvenzverwalter weiter mitteilte, wurde die Investmentgruppe Lazard mit der Veräußerung von Unternehmensteilen beauftragt. Dabei handele es sich um Teile des Konzerns, die ohnehin zum Verkauf anstanden, hieß es weiter.
WEITERE MASSEKREDITE WAHRSCHEINLICH
Außer der BBP Service GmbH hat nach Schmitz' Angaben eine Reihe von Tochtergesellschaften gute Aussichten, in Kürze Massekredite zur Fortführung ihrer Geschäfte zu bekommen. Vor allem dürfte es in den Verhandlungen mit den Gläubigerbanken dann um Massekredite für den Großkesselbau und weitere Geschäftsteile aus der Energietechnik gehen. "Die Bereitschaft der Banken ist da", versicherte Schmitz. Der Service-Bereich habe logischen Vorrang vor allen anderen Unternehmensteilen gehabt.
Gesichert seien für die BBP Service sowohl nötige liquide Mittel wie auch die Bereitstellung von Avalen. Bei einem Aval übernimmt die Bank die Haftung in Form einer Bürgschaft oder einer Garantie gegenüber Dritten. Nach der Aushandlung von Massekrediten werde man sich als nächstes um die Bildung von Auffanggesellschaften bemühen, sagte Schmitz weiter.
Am Montagnachmittag hatten sich Banken mit Vertretern von Vorstand- und Arbeitnehmerseite von Babcock sowie Mitgliedern der nordrhein-westfälischen Landesregierung zu Gesprächen getroffen. Über ihre Rolle bei den Gesprächen will die Landesregierung offiziell nicht Stellung nehmen. Denkbare Landeshilfen sind politischen Kreisen zufolge Einzelbürgschaften für einzelne Gesellschaften sowie die Unterstützung bei Auffanggesellschaften.
Die Babcock-Muttergesellschaft Babcock Borsig hatte mit ihrer Tochter Babcock Borsig Power Anfang Juli Insolvenzantrag gestellt. Nachdem parallel geführte Sanierungsverhandlungen für den Oberhausener Maschinen- und Anlagenbauer gescheitert waren, war der Rechtsanwalt Helmut Schmitz zum vorläufigen Insolvenzverwalter der beiden Firmen und nach und nach auch von anderen Töchtern in der Umgebung des Oberhausener Stammhauses von Babcock bestellt worden.
bro/mit
Tuesday, 23 July 2002 19:09:57
RTRS [Historical News] {DE}
ENDS
Oberhausen, 23. Jul (Reuters) - Gut zwei Wochen nach dem Scheitern eines Sanierungsplans für den Babcock-Konzern haben sich die Gläubigerbanken auf einen ersten Massekredit für eine der zahlungsunfähigen Tochtergesellschaften geeinigt.
Für die Service-Tochter der insolventen Babcock Borsig Power (BBP) wurde nach Angaben des neuen Babcock-Vorstandschefs Horst Piepenburg ein Massekredit vereinbart, der dem Unternehmen die Fortführung der Geschäfte bis Ende September sichere. Die Entscheidung stehe noch unter einem Vorbehalt, da bei den Verhandlungen nicht alle Banken vertreten gewesen seien, hieß es in einer am Dienstagabend veröffentlichten Presseinformation weiter. Der vorläufige Insolvenzverwalter Helmut Schmitz hatte die Einigung auf diesen ersten Massekredit am Morgen gegenüber Reuters bereits angekündigt. Angaben über die Höhe des Kredits wurden nicht gemacht.
Von den knapp 300 Tochtergesellschaften des Babcock-Konzerns haben den Angaben zufolge bis Dienstag 58 Insolvenzantrag gestellt. Rund 4200 Mitarbeiter in 25 Gesellschaften erhielten nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Schmitz in diesen Tagen das erste Insolvenzgeld. Schmitz hat die ihm unterstellten 25 insolventen Babcock-Töchter einen einzigen Gläubigerausschuss gegründet. Insgesamt beschäftigt Babcock in Deutschland rund 13.000 Menschen, weltweit sind es etwa 22.000.
Wie der vorläufige Insolvenzverwalter weiter mitteilte, wurde die Investmentgruppe Lazard mit der Veräußerung von Unternehmensteilen beauftragt. Dabei handele es sich um Teile des Konzerns, die ohnehin zum Verkauf anstanden, hieß es weiter.
WEITERE MASSEKREDITE WAHRSCHEINLICH
Außer der BBP Service GmbH hat nach Schmitz' Angaben eine Reihe von Tochtergesellschaften gute Aussichten, in Kürze Massekredite zur Fortführung ihrer Geschäfte zu bekommen. Vor allem dürfte es in den Verhandlungen mit den Gläubigerbanken dann um Massekredite für den Großkesselbau und weitere Geschäftsteile aus der Energietechnik gehen. "Die Bereitschaft der Banken ist da", versicherte Schmitz. Der Service-Bereich habe logischen Vorrang vor allen anderen Unternehmensteilen gehabt.
Gesichert seien für die BBP Service sowohl nötige liquide Mittel wie auch die Bereitstellung von Avalen. Bei einem Aval übernimmt die Bank die Haftung in Form einer Bürgschaft oder einer Garantie gegenüber Dritten. Nach der Aushandlung von Massekrediten werde man sich als nächstes um die Bildung von Auffanggesellschaften bemühen, sagte Schmitz weiter.
Am Montagnachmittag hatten sich Banken mit Vertretern von Vorstand- und Arbeitnehmerseite von Babcock sowie Mitgliedern der nordrhein-westfälischen Landesregierung zu Gesprächen getroffen. Über ihre Rolle bei den Gesprächen will die Landesregierung offiziell nicht Stellung nehmen. Denkbare Landeshilfen sind politischen Kreisen zufolge Einzelbürgschaften für einzelne Gesellschaften sowie die Unterstützung bei Auffanggesellschaften.
Die Babcock-Muttergesellschaft Babcock Borsig hatte mit ihrer Tochter Babcock Borsig Power Anfang Juli Insolvenzantrag gestellt. Nachdem parallel geführte Sanierungsverhandlungen für den Oberhausener Maschinen- und Anlagenbauer gescheitert waren, war der Rechtsanwalt Helmut Schmitz zum vorläufigen Insolvenzverwalter der beiden Firmen und nach und nach auch von anderen Töchtern in der Umgebung des Oberhausener Stammhauses von Babcock bestellt worden.
bro/mit
Tuesday, 23 July 2002 19:09:57
RTRS [Historical News] {DE}
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