Erfurt: Kann mir jemand erklären...


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Erfurt: Kann mir jemand erklären...

 
29.04.02 06:53
- warum der Lehrer den Amokschützen aufgefordert hat, die (bereits nach Angaben dieses Lehrers beiseite gelegte) Pistole wieder an sich und mit in den Raum zu nehmen?

- wie der Lehrer eine Tür von außen verschließt, wenn der Schlüssel innen steckt?

- wieso die Polizei einen Generalschlüssel für diese Tür verlangt, wenn der Lehrer kurz vorher denselben Beamten erklärt hat, er sei im Besitz des Schlüssels für diese Tür?

???

Gruß
Happy End
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Boxenbauer:

Das kann ich dir sagen Happy,

 
29.04.02 07:19
weil in solchen Momenten fast jeder nur traumatisch handelt und nachher irgendwelches Zeugs zusammenfaselt, was vielleicht so gar nicht passiert ist.
Sogar Polizisten sind in solchen Extremsituationen mehr als überfordert.

Vielleicht sollten wir auch nicht überlegen wie man Amokläüfe schnell unter Kontrolle bekommt und jeder genau weiß wie er zu reagieren hat, sondern vielmehr versuchen die Ursachen für solche Taten zu finden.

Der falsche Weg ist sicherlich gewaltverherrlichende Computerspiele und Filme zu verbieten, denn gerade hier werden doch Gewaltenergien abgebaut.

Boxenbauer
 
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aabb-cisco:

spiegel online

 
29.04.02 07:22
DER LEHRER UND DER AMOKLÄUFER

Ein Held, der keiner sein will

Von Matthias Gebauer, Erfurt

Mit seinem mutigen Eingreifen hat der Erfurter Lehrer Rainer Heise vermutlich weitere Tote beim Amoklauf in Erfurt verhindert. Doch er sei keinesfalls ein Held, sondern habe nur instinktiv gehandelt, sagt er. Warum der Täter nicht auch ihn erschoss, versteht Heise selbst nicht.

Der "Held von Erfurt" sieht nicht gerade wie ein solcher aus. Weder macht der kleine, untersetzte Mann in seinem schwarzen Pullover eine körperlich starke Figur, noch wirkt er besonders Ehrfurcht gebietend. In seinem kleinen, niedrigen Wohnzimmer unter dem Dach eines Mehrfamilienhauses muss der 60-jährige Geschichts- und Kunstlehrer seit Freitag Nacht unablässig Reportern aus aller Welt seine Geschichte erzählen. Wie gelang es ihm, den Amokläufer Robert Steinhäuser am vergangenen Freitag zu stoppen und so weiteres Blutvergießen zu verhindern?
"Ich weiß gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht", sagt der Pädagoge mit dem akkurat geschnittenen Bart und lässt sich in einen der Biedermann-Sessel zurück fallen, die zwischen den mit Büchern vollgestopften Schränken in stehen. Die Zeitungen vom Sonntag kennt er nur von den Reportern. Doch Heise kokettiert nicht mit seinem plötzlichen Ruhm als Retter. "Ich habe nur dass getan, was mir gerade einfiel", sagt er. "Ein Held bin ich deswegen noch lange nicht, andere hätten doch genauso gehandelt".

Der Rummel um seine Person nervt den Pädagogen. Ständig läutet die Türglocke und auch das Telefon steht nicht still. "Langsam reicht es mir", klagt er. Doch wer ihn fragt, dem erzählt der Porzellan-Liebhaber ausführlich und in aller Ruhe, wie sie sich zugetragen hat, die lebensgefährliche Konfrontation zwischen ihm und dem Todesschützen. Es war gegen Ende der 4. Stunde, während der er mit den Schülern Aquarelle gemalt hatte, als plötzlich ein lauter Knall durch das Gebäude schallte. "Ich dachte zuerst an einen umgefallenen Schrank oder an die Bauarbeiter auf dem Hof", erinnert sich Heise. Geärgert habe er sich zunächst, schließlich fand an diesem Tag die Abiturprüfung statt, die Schüler brauchten Ruhe.

Dann aber sei alles sehr schnell gegangen: Die Tür zum Kunstraum mit der Nummer 108 im ersten Stock der Schule sei bereits offen gestanden und die ersten seiner Schüler strömten aus dem Saal auf den Flur. "Ich schrieb gerade meine Eintragungen ins Klassenbuch, da hörte ich die nächsten beiden Schüsse", sagt Heise. Sofort sei er auf den Flur gerannt und habe schon die panischen Schüler gesehen, die aus der zweiten Etage kamen und schrieen, dass im oberen Stockwerk Tote auf dem Boden lägen. "Da rennt einer rum, der schießt", kreischten sie.

"Euch kriege ich auch noch"

Wer Heise länger zuhört, begreift, dass der Pädagoge kein Mann ist, der schnell in Panik verfällt. Mit klarer Stimme schildert er die gefährliche Situation Schritt für Schritt, skizziert auf dem Wohnzimmertisch mit Gegenständen die Lage der Klassenräume und definiert Abstände zwischen den Türen der Klassenräume mit genauen Meterangaben.

"Ich habe überlegt, was zu tun ist und es war klar, dass alle Schüler nach draußen mussten", erinnert er sich an seine Überlegung in den Minuten des Schreckens. Er sei sofort auf die Treppe gegangen und habe die verängstigten Schüler nach "unten gescheucht", dabei sei er auch laut geworden. "Manchmal geht es eben nicht anders", sagt er, gerade so, als ob er sich dafür entschuldigen müsste. Als letzter sei er nach unten gerannt und habe die Schüler von der Tür zum Schulhof gedrängt. "Ich schrie sie an, sie wollten wegrennen."

Erst unten, vor dem Ausgang zum Hof hinter der Schule, hat Heise den Attentäter zum ersten Mal gesehen. "Ich spürte, dass jemand hinter mir stand und drehte mich um. Ich sah den großen, ganz in schwarz gekleideten Mann mit einer schwarzen Maske vor der Tür. In der Hand hatte er eine Pistole und über die Schulter blitzte ein silbernes Gewehr", sagt Heise. "Der Mann sah aus wie ein Ninja-Kämpfer und er zielte auf die weglaufenden Schüler und brüllte plötzlich, "euch kriege ich auch noch", rekonstruiert der Lehrer die Situation.

Offenbar war aber das Magazin der selbstladenden Pistole leer. Der Mann sah Heise an und sagte: "Scheiße, ich muss nachladen!" Als er aus seiner Tasche neue Patronen fingerte und das Magazin heraus holte, rannte Heise los. "Ich wollte die Schulleitung informieren", sagt er, "Angst spürte ich in dem Moment nicht, denn der Mann hätte mich ja gleich erschießen können, hat es aber nicht getan". Heute hätte er vielleicht anders gehandelt, setzt er hinzu.

Leichen im Sekretariat

Also rannte er zum Sekretariat im Erdgeschoss des Gebäudes, doch es war verschlossen. "Ich hämmerte gegen die Tür und die Sekretärin fragte leise, wer denn dort sein. Ich sagte, hier ist Geschichtslehrer Heise, machen sie auf." Die Tür ging auf und ihm bot sich ein grauenhaftes Bild, das er wiederum verblüffend nüchtern beschreibt. Gefühle zeigt Heise nicht, kann es vielleicht auch nicht mehr. Die zweite Sekretärin Anneliese S. lag in einer Blutlache auf dem Boden, "die stellvertretende Schulleiterin Frau Hanja saß noch auf ihrem Stuhl am Schreibtisch mit dem Kopf auf dem Tisch. Auch sie war tot", sagt Heise und erklärt genau, wie die Räume aufgeteilt sind. "Ich wusste nicht, was ich tun sollte, doch ich dachte nur an weitere Schüler und rannte nach oben."

Im ersten Stock angekommen, beschlich Heise doch die Angst vor dem Amokläufer. Er ging zum Fenster und sah die Polizisten, die gerade vor dem Schulgebäude vorfuhren. "Ich rief hinunter, dass Sanitäter gebraucht werden, doch die Polizisten schrieen nur, ich solle aus der Schule abhauen." In diesem Moment hörte er auf dem Gang schlurfende Schritte. Sofort sei er zur Tür gegangen, um nachzusehen, ob vielleicht doch noch Schüler im Gang herum liefen.

"Robert, hast du geschossen?"

Als er die Tür einen Spalt öffnete, stand der den schwarz gekleidete Mann direkt vor ihm. Gerade hatte er seine Maske abgezogen und Heise erkannte ihn als seinen ehemaligen Schüler Robert. Mit schweißnassem Gesicht sah der Killer den Lehrer an und richtete die Waffe auf ihn. "Ich sah in den Lauf der Pistole und fragte ihn, ob er das alles getan habe", erzählt Heise.

Robert Steinhäuser habe nur leicht genickt, aber nichts gesagt. Für Angst habe er gar keine Zeit gehabt, sagt Heise. "Ich habe die Tür ein Stückchen weiter geöffnet und Robert angesehen, er war völlig fertig mit den Nerven und sah mich starr an." Heise sagte: "Du kannst jetzt nicht einfach gehen, wir müssen darüber reden." Doch Robert antwortete nicht, legte aber die Hand mit der Waffe auf einen Sims.

In diesem Moment, sagt Heise, habe sein Verstand wieder eingesetzt. Mit einem leichten Schubs drückte er Steinhäuser nach hinten in den Materialraum mit der Nummer 110, schlug die Tür zu und schloss von außen ab. "Ich habe gar nicht nachgedacht, ob er auf mich hätte schießen können. Ich rannte sofort nach unten ins Sekretariat und schloss mich dort ein. Bis zum Ende der ganzen Aktion habe ich mich von dort nicht weg bewegt."

Wann sich der Amokläufer mit einem Kopfschuss selbst getötet hat, weiß Heise nicht. Erst für eine Identifizierung habe er den Raum 110 noch einmal betreten und sah seinen ehemaligen Geschichtsschüler in seinem eigenen Blut liegen.

Doch warum schoss Steinhäuser nicht auf seinen ehemaligen Lehrer? "Ich weiß es nicht", sagt Heise, der sein Glück noch immer nicht begreift. "Wir hatten kein gutes aber auch kein schlechtes Verhältnis. Ich habe ihm die schlechten Noten gegeben, die er verdient hat. Aber ich habe ihn nie gedemütigt, sondern immer versucht, ihn zu motivieren", erinnert sich der erfahrene Lehrer. Auch als Robert Steinhäuser die zwölfte Klasse freiwillig wiederholt habe, habe er ihm gut zugeredet.

"Vielleicht habe ich bei ihm die richtigen Worte gefunden oder er hatte einfach ein bisschen Vertrauen zu mir", vermutet Heise. "Vielleicht war er am Freitag einfach nur am Ende seiner Nerven, immerhin hatte er schon 16 Menschen erschossen." Und erst jetzt, zeigt Heises die Emotionen, die ihn bewegen. Er kratzt sich am Kinn, überlegt lange, warum wohl der 19-jährige Ex-Schüler nicht auf ihn geschossen hat.

Wirklich gut kannten sich der Lehrer und der Amokläufer nicht. Im vergangenen Schuljahr war Steinhäuser im Geschichtskurs bei Heise. Einmal fuhren sie 1999 gemeinsam mit der Klasse nach Potsdam. Dort bedrohte Steinhäuser einen Biologielehrer im Alkoholrausch mit den Worten: "Dich leg ich um!". Doch niemand, auch Heise, nahm diesen Spruch sehr ernst: "Robert war angetrunken, da kann man das schon mal sagen." Der Biologielehrer von damals war am Freitag eines der Opfer des Amoklaufs und die Worte von der Klassenfahrt gelten als Ankündigung dieser Tat. Doch Heise meint, das sei "Quatsch".

Am Montag will Rainer Heise wieder in die Gutenberg-Schule zurück kehren. Ob er keine Angst hat? Heise überlegt nicht lange und wird sofort wieder der penible Lehrer, der er zu Beginn des Gesprächs war: Ein Mann, der sich gern reden hört und andere auch gern belehrt, ohne arrogant zu wirken. "Wissen Sie, es geht nicht um Angst", sagt er, "die Jugendlichen brauchen ihr Abiturzeugnis." Ohne das könnten sie ja schließlich nicht studieren oder eine Lehre machen, referiert er. Anschließend aber sorgt er sich, dass das Kollegium ja "ziemlich ausgedünnt" sei - eine Bemerkung, die er sofort bedauert. "Ich bin eben noch nicht so geübt im Interviewgeben", sagt er zum Abschluss. Doch da klingelt es auch schon wieder an der Tür.





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aabb-cisco:

focus online

 
29.04.02 07:24
Gezielte Kopfschüsse

D er Killer im Gutenberg-Gymnasium ist mit eiskalter Brutalität vorgegangen: So verfolgte er eine Lehrerin, schoss ihr ins Bein und dann, als sie stolperte und zu Boden fiel, dreimal in den Kopf. Die Pädagogin sei auf der Flucht zu ihrem Auto gewesen, sagte ein Augenzeuge des beispiellosen Erfurter Amok-Dramas am Sonntag.

Der 19-Jährige Robert S. habe zielgerichtet nach Lehrern gesucht, so die Polizei. Er habe Türen von Räumen geöffnet und sie wieder geschlossen, wenn sich sich kein Lehrer darin befunden habe.

Die beiden Kinder seien vermutlich unbeabsichtigt ermordet worden – durch eine Tür hindurch.

„Plötzlich hörte ich einen Schlag“

Der beherzte Pädagoge Rainer Heise, der das Amok-Drama von Erfurt beendete, berichtete unterdessen über weitere grauenvolle Details. Der Studienrat sagte am Wochenende, er habe am Freitagmorgen, als das Drama begonnen hatte, Kunstunterricht in der sechsten Klasse erteilt. „Plötzlich hörte ich einen lauten Schlag. Es klang wie Stühle, die geworfen werden“, berichtete Heise in der „Bild am Sonntag“. Er habe zunächst an einen Zwischenfall im Chemie-Unterricht geglaubt und sei auf den Flur gegangen, wo ihm bereits Schüler entgegengelaufen seien. Plötzlich habe er eine Person in einer schwarzen Maskierung gesehen, die mit einer Pistole in die Luft geschossen habe.

„Hier liegen Tote“

Heise lief nach eigenen Worten zum Sekretariat der Schule, das aber verschlossen gewesen sei. Er habe geklopft. Die Direktorin habe die Tür geöffnet und mit zitternder Stimme gesagt: „Hier liegen Tote.“ Am Schreibtisch habe die bereits getötete stellvertretende Direktorin gesessen. Aus einem Fenster habe er Polizisten draußen zugerufen: „Wir brauchen vier Ambulanzen. Ich weiß, der Täter ist noch da.“ Anschließend habe er sich im Zeichenraum eingeschlossen.

Kurze Zeit später hörte Heise nach seiner Aussage ein schlurfendes Geräusch auf dem Gang, öffnete die Tür und sah den vermummten Mann, der ihm die Pistole vor die Brust hielt. „Ich frage: 'Robert, was soll das, hast Du geschossen?'“ Er habe dem 19-Jährigen dann gesagt: „Kannst mich erschießen, aber sieh mir dabei in die Augen.“ Darauf habe der Amokläufer geantwortet, „Nein, Herr Heise, für heute reicht's“, und seine Pistole hingelegt.

Der Studienrat schlug nach eigenen Angaben Robert S. vor, über alles zu reden. Der ehemalige Schüler habe eingewilligt. „Ich mache dann die Tür auf, stoße ihn ins Materialzimmer und schließe ab. Dann habe ich die Polizei angerufen.“ Das sei um 11.16 Uhr gewesen, also sechs Minuten, nachdem der Amokläufer einen Polizeiobermeister erschossen hatte. „Als die Polizei die Tür des Raumes aufgeschlossen hat, wo Robert drin war, da war er tot.“

Hunderte Patronen auf der Toilette

Die Polizei fand in der Schule außerdem noch 500 Schuss scharfe Munition. Die Patronen seien in einer Toilette entdeckt worden, teilte ein Sprecher der Ermittler in der Nacht zum Samstag mit. In der Wohnung der Eltern des Massenmörders seien ebenfalls mehr als Hundert Schuss Munition entdeckt worden.

Der 19-Jährige sei außerdem Mitglied eines Schützenvereins gewesen. Er habe deswegen auch eine Waffenbesitzkarte gehabt.

Der Sender Antenne Thüringen berichtete, der Amokläufer sei vor einigen Wochen von der Schule verwiesen worden, weil er Krankenscheine gefälscht haben soll.

Zahl der Toten korrigiert

Die Polizei korrigierte am Samstagmorgen die Zahl der Toten auf 17. Außer dem Täter, einem Polizisten und zwei Schülern seien 13 Lehrer ums Leben gekommen, sagte ein Sprecher. Bisher war die Zahl der toten Schulangestellten mit 14 angegeben worden. Eine bislang für tot erklärte Sekretärin lebt.

Die Polizei begründete dies mit einem Übermittlungsfehler zwischen Sondereinsatzkommando und Ärzten in der Schule sowie den Polizisten vor dem Gebäude. Auch bei den zwei toten Schülern korrigierte die Polizei ihre früheren Angaben, wonach zwei Mädchen getötet worden seien. Es handele sich um ein 14-jähriges Mädchen und einen 15-jährigen Jungen.

Der Tag des Grauens

Mit einer Pump-Gun und einer Pistole bewaffnet hatte der ehemalige Schüler des Gymnasiums die Menschen ermordet.

Die Einsatzkräfte waren am Freitag um 11.05 Uhr durch einen Telefonanruf aus dem Gymnasium „Johann Gutenberg“ alarmiert worden: „Hier in der Schule wird geschossen“, meldete der Hausmeister.

In kürzester Zeit waren Sondereinsatzkommandos und bis zu 60 Rettungsfahrzeuge am Ort. Bei ihrem Eintreffen war der Kugelhagel auf Lehrer und Schüler schon vorbei. Auch die Polizisten seien sofort beschossen worden, sagte der Erfurter Polizeichef Manfred Grube. Dabei sei einer der Beamten gestorben. Zwei Tote hätten bereits im Eingangsbereich gelegen. Die Polizisten hätten sich zunächst zurückgezogen. Den Spezialkräften habe sich ein Bild des Grauens geboten. Auf den Gängen und einer Toilette hätten Leichen gelegen.

Aus dem Abi gerissen

Als sie die Schüsse hörten, saßen zahlreiche Abiturienten gerade über ihren Prüfungen. Sie flohen und verbarrikadierten sich in der Aula. In erschütternden Handy-Anrufen schilderten sie, was sie mitangesehen hatten. Insgesamt 180 Schüler, die während der Bluttat im Gebäude ausharrten, konnten in Sicherheit gebracht werden. Insgesamt zählt das Gymnasium 750 Schüler.

Am Mittag zog sich der Täter den Angaben zufolge in ein leeres Klassenzimmer zurück. Als sich die Polizisten dem Amokläufer genähert hätten, habe er sich selbst getötet, so Grube. Er war nach bisherigen Erkenntnissen mit einer Pump-Gun und einer Handfeuerwaffe bewaffnet, schwarz gekleidet und trug zudem schwarze Handschuhe und eine schwarze Mütze.

Mehr Tote als in Littleton

Die Bluttat ist nicht nur für deutsche Verhältnisse beispiellos. An vergleichbaren Amokläufen waren bisher lediglich zwei bekannt: Im April 1999 töteten zwei Jugendliche an einer Highschool in Littleton im US-Bundesstaat Colorado zwölf Schüler und einen Lehrer. Anschließend erschossen sich die Täter.  Drei Jahre zuvor, im März 1996, starben beim schlimmsten Massaker der jüngeren britischen Kriminalgeschichte in der Turnhalle der Grundschule von Dunblane in Schottland elf Mädchen, fünf Jungen und eine Lehrerin. Der Pistolenschütze, ein entlassener Jugendbetreuer, richtete sich selbst.

In Deutschland war erst im Februar bei einem Amoklauf im bayerischen Freising in einer Berufsschule ein Lehrer erschossen worden. Der Täter, der zuvor zwei Männer in einer Firma erschossen hatte, richtete sich ebenfalls selbst.


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Happy End:

Interessant wie focus und Spiegel

 
29.04.02 07:34
die "entwaffnende" Situation unterschiedlich darlegen.

Zudem ist in beiden Berichten das Ganze anders dargestellt, als der Lehrer es gestern im n-tv-Interview berichtet hat..... (z.B. ist von der Aufforderung des Lehrers, die Pistole wieder an sich zu nehmen, gar nichts mehr zu lesen...)

Wirst schon Recht haben, boxenbauer, nur ist es erstaunlich, dass die Medien ebenso agieren....

Gruß    
Happy End
Antworten
JOHN MILLNER:

für mich stellt sich ausserdem die frage ...

 
29.04.02 08:25
... im tv war zu sehen, wie der kerl aus dem fenster geschossen hat .... die reporter hatten ihn also vor der linse ... die scharfschützen aber nicht vor dem zielfernrohr ????
Antworten
Elend:

Was mich so anbricht ...

 
29.04.02 09:54
ist der ständige Vergleich "Das schlimmste Ereignis seit ..." oder "Mehr Tote als in Littleton ...".

Jedes Ereignis ist schrecklich (kein MEHR schrecklich oder WENIGER schrecklich !!!). Müssen sich die Ereignisse denn überbieten, damit wir sie akzeptieren oder davor erschrecken ? Soviel zur emotinalen Lage.

Außerdem ist es (Verzeihung, daß dieser Schwenk kommt) aus mathematischer/statistischer Sicht seit der Urzeit nicht schlimmer geworden. Der Prozentsatz der Gewalttaten ist gleich geblieben und die Heftigkeit ebenfalls. Zwar ist die Zahl der "verfügbaren" Opfer gestiegen, da jedoch auch die Bevölkerung im gleichen Maße gewachsen ist, bleibt das Opfer-Bevölkerungsverhältnis ebenfalls gleich. Einzig die Häufigkeit der Berichterstattung und die Zahl der Quellen, aus denen immer neue Teile kommen und alte verfälscht werden, ist dermaßen drastisch gestiegen, daß es einem vorkommt, es wäre schlimmer. Ein Jack the Ripper steht abends und morgens in der Zeitung, ein Robert S kommt alle 5 Minuten auf allen Kanälen.

Ebenso schrecklich ist wiedereinmal das "Fernseh und Video"-Symptom ... WARUM GLOTZT DER DENN SON SCHEISS ... NA ? Vielleicht erstmal der Gesellschaft den Finger zeigen (aber das wäre für diese brutal "WIR ??? NIEMALS !!!") und außerdem benötigt die Lösung der gesellschaftlichen Probleme tiefgreifende Ansätze und Methoden (viel zu tief für Otto-Normal-Verbraucher/Politiker).
Antworten
HerbK:

Hat jemand eine grünen für Boxengeier? o.T.

 
29.04.02 09:58
Antworten
sash2811:

Gesamtsituation Deutschland

 
29.04.02 10:13
Wir leben schon in einem komischen Staat.
Egal ob man den Rechtsradikalismus oder den jetzigen Amoklauf heranzieht.
Nehmen wir mal das Thema "Rechts": Die Politik ist darauf aus, diese Gruppierungen auszutrocknen, aber muss dann jeden Heilig Abend nachmittags "Steiner- Das Eiserne Kreuz" laufen?
Ebenso der Amoklauf in Erfurt. Natürlich ist diese Tat grauenvoll, aber muss deswegen sofort jeder Sportschütze ( es gibt davon ca. 600.000 in Deutschland) in der Presse sofort zum potetiellen Amokläufer verarbeitet werden?
Es wird immer hinterher im Eiltempo gehandelt anstatt sich Gedanken zu machen, ob bei genauerem Hinsehen und Zuhören die Tat nicht hätte verhindert werden können.
Komische Gesellschaft, bei der nur die Leistungsträger hochgehalten werden und die Schlechteren durchs Raster fallen. Traurig aber wahr. Solche Taten werden wieder passieren. Auf der ganzen Welt.

sash
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avantgarde:

@ Sash gebe Dir bis auf die letzten Sätze recht

 
29.04.02 10:25
aber in Deutschland ist es mE eben nicht so, daß die Leiustungsträger gefördert werden, und die schlechten durchs Raster fallen. Vielmehr werden die guten so  weit runtergezogen, bis sie irgendwann einfach nicht mehr Leistungsträger sind. Dagegen werden die Schlechten derart lange gestützt, woraufhin den Sinn der Eigenverantwortlichkeit völlig ablegen.

Direkt zum Thema:

Erfurt wird wohl weltweit die nächsten Jahre in Erinnerung bleiben. Doch ich sehe das Problem - wie einige andere hier auch  - nicht bei den Computerspielen oder Videofilmen, sondern direkt bei den Medien. Wenn es nicht eine derartige Verherrlichung der Gewalt im TV gäb eund auf jedes Opfer direkt mit der Kamera gezeigt werden würde, würden sich auch nicht so viele Menschen (oder in diesem Fall Kinder) dazu ermutigt fühlen, selbiges noch zu überbieten. In meinen Augen setzen die Medien alles auf Sensation, un nichts mehr auf Fakten. Daher wird es weitere solche Taten geben, leider wohl mit Tätern, die wieder versuchen werden, den Schadensfaktor weiter nach oben zu treiben.

Allerdings sind die Kino- und Video-Filme unsererzeit schon recht brutal und unmenschlich. Kein Film in dem nicht irgendwann jemand geschlagen wird oder eine Waffe gezeigt wird. Kaltherzigkeit allerorts, die sich auf nervenschwache Zuseher überträgt. ..

Aber eines muß uns bewußt sein! Es wird sich nichts ändern, wenn wir, die Verbraucher, unser Verhalten auch gegenüber derartigen Nachrichten und Filmen nicht ändern. Wenn kein Mensch die Nachrichten sehen würde, dann würden die Medien es nicht mehr bringen. Und wenn keiner mehr in Gewaltfilme geht, dann werden auch diese nicht mehr produziert.

Dafür aber ist der Mensch zu neugierig veranlagt, udn wir sind in diesem ganzen Schlammssel schon zu weit drin.

Avantgarde
Antworten
HerbK:

@sash2811 erinnert Ihr Euch an MC Donald Werbung

 
29.04.02 10:33
in welcher Thomea Gottschalk die Frage stellte weshalb MC-Donald wenn doch eh keiner hin (laut Meinungsumfragen) geht?
Beantwortet mir bitte, weshalb die Bildzeitung immer noch die meistgelesene Tageszeitung in Deutschland ist.
Und es ist scheinbar auch noch niemanden aufgefallen, das fast immer die niveaulosesten Sendungen die höchsten Einschaltquoten haben.
Unsere Medien sind nichts anderes als ein Spiegel dieser Gesellschaft. Sie zeigen das, was gesehen werden will.
HerbK
Antworten
sash2811:

Richtig Avantgarde

 
29.04.02 10:37
Ich geb dir vollkommen Recht geben.

Denn heutigen Medien geht es nicht mehr um sauber recherchierte Berichte, sondern es müssen auf den Bilder, egal ob "nur" Verkehrstote oder auch Kriegsopfer möglichst viel Blut und Körperteile zu sehen sein. Denn der sensationssüchtige Teil der Bevölkerung will seinen Durst gestillt wissen. Und nur das bringt Quoten. Leider!
Als Schluss möchte ich ein Zitat von Tolstoi anführen: "Kein Tier ist so grausam wie der Mensch"
Antworten
Überzieher:

ich kann nichts

 
29.04.02 11:56
Hallo

erklären, aber Du stellst meiner Meinung nach nach korrekte Fragen.


fG
Antworten
avantgarde:

auch noch ein Sprichwort

 
29.04.02 12:00
Nehmen Sie die Menschen, wie sie sind, andere gibt es nicht.
KONRAD ADENAUER
deutscher Bundeskanzler (CDU)
05.01.1876 - 19.04.1967

avantgarde

Antworten
Thomastrada.:

@happy

 
29.04.02 12:03
Zu Spiegelstrich 2:
Es gibt Schlösser, bei denen dies möglich ist.

Gruß,
T.
Antworten
Happy End:

@Thomastradamus

 
29.04.02 12:07
...aber dann müsste er doch von außen einen zweiten Schlüssel einstecken, oder?

Gruß    
Happy End
Antworten
Happy End:

aber viel interessanter finde ich

 
29.04.02 12:08
den Aspekt mir der Pistole...  
Antworten
Thomastrada.:

ähhh.... ja

 
29.04.02 12:25
denselben Schlüssel zur gleichen Zeit sowohl innen als auch außen einstecken zu können halte ich für unmöglich - das meinst Du also!?!

Gruß,
T.
Antworten
blindfish:

@happy, boxenbauer

 
29.04.02 12:28
happy, deine erste frage stelle ich mir auch schon die ganze zeit. außerdem war die situation aus der erzählung doch so, daß der täter die pistole ablegte, um mit dem lehrer zu reden - hätte man zur pistole nicht die pumpgun dazulegen können und genau dies machen (reden)!? o.k., vermutlich ist es einfach, hier zu reden, statt in der situation gewesen zu sein... ich möchte das verhalten des täters auch nicht entschuldigen, aber die ursachensuche sollte endlich nicht nur medienwirksames gequatsche bleiben.

ein freund von mir z.b. scheiterte ebenfalls am abi wegen EINEM fach (englisch) und damit EINER lehrerin - sie sah zwar, daß er sich das letzte jahr wirklich anstrengte, konnte ihm aber keine vier statt einer fünf geben - ich weiß nicht, ob manche lehrer sich noch gedanken darüber machen, daß sie unter umständen mit so einem urteil ein ganzes leben zerstören, obwohl er vielleicht ein weltklasseinformatiker wäre...

ich bin wirklich traurig - vor allem darüber, daß toleranz, aufmerksamkeit oder hinhören nur einem gewichen sind: egoistische geld - und machtbesessenheit in einer viel zu schnellen welt...

blindfish
Antworten
Zick-Zock:

@blindfish, wegen informatiker + abi....

 
29.04.02 12:41
eine erfolgreiche it-laufbahn (besonders programmierer),
muss nichts mit dem schulabschluss gemein haben.

den großteil der skillz lernst du nicht auf der uni
oder von irgend einem verstaubten prof, sorry!
Antworten
Elend:

@blindfish: Kann mich ZickZock nur anschließen

 
29.04.02 12:47
Habe selber Abitur gemacht und im Studium danach festgestellt, daß Informatik (jedenfalls an der TU Berlin) so ziemlich völlig fürs Gesäß ist. Nun bin ich selbständig. Besserer Umsatz, interessante Projekte, einfach gut. Das Wissen dazu habe ich mir persönlich in den letzten 20 Jahren privat angeeignet.
Antworten
blindfish:

zickzock, elend - ihr habt schon recht...

 
29.04.02 12:54
(war ja auch nur ein Beispiel) - aus der sicht eines gescheiterten abiturienten sieht das oft aber anders aus, weil diese erkenntnisse oder realitäten eben erst später, z.b. im studium (siehe elend), sichtbar werden...

gruß, blindfish
Antworten
loge:

@blindfish

 
29.04.02 13:07
Das ist Unsinn. Jemand, der ein super Informatiker geworden wäre, ist in der Lage, in English mindestens eine 3 zu machen. Wer in English nur eine 5 hinbekommt, obwohl er sich anstrengt, ist nicht intelligent genug. Das ist nunmal so. Sehr intelligente Leute, die schlechte Noten hatten, wollten nicht. Er hätte also noch super Sportler werden können oder Künstler, aber für die allgemeine Hochschulreife reicht es zu Recht nicht.

Deine Ansicht ist genau das, woran unser Schulsystem krankt. Die Angst, Leistungen zu bewerten. Aber: Gute Schüler gibt es nicht ohne schlechte.
Antworten
Fort Knox:

@loge

 
29.04.02 13:16
Totaler "Schmarrn" den du da verzapfst!
Einstein ist 2 mal durchgefallen.... und war wohl unbestritten ein Genie!

Gruß
     Fort Knox
Antworten
Überzieher:

Fragen über Fragen.....

 
29.04.02 13:18


und letzlich enden wir bei der Strafe. Ich darf nicht Fragen.


Ist die Frage hier von jemandem gestellt dann MUSS er die gnadenlosen Fakten hier auch erlauben dürfen.


ERFURT ist mir doch egal.


fG  
Antworten
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