Interviews 30.12.2009, 14:37
„Ähnlich weitreichend wie einst die Einführung des Katalysators“ - Interview mitErik Ulsteen, Präsident und CEO, Emission & Power Solutions (EPS)
Sind die großen Automobilhersteller nicht kreativ genug? Es scheint fast so, anders ist nicht zu erklären, weshalb kleine Innovationsschmieden wie die britisch-amerikanische EPS „Cutting Edge-Technologien“ zur Kraftstoff- und Schadstoffreduzierung entwickeln können. Das GoingPublic Magazin sprach mit Unternehmenschef Erik Ulsteen.
GoingPublic: Herr Ulsteen, Ihr Unternehmen ist hierzulande noch nicht so bekannt. Was genau macht EPS?
Ulsteen: Wir beschäftigen uns mit der Entwicklung, Herstellung, Vermarktung und dem Vertrieb von innovativen Produkten, die bei Diesel- und Benzinmotoren die Kraftstoffeffizienz erhöhen und umweltschädliche Emissionen reduzieren helfen. EPS wurde 2003 ins Leben gerufen. Wir haben uns vom ersten Tag an darauf fokussiert, Technologien mit großem Potenzial zu sichern. Eines unserer Ziele war schon immer ein Börsengang, und wir sind stolz darauf, diesen im Herbst realisiert zu haben.
GoingPublic: Die Automobilindustrie gehört seit jeher zu den am härtesten umkämpften Branchen. Wie steht es da mit weiteren schmerzlichen Einschnitten bei den Kosten?
Ulsteen: Natürlich wollen die Automobilhersteller ihre Kosten drücken. Allerdings haben sie das Problem, dass neueste Abgasvorschriften dies nur schwer zulassen. Wir sind überzeugt, dass unsere Technologien dabei helfen, beide Ziele zu erreichen. EPS-Produkte kosten deutlich weniger als diejenigen, die sie ersetzen.
GoingPublic: Dem Vernehmen nach sollen Sie sich in intensiven Gesprächen unter anderem mit General Motors befinden. Können Sie uns ein wenig über den Fortgang der Sondierungen verraten?
Ulsteen: Wir stehen mit mehreren Unternehmen im Gespräch. GM ist eines der Unternehmen, die einen unserer Prototypen bestellt haben. Ich bin überzeugt davon, dass unsere Produkte das Potenzial haben, sich als ähnlich weitreichend herauszustellen wie einst der Katalysator. Das heißt beispielsweise, wenn unsere Sensortechnologie Akzeptanz findet, so würde sie bei praktisch allen großen Automobilherstellern und Dieselmotorenherstellern binnen weniger Jahre Einzug finden. Das hätte natürlich ganz erheblichen Einfluss auf unsere Erträge und das weitere Wachstum.
GoingPublic: Was war denn nun mit dem schwedischen Luxuswagenhersteller Koenigsegg, der eigentlich Saab kaufen wollte, was aber doch nicht zustande kam? Davon hatten Sie sich doch einen ersten Einzug in ein Serienfahrzeug versprochen, oder?
Ulsteen: Wir sind noch in Diskussionen mit diesen Unternehmen. Dabei möchte ich es für den Augenblick belassen. Es sind wirklich äußerst spannende Zeiten für unsere Gesellschaft.
GoingPublic: Wie sieht denn die bisherige Aktionärsstruktur von EPS aus, wer ist mit welchen Erwartungen bei Ihnen investiert?
Ulsteen: Zum Zeitpunkt des Börsengangs hatten wir bereits 350 Aktionäre. Das sind einerseits vermögende Privatpersonen, andererseits gut bekannte Banken sowie natürlich der eine oder andere Fonds. Während wir hier sprechen, denken zwei größere europäische Banken über ein Investment nach. Wir waren sehr zufrieden, dass wir hier in Europa mit einigen sehr guten kleineren Investmentbanken zusammenarbeiten konnten, was uns ausgezeichnete Kontakte beispielsweise zu wichtigen Fonds gesichert hat. Natürlich erwarten sie von uns, dass wir unseren Weg weiter beschreiten und dabei Erfolg haben. Es ist nahe liegend davon auszugehen, dass uns einige größere Player im Markt gegebenenfalls kaufen möchten, sobald sich unsere Technologie als durchschlagend erwiesen haben wird.
GoingPublic: Wie kommt es, dass eine relative kleine Firma wie Ihre einen technischen Durchbruch im Automobilbereich bewerkstelligen soll, während beispielsweise GM oder Daimler dies mit ihren 100-fach größeren F&E-Etats nicht schaffen?
Ulsteen: Es wird stets genug Raum bleiben für andere, eigene innovative Produkte auf den Markt zu bringen. Nehmen Sie als Beispiel Apple mit dem iPhone. Apple lässt andere Unternehmen die Software und Anwendungen designen, die dann auf dem iPhone laufen sollen – ein äußerst erfolgreiches Modell! Was wir machen, ist Folgendes: Wir suchen nach Produkten in fortgeschrittenen Phasen, die noch das bisschen Extraanstrengung benötigen, um sich kommerzialisieren zu lassen. In die zuvor schon erwähnte Sensortechnologie hatte die Universität von Florida bereits mehr als 5 Mio. USD investiert. Wir haben dann nochmals eine Menge draufgelegt und ein Labor für 4 Mio. USD gebaut, wo wir all die erforderlichen Tests durchführen konnten. Über 10 Mio. USD haben die Entwicklungen also schon verschlungen, aber jetzt sehen wir die Ergebnisse. Meiner Ansicht nach ist die Kombination aus einerseits den eigenen Anstrengungen der Automobilhersteller und andererseits den Ideen von außen die beste Lösung, um die Probleme von morgen anzugehen, und zwar die Verbrauchs- und Abgasreduzierung.
GoingPublic: Mit welchen Nachrichten aus Ihren laufenden Projekten heraus rechnen Sie in den nächsten 12 bis 24 Monaten?
Ulsteen: Unser Ziel ist die Bekanntgabe mindestens zwei großer Lizenzverträge mit Automobilherstellern oder OEM-Zulieferern, um unsere Kundenbasis für den FX-Reaktor auszuweiten. Wir dürften ein spannendes und zugleich sehr erfolgreiches Jahr vor uns haben. Derzeit sind wir gut dabei, weitere Mittel für eine Technologie zu allokieren, die wir eventuell bis Ende 2010 auf dem Markt haben könnten. Dabei geht es um die Reduzierung von Kohlenwasserstoffemissionen, die Teil unseres Smog-Problems sind. Das alles lässt mich erwarten, dass 2010 ein echter Durchbruch für EPS werden sollte.
GoingPublic: Herr Ulsteen, vielen Dank für das interessante Gespräch.
Das Interview führte Falko Bozicevic
Ursprünglich erschienen in der GoingPublic Ausgabe 1/2010