Eichel nähert sich der Realität


Thema
abonnieren
Beiträge: 7
Zugriffe: 601 / Heute: 1
calexa:

Eichel nähert sich der Realität

 
18.10.01 22:31
Eichel nähert sich der Realität - Ende der Schönwetter-Prophetie

"Eine Bankrotterklärung auf Raten", nannte CSU- Haushaltspolitiker Bartholomäus Kalb die drastisch nach unten korrigierten Wachstums-Annahmen des Bundesfinanzministers. In der Tat musste Hans Eichel (SPD) am Donnerstag nicht lange auf den Spott der Opposition warten.

In aller Frühe hatte er in einer Art Überraschungscoup Realismus in sein Zahlengebäude gebracht. Auch vor dem Terrorakt am 11. September in den USA hatte er monatelang immer wieder öffentlich auf die positive Trendwende in den letzten Monaten dieses Jahres spekuliert. Jetzt wollte der Minister die neuen Daten offenbar nennen, bevor er am kommenden Dienstag von neuen Hiobsbotschaften der Forschungsinstituten überrollt wird.

SCHÖNWETTER-PROPHETIE ZU ENDE

Als in den letzten Tagen immer klarer wurde, dass in den USA alles auf eine Rezession zusteuert und auch der Brüsseler Kommissar Pedro Solbes ständig die Konjunkturprognosen öffentlich nach unten dreht, war auch für Eichel kein Halten mehr. Die Schönwetter-Prophetie war zu Ende: Mit 1,0 bis 1,5 Prozent Wachstum in Deutschland sprießen nach plus 0,75 Prozent in diesem Jahr auch 2002 die Bäume nicht in den Himmel. Auswirkungen wird dies auf die Beschäftigung sowie den Bundeshaushalt 2002 und die Einhaltung der Schuldenziele haben.

Im Haushaltsentwurf 2002 war Eichel zunächst davon ausgegangen, die Zahl der Arbeitslosen im Schnitt des kommenden Jahres auf 3,48 Millionen und bis 2005 schrittweise auf 2,89 Millionen zu bringen - nach noch 4,1 Millionen im Jahr 1999. Damit hätte Bundeskanzler Gerhard Schröder als Strahlemann sein 3,5-Millionen-Ziel im Wahljahr 2002 als erreicht präsentieren können. Nunmehr werden die rot-grünen Haushaltsexperten zusammen mit Eichel dem Vernehmen nach auf mindestens 3,7 Millionen im Durchschnitt gehen.

NEUE LÜCKE BEI STEUEREINNAHMEN VON 7 MRD DM

Damit ergibt sich, wie am Rande der laufenden Haushaltsberatungen zu erfahren war, eine neue Lücke bei den Steuereinnahmen von sieben Mrd. DM, davon rund drei Mrd. beim Bund. Die erhöhten Arbeitslosenzahlen werden nach Expertenschätzung weitere vier Mrd. DM auf der Ausgabenseite erfordern: bis zu zwei Mrd. DM bei der Arbeitslosenhilfe und rund zwei Mrd. wieder als Zuschuss an die Bundesanstalt für Arbeit, den Eichel unbedingt auf Null bringen wollte. In diesem Jahr wird er von 1,2 Mrd. DM weiter auf knapp vier Mrd. DM aufgestockt werden müssen. Dennoch geht Eichel dem Vernehmen nach davon aus, die Verschuldung in diesem und im nächsten Jahr nicht ausweiten zu müssen. "Das zu halten, wird jetzt deutlich schwieriger."

Gut unterrichteten Koalitionskreisen zufolge soll dieses Ziel 2002 nicht nur mit Hilfe geringerer Zins- und Bürgschaftsaufwendungen erreicht werden, sondern zeitweise durch den Einsatz der auf mehr als zehn Mrd. DM aufgelaufenen Verfügungsreserve des Ministers aus früheren Post- und Telekom-Privatisierungen. Die Liquiditätshilfe müsste dann aber im Laufe des Jahres 2002 durch neue Privatisierungs-Schritte oder Parklösungen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau wieder eingefangen werden. Der Bund muss nämlich jährlich aus diesem Topf die Unterstützungskasse der ehemaligen Post- und Telekommunikations-Bediensteten finanzieren.

RUFE NACH VORGEZOGENEN STEUERERHÖHUNGEN

Damit erscheint das Finanzmanagement ohne neue Schulden oder Steuererhöhungen zunächst beherrschbar. Doch es gibt einige gewichtige Unbekannte, die alles über den Haufen werfen könnten. Dabei hält der Druck auf die Bundesregierung und ihre Partner in den europäischen Hauptstädten an, massiv gegen einen Konjunktureinbruch vorzugehen. Alarmstimmung erzeugten dazu jetzt die Gewerkschaften, die im europäischen Rahmen ein öffentliches Investitionsprogramm in zweistelliger Mrd.-Höhe in Euro verlangten, sowie die Arbeitgeber. Sie rufen unisono mit der Opposition nach vorgezogenen Steuererhöhungen.

Schröder und Eichel können diesen Druck nicht mehr so wegstecken, nachdem die USA und die Franzosen mit Milliarden-Programmen vorgeprescht sind. Experten gehen davon aus, dass vorsichtshalber auch in Berlin ein Paket zum Gegensteuern geschnürt wird, das erst dann ausgewickelt wird, wenn es brennt und sich die Wirtschaft mangels Signalen beim Investieren weiter verweigert. Dann aber wird es teuer auch im Haushalt. Eine unabsehbare Verschärfung des Kriegs gegen die Terroristen und ihre Helfershelfer plus Folgekosten sind in dieser Rechnung noch nicht enthalten.

So long,
Calexa
Antworten
DarkKnight:

Was wirklich los ist:

2
18.10.01 22:39
Wir werden nächstes Jahr ein Wirtschaftswachstum haben, das den ursprünglichen Schätzungen entspricht. Die Korrektur dient lediglich zur Begründung der Steuererhöhungen. Die brauchen wir aber nicht für den Haushalt, sondern für die Kriegsfolgekosten, die sich nach jüngsten Meldungen auf mind. 17 Milliarden belaufen.

Ich darf an dieser Stelle nochmal daran erinnern, daß sämtliche Prognosemodelle die Entwicklung der Aktienmärkte zu mind. 25% berücksichtigen. D. h.: eine Korrektur der Prognosen vor dem Hintergrund der Einbrüche in diesem Jahr wird (überraschenderweise???) zu Höherstufungen nächstes Jahr führen. Altes Spiel: Wahljahr+Kriegsszenario=Boomjahr 2002

Bin ich jetzt zynisch, oder zu alt, oder habe ich das einfach zu oft erlebt?
Antworten
ruhrpottzocker:

Kürzer: Man zieht sich an den eigenen Haaren

 
18.10.01 22:43
aus der Suppe.

Und das geht jetzt schon los. Weil es keine Alternative gibt. Dampf machen ist angesagt. Und Dampf wird sein.
Antworten
hjw2:

@DK..sehe noch immer 4,5 Mio. Arbeitslose im

 
18.10.01 23:53
Sommer 2002..hehe
Antworten
DarkKnight:

je mehr Arbeitslose, desto höher der Lohndruck

 
19.10.01 00:02
umso höher die Unternehmensgewinne ... soziale Marktwirtschaft braucht Arbeitslosigkeit, sonst kommen wir in die Vollbeschäftigungsfalle und das ist das Ende: Stell Dir mal vor, die Gewerkschaften hätten WIRKLICH Argumente, damned, wo kommt die Wirtschaft hin, wenn ich Dtld. ein Verdienst reichen würde, um eine Familie zu ernähren, wie in den 70ern, und gleichzeitig alle Amis oder Chinesen 18 Stunden am Tag arbeiten, z. T. incl. Kinder?

Traurig, aber wahr: wir werden das wieder erleben ... mit 39 kenne ich noch Samstagsarbeit, Kinderarbeit (in Dtld!!!) and so on ... die meisten haben das vergessen, am Ballermann
Antworten
hjw2:

ich meine 2002 wird kein Boomjahr

 
19.10.01 00:20
oder warum entlässt Linch 62.000 Leute..?
Antworten
calexa:

@ DK

 
22.10.01 11:47
Ich hoffe sehr, Du hast Recht, von wegen Wahljahr+Kriegsszenario=Boomjahr 2002!

So long,
Calexa
Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--