Aus der FTD vom 7.2.2003
Duisenberg bereitet Weg für Zinssenkungen
Von Sebastian Dullien, Berlin, und Andreas Krosta, Frankfurt
Der dramatische Absturz der deutschen Wirtschaft setzt sich fort. Die Bundesbank teilte am Donnerstag mit, dass die Auftragseingänge der deutschen Industrie im Dezember eingebrochen sind.
Nach einer Studie des Informationsdienstes Creditreform sind 2002 zudem 16,4 Prozent mehr deutsche Unternehmen bankrott gegangen als noch 2001. Die Europäische Zentralbank (EZB) signalisierte am Donnerstag, dass sie schon bald mit einer weiteren Zinssenkung auf die anhaltende Konjunkturflaute antworten könnte.
In den vergangenen Wochen deuteten Konjunkturindikatoren darauf hin, dass die Erholung in der Euro-Zone ins Stocken geraten ist. EZB-Präsident Wim Duisenberg sagte am Donnerstag, die Abschwungrisiken hätten sich verschärft. Die Äußerung signalisiert die Bereitschaft der EZB, ihre Geldpolitik zu lockern, falls sich die Konjunktur weiter abschwächen sollte. Derzeit liegt der EZB-Leitzins bei 2,75 Prozent.
Briten senken Zinsen
Duisenberg räumte ein, dass die Bank ihre interne Wachstumsprognose im Frühjahr revidieren könnte. Ökonomen nannten die Kommentare "bemerkenswert". Sie seien "deutlicher als erwartet" ausgefallen, sagte Holger Fahrinkrug, Chefvolkswirt der Investmentbank UBS Warburg. Die Bank of England reagierte bereits am Donnerstag auf die Wirtschaftsflaute. Sie senkte ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,75 Prozent.
Die Entwicklung der deutschen Auftragseingänge deutet nach Einschätzung von Experten auf neue Konjunkturrisiken hin. Nach Angaben der Bundesbank verbuchte die deutsche Industrie im Dezember preis- und saisonbereinigt 4,1 Prozent weniger Aufträge als im Vormonat. Besonders dramatisch brachen die Aufträge aus dem Ausland ein. Sie sanken um 8,7 Prozent.
Pessimistische Prognosen
Laut Jörg Krämer, Chefvolkswirt von Invesco Asset Management, ist die Exportschwäche nicht auf die jüngste Aufwertung des Euro zurückzuführen. Vielmehr habe es im Dezember weniger Großaufträge als in den Vormonaten gegeben. Laut Krämer reagieren Exporte mit einer Verzögerung von rund sechs Monaten auf Wechselkursbewegungen. Der Euro habe vor allem seit Anfang Dezember an Wert gewonnen. "Der negative Effekt der Euro-Stärke steht uns noch bevor", sagte Krämer.
Auch in der Zahl der Unternehmenspleiten spiegelt sich die Wirtschaftsschwäche wider. Nach der Studie des Informationsdienstes Creditreform stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Europa im vergangenen Jahr gegenüber 2001 um 10,7 Prozent auf 150.275. Die Zahl der deutschen Firmenpleiten wuchs um 16,4 Prozent auf 37.000 Fälle.
© 2003 Financial Times Deutschland
Duisenberg bereitet Weg für Zinssenkungen
Von Sebastian Dullien, Berlin, und Andreas Krosta, Frankfurt
Der dramatische Absturz der deutschen Wirtschaft setzt sich fort. Die Bundesbank teilte am Donnerstag mit, dass die Auftragseingänge der deutschen Industrie im Dezember eingebrochen sind.
Nach einer Studie des Informationsdienstes Creditreform sind 2002 zudem 16,4 Prozent mehr deutsche Unternehmen bankrott gegangen als noch 2001. Die Europäische Zentralbank (EZB) signalisierte am Donnerstag, dass sie schon bald mit einer weiteren Zinssenkung auf die anhaltende Konjunkturflaute antworten könnte.
In den vergangenen Wochen deuteten Konjunkturindikatoren darauf hin, dass die Erholung in der Euro-Zone ins Stocken geraten ist. EZB-Präsident Wim Duisenberg sagte am Donnerstag, die Abschwungrisiken hätten sich verschärft. Die Äußerung signalisiert die Bereitschaft der EZB, ihre Geldpolitik zu lockern, falls sich die Konjunktur weiter abschwächen sollte. Derzeit liegt der EZB-Leitzins bei 2,75 Prozent.
Briten senken Zinsen
Duisenberg räumte ein, dass die Bank ihre interne Wachstumsprognose im Frühjahr revidieren könnte. Ökonomen nannten die Kommentare "bemerkenswert". Sie seien "deutlicher als erwartet" ausgefallen, sagte Holger Fahrinkrug, Chefvolkswirt der Investmentbank UBS Warburg. Die Bank of England reagierte bereits am Donnerstag auf die Wirtschaftsflaute. Sie senkte ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,75 Prozent.
Die Entwicklung der deutschen Auftragseingänge deutet nach Einschätzung von Experten auf neue Konjunkturrisiken hin. Nach Angaben der Bundesbank verbuchte die deutsche Industrie im Dezember preis- und saisonbereinigt 4,1 Prozent weniger Aufträge als im Vormonat. Besonders dramatisch brachen die Aufträge aus dem Ausland ein. Sie sanken um 8,7 Prozent.
Pessimistische Prognosen
Laut Jörg Krämer, Chefvolkswirt von Invesco Asset Management, ist die Exportschwäche nicht auf die jüngste Aufwertung des Euro zurückzuführen. Vielmehr habe es im Dezember weniger Großaufträge als in den Vormonaten gegeben. Laut Krämer reagieren Exporte mit einer Verzögerung von rund sechs Monaten auf Wechselkursbewegungen. Der Euro habe vor allem seit Anfang Dezember an Wert gewonnen. "Der negative Effekt der Euro-Stärke steht uns noch bevor", sagte Krämer.
Auch in der Zahl der Unternehmenspleiten spiegelt sich die Wirtschaftsschwäche wider. Nach der Studie des Informationsdienstes Creditreform stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Europa im vergangenen Jahr gegenüber 2001 um 10,7 Prozent auf 150.275. Die Zahl der deutschen Firmenpleiten wuchs um 16,4 Prozent auf 37.000 Fälle.
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