Anklage gegen Ex-Vorzeige-Unternehmer Lars Windhorst
In den 90er Jahren galt Lars Windhorst noch als eine Art "Wunderkind" unter Deutschlands Unternehmern. Legendär sind die Bilder, die den damals 18-jährigen zusammen mit Kanzler Helmut Kohl bei dessen Asienbesuch 1995 zeigten. Doch inzwischen ist der Ruhm des Unternehmers verblasst. Dafür sorgten mehrere Pleiten und eine spektakuläre Privatinsolvenz aus dem Jahr 2004. Jetzt droht Windhorst neues Ungemach. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben: Dem 32-Jährigen werden Betrug, Untreue und Insolvenzverschleppung zur Last gelegt, teilte Staatsanwaltssprecher Michael Grunwald mit.
Firmengelder sollen auf Privatkonten von Windhorst geflossen sein
Als Geschäftsführer soll Windhorst für zwei nach ihm benannte Firmen trotz Zahlungsunfähigkeit keine Insolvenz angemeldet haben, in einem weiteren Fall erst verspätet. Zudem sollen für eine GmbH über mehrere Jahre keine Jahresbilanzen erstellt worden sein. Ein weiterer Vorwurf lautet auf Untreue. So sollen rund 4,8 Millionen Euro zwischen März 2002 und März 2004 vom Konto einer von Windhorst geführten Aktiengesellschaft auf das Privatkonto des Angeschuldigten geflossen sein.
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Falsche Angaben bei Privatdarlehen
Zudem soll sich der Jung-Unternehmer laut den Ermittlungen 2001 durch falsche Angaben ein Privatdarlehen über 20 Millionen Mark erschlichen haben. Dabei soll er schon bei Abschluss des Darlehens damit gerechnet haben, das Geld nicht fristgerecht zurückzahlen zu können. Der als Sicherheit gegebene Privat-Anteil an einer seiner Gesellschaften soll aber nicht 6 Millionen Mark betragen haben, sondern wertlos gewesen sein. Nur ein kleiner Teil sei zurückgezahlt worden.
Komplexes Firmengeflecht
Wegen des Verdachts der Beihilfe zum Betrug sei in diesem Zusammenhang ein 48-jähriger Ex-Bankmitarbeiter in Luxemburg mitangeklagt, teilte der Sprecher weiter mit. Er soll die Beschaffung des Millionen-Darlehens unterstützt haben. Die Anklagebehörde hatte über Jahre ermittelt und ein kompliziertes Firmengeflecht durchleuchtet.
Firmengründung mit 16 Jahren
Der aus Ostwestfalen stammende Windhorst hatte schon als 16-Jähriger ein Unternehmen für Computerzubehör gegründet. Doch inzwischen gehen mehre Pleiten auf das Konto des Unternehmers. Zuletzt hatte Windhorst als einer der Geschäftsführer der Berliner Beteiligungsgesellschaft Vatas Ende Januar Insolvenz angemeldet.
wirtschaft.t-online.de/c/18/16/87/48/18168748.html