Krisen-SMS von der Handy-Branche
von Notker Blechner
Alljährlich Mitte Februar piept und klingelt es in Barcelonas Straßen besonders. Eine Woche lang treffen sich die Handyhersteller zur weltgrößten Branchenmesse "Mobile World" in Kataloniens Metropole. In diesem Jahr aber verzerrt die Krise die Klingeltöne etwas.
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Nokia setzt auf Mobilfunk-Dienste
Denn mit diesen lässt sich noch gut Geld verdienen. Vier Fünftel der Branchenumsätze werden mit Mobilfunk-Diensten gemacht. Für 2009 prognostizieren Marktexperten hierfür einen Umsatz von 950 Milliarden Dollar – das wäre ein Plus von neun Prozent. Laut einer Studie von Nielsen wird die Nutzung mobiler Dienste in Zukunft stark zunehmen. 41 Prozent der europäischen und 71 Prozent der amerikanischen Handy-Nutzer planen, demnächst täglich unterwegs Daten-Dienste zu nutzen. Deshalb will sich Nokia verstärkt als Dienste-Anbieter etablieren. In Barcelona kündigte der Weltmarktführer einen Software-Marktplatz namens Ovi Store nach dem Vorbild des App Store von Apple an. Der Ovi Store soll im Mai starten und die Angebote an Musik, Spielen und Navigationsdiensten bündeln.
Hoffnungsträger Smartphones
Unter den Handys floriert lediglich das Geschäft mit den Smartphones – einer Mischung aus Handy und Computer. Ihr Absatz kletterte im vergangenen Jahr nach Schätzungen von Nokia um fast 38 Prozent auf 161 Millionen Stück. Frischen Wind in den Markt hat Apple mit seinem iPhone gebracht. Für zusätzliche Konkurrenz sorgt nun das Google-Handy G1. Es könnte zum Verkaufsschlager in Deutschland werden. Laut einer Umfrage von Accenture könnten bis zu einer Million Geräte in diesem Jahr verkauft werden. Davon würde T-Mobile profitieren. Die Telekom-Tochter ist Vertriebspartner von Google.
Mobilfunkbetreiber spüren noch keine Krise
Die Krise dürfte die Mobilfunkbetreiber weniger hart treffen als die Handyhersteller. Denn telefoniert wird immer. Und die Zahl der Mobilfunk-Kunden dürfte auch in diesem Jahr weiter steigen. Allein in Indien werden jeden Monat zehn Millionen neue Mobilfunk-Kunden registriert. Branchenexperten sagen einen weltweiten Anstieg der Anschlüsse von rund vier Milliarden im vergangenen Jahr auf 4,5 Milliarden 2009 voraus. Ericsson-Chef Carl-Henric Svanberg weiß warum. In früheren Krisen "haben die Leute auf ihr Mobiltelefon verzichtet und das Festnetz genutzt. Heute melden sie ihren Festnetzanschluss ab und setzen auf das Handy." Folglich sieht er für die Mobilfunkanbieter derzeit "keine Telekom-Krise".
Auch T-Mobile spürt derzeit noch keine Krisen-Folgen. "Bislang haben wir davon nicht viel bemerkt", sagte T-Mobile-Chef Hamid Akhavan der Tageszeitung "Die Welt". Selbst unter dem prognostizierten Rückgang der Handys würde T-Mobile nicht unbedingt leiden. "Wenn die Leute ihre alten Handys behalten und weiterhin unsere Dienste nutzen, steigert das sogar unsere Profitabilität als Mobilfunk-Anbieter, da wir die neuen Geräte subventionieren", sagte er.
Der Handypreis-Verfall und die wachsende Zahl von Flatrate-Angeboten belastet aber die Gewinnmarge der Mobilfunkanbieter. T-Mobile-Manager Akhavan sieht noch kein Ende der Talfahrt. Die Handy-Preise dürften weiter fallen, wenn auch etwas langsamer.
Unsicherheit bei Ausrüstern
Noch ist die Welt der Netzbetreiber heil. Doch viele Experten gehen laut "Handelsblatt" davon aus, dass sie große Investitionen in der Krise zurückfahren. Dies würde die Telekom-Ausrüster wie Ericsson oder Alcatel-Lucent treffen. Sie hängen am Tropf der Netzbetreiber. Ericsson-Chef Svanberg widerspricht den Experten. Er glaubt nicht, dass die Netzbetreiber ihre Investitionen kürzen. Sie seien finanziell gut aufgestellt, und die Netze seien inzwischen auf Grund der hohen Nachfrage am Ende ihrer Kapazität angekommen.
boerse.ard.de
Niemals schlafen, niemals ruhen, Leute, es gibt viel zu tun
Viel zu lang schon nichts getan...Kommt, stellt die Maschinen an!