ein eher mäßiges Vilanek-Interview aus der (Print)-Süddeutschen vom 26. Oktober 2011. Es fehlt wohl ein Stück vom Anfang, aber ich kann's auch nur so durchreichen, wie ich es bekommen habe ;)
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SZ: Was kommt denn noch auf die Gesellschaft zu?
Vilanek: Bisher bedeutet ein Handy ja im wesentlichen telefonieren, mailen, im Internet surfen. In zehn Jahren steckt im Handy unsere ganze Identität. Blutdruck, Gesundheit, Spenderausweis, alle Daten werden immer verfügbar sein. Mehr noch: Das Gerät wird unseren Gemütszustand erkennen können. Es wird entscheiden, welchen Anruf es annimmt und welchen nicht.
SZ: Das ist erschreckend.
Vilanek: Das ist toll. Das macht frei.
SZ: Man könnte auch sagen, es ist die totale Kontrolle.
Vilanek: Niemand muss sich darauf einlassen. Das ist wie mit der Mailfunktion an meinem Blackberry oder iPhone. Ich kann sie auch ausschalten.
SZ: Na gut. Und wird diese schöne neue Handy-Welt teuer?
Vilanek: Nein. Natürlich wird es mehr Bezahlfunktionen auf dem Handy geben, kostenpflichtige Apps und so weiter. In der Summe aber führte das Handy zu mehr Gleichheit. Wie war das denn vor 40 Jahren: Da war der Festnetzanschluss Luxus. Heute hat jeder ein Handy. Wir haben viele Kunden mit knappen Etats. Die kommen trotzdem zurecht - dank Prepaid-Karte und W-Lan.
SZ: Freenet ist ein sogenannter Service-Provider. Das heißt, Sie bieten Mobilfunkverträge an. Das ist Ihr Kerngeschäft. Verstärkt wollen Sie auch Gerätehändler sein. Sie haben eine in der Branche beachtete Kooperation mit der auf Apple spezialisierten Handelskette Gravis geschlossen. Was halten Sie von dem iPad?
Vilanek: Das ist eine große Sache. Das iPad ist der einzige Tablet-Computer, der überleben wird. Die Mischung aus Bedienfreundlichkeit und Image ist unschlagbar. Wir sind sehr stolz, dass wir jetzt Zugang zu allen Apple-Produkten haben. Wir wollen nicht nur iPhones verkaufen, sondern die ganze Palette bis zum stationären Computer.
SZ: Haben Sie keine Sorge, dass sie ausgerechnet jetzt ein bald lahmendes Pferd besteigen? Der Apple-Konzern ohne seinen Gründer Steve Jobs, das wirft für viele Fragen auf.
Vilanek: Das sehe ich überhaupt nicht. Die Apple-Pipeline ist auf Jahre voll. Die haben einen solchen Vorsprung, da mache ich mir wirklich keine Sorgen.
SZ: Als Freenet-Chef sind Sie ja erst seit zwei Jahren im Amt. Sie haben ein ziemlich marodes Unternehmen übernommen und angekündigt, es in zwei Jahren zu drehen? Wo stehen Sie heute?
Vilanek: Genau da, wohin ich damals wollte.
SZ: Woran machen Sie das fest?
Vilanek: An den Zahlen. Wir machen mit 4000 Menschen drei Milliarden Euro Umsatz und 12 Prozent Ergebnis. Aber auch an Atmosphärischem. Wir unterhalten uns in Vorstandssitzungen und in der Kaffeeküche nicht mehr nur über verpasste Chancen, IT-Probleme und so etwas. Sondern wir reden über neue Strategien, neue Vertriebswege. Die Stimmung ist unglaublich gut. Wir sind Aufbruch.
SZ: Aufbruch wohin?
Vilanek: Sim-Karten zu verkaufen, kann ja nicht alles sein, auch das Handeln mit Geräten ist herkömmlich. Meine Aufgabe als Vorstandschef ist es, uns andere, neue Geschäfte zu erschließen, die das Unternehmen weit in die Zukunft tragen.
SZ: Klingt gut.
Vilanek: Wird auch gut. Ich nenne nur ein Beispiel: Sicherheitssysteme für zu Hause. Die Steuerung der Elektrizität, der Heizung, der Alarmsysteme. Man kann sich damit begnügen, die entsprechenden Geräte zu verkaufen. Oder man bietet die Komplettbetreuung an, inklusive Wartung. Da will ich hin.
Quelle: SZ Nr. 247