Den nächsten Aufschwung werden die Unternehmen anführen, die in der Rezession von den Problemen ihrer Konkurrenz profitieren
Berlin - Im Boom waren sie nur Zweiter. Jetzt, in der Rezession, hat Micron Technologies es geschafft: Die US-Amerikaner sind Marktführer unter den Speicherchip-Herstellern. Technologisch gut aufgestellt und mit finanziellem Polster versehen, haben sie die Branchenkrise geschickt für sich genutzt: Erst übernahmen sie die Chipsparte von Toshiba. Und nun werden sie wohl Infineon den Speicher-Bereich von Hynix vor der Nase wegschnappen. "Micron ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Starken gerade im Abschwung immer stärker werden", sagt Klaus Hagedorn, Portfolio-Manager und High-Tech-Spezialist beim Bankhaus Metzler. Und genau nach solch gut aufgestellten Unternehmen, die die gnadenlose Selektion in der Rezession meistern können, sollten auch langfristig orientierte Anleger Ausschau halten.
"Krisenfeste Unternehmen haben in wirtschaftlich schwachen Zeiten gleich mehrere Vorteile", sagt André Jäkel, Analyst bei ABN Amro. "Vor allem haben sie das notwendige wirtschaftliche Fundament, um den Abschwung auszusitzen." Konkurrenten müssten reihenweise aufgeben oder würden, wie im Fall Micron/Hynix, günstig vom Stärkeren aufgekauft. Ein zweiter Aspekt sind die Kunden. "Viele Unternehmen, die etwa die Software eines angeschlagenen Herstellers einsetzen, wenden sich den Großen der Branche zu", vermutet Jäkel. Gerade im Softwarebereich komme es ja durch technischen Support und nötige Updates zu jahrelangen Bindungen. "Das Risiko, dass ihr Software-Ausrüster Pleite geht, wollen die wenigsten Unternehmen eingehen", erläutert der Analyst. Folge: Die Großen - wie zum Beispiel SAP - gewinnen Marktanteile, bei den Kleinen verteilen sich die Fixkosten auf immer weniger Kunden, was die Margen weiter unter Druck bringt - ein Teufelskreislauf.
Und der betrifft am Ende auch die Mitarbeiter. Denn wie es um ein - börsennotiertes - Unternehmen steht, drückt schließlich der Aktienkurs aus. Fällt der zu stark, geraten auch die häufig als Lockmittel eingesetzten Optionen der Mitarbeiter "unter Wasser", was bis zum Verfall der Papiere führen kann. "Oft genug haben hoch qualifizierte Leute dann die Nase voll, wollen um jeden Preis zu den sicheren Arbeitgebern", sagt Edward Kerschner, der die krisenfesten Aktien für die UBS Warburg in einer Studie analysiert hat. So kommen die "Großen" auch noch günstig an das Personal, das sich andere zu Boom-Zeiten mühsam und teuer zusammengesucht haben.
Doch auch Top-Leute, die im Laufe der Rezession auf der Straße landeten, können für die gut aufgestellten Unternehmen ein gefundenes Fressen sein. "Das Bankhaus Lehman Brothers zum Beispiel, hat durch striktes Kostenmanagement und Verzicht auf kostspielige Zukäufe seine Ertragssituation sehr stabil gehalten", so Kerschner. Während andere Banken im Bärenmarkt reihenweise ihre Investmentbanker feuerten, pickt sich Lehman nun antizyklisch die besten heraus - und rüstet sich bereits wieder für den erhofften Aufschwung.
Es gibt weitere Beispiele von Unternehmen, die in der Krise die Basis für ein großes Comeback legen. "Cisco Systems ist sicher eine solche Firma", sagt ABN-Mann Jäkel. Der Netzwerkausrüster aus San Jose habe bereits 1994 und 1998 schwere Krisen zu meistern gehabt, sei beide Male als großer Sieger aus dem Verdrängungswettkampf hervorgegangen. So könnte es auch diesmal laufen: Cisco baute seinen Marktanteil bei Routern, den "Internet-Kreuzungen", im vierten Quartal 2001 auf 69 Prozent aus, der einst gefürchtete Konkurrent Juniper rutschte von 32 auf 27 Prozent ab. "Und mit seiner gesunden Kapitaldecke kann Cisco auch wichtige Investitionen in Forschung und Entwicklung tätigen", so Jäkel. "Auf diese Weise nutzt die Firma die Rezession, um an deren Ende mit einem technologischen Vorsprung in die nächste Runde zu gehen."
Im Rohstoff-Bereich hat UBS-Analyst Kerschner den Aluminiumverarbeiter Alcoa als Top-Wert ausgemacht. "Die Lücke zum Hauptwettbewerber Alcan hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter vergrößert", meint Kerschner. Das lag nicht an der Größe allein. Alcoa lege eine für das kapitalintensive Rohstoffgeschäft einzigartige Effizienz an den Tag, und das Management kann mit Akquisitionen warten, bis der richtige Zeitpunkt gekommen ist. "In den vergangenen Monaten ist Alcoa günstig zwei strategische Beteiligungen eingegangen", so Kerschner. Und vergangene Woche meldete mit der US-Firma Kaiser ein weiterer Konkurrent Konkurs an.
Gestärkt aus der Krise kommen - das geht sogar am Neuen Markt. Bestes Beispiel: Singulus, Hersteller von Maschinen zur CD- und DVD-Produktion. "Das Management hat die Firma über Jahre hinweg mit Weitblick zum Technologieführer gemacht", sagt Karl Fickel, der bei Lupus Alpha einen Fonds für das Wachstumssegment managt. Auf dem Weg an die Spitze schüttelte Singulus die Konkurrenten 4M und Toolex - beide pleite - ab, die deutsche Steag Hamatech ist in unruhiges Fahrwasser geraten. "Den Abschwung hat Singulus sogar dazu genutzt, durch Zukauf eines Spritzgussanlagenherstellers die Wertschöpfungskette günstig zu erweitern", lobt Fickel.
Zu bedenken ist freilich, dass für Markt- oder Technologieführerschaft an der Börse in der Regel bereits ein Aufschlag gezahlt wird. "Qualität ist eben nie billig", sagt Analyst André Jäkel. "Die verbesserten Aussichten für die Zeit nach der Krise machen den höheren Preis in zukunftsträchtigen Branchen aber allemal wett."
Quelle: DieWelt.de
Berlin - Im Boom waren sie nur Zweiter. Jetzt, in der Rezession, hat Micron Technologies es geschafft: Die US-Amerikaner sind Marktführer unter den Speicherchip-Herstellern. Technologisch gut aufgestellt und mit finanziellem Polster versehen, haben sie die Branchenkrise geschickt für sich genutzt: Erst übernahmen sie die Chipsparte von Toshiba. Und nun werden sie wohl Infineon den Speicher-Bereich von Hynix vor der Nase wegschnappen. "Micron ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Starken gerade im Abschwung immer stärker werden", sagt Klaus Hagedorn, Portfolio-Manager und High-Tech-Spezialist beim Bankhaus Metzler. Und genau nach solch gut aufgestellten Unternehmen, die die gnadenlose Selektion in der Rezession meistern können, sollten auch langfristig orientierte Anleger Ausschau halten.
"Krisenfeste Unternehmen haben in wirtschaftlich schwachen Zeiten gleich mehrere Vorteile", sagt André Jäkel, Analyst bei ABN Amro. "Vor allem haben sie das notwendige wirtschaftliche Fundament, um den Abschwung auszusitzen." Konkurrenten müssten reihenweise aufgeben oder würden, wie im Fall Micron/Hynix, günstig vom Stärkeren aufgekauft. Ein zweiter Aspekt sind die Kunden. "Viele Unternehmen, die etwa die Software eines angeschlagenen Herstellers einsetzen, wenden sich den Großen der Branche zu", vermutet Jäkel. Gerade im Softwarebereich komme es ja durch technischen Support und nötige Updates zu jahrelangen Bindungen. "Das Risiko, dass ihr Software-Ausrüster Pleite geht, wollen die wenigsten Unternehmen eingehen", erläutert der Analyst. Folge: Die Großen - wie zum Beispiel SAP - gewinnen Marktanteile, bei den Kleinen verteilen sich die Fixkosten auf immer weniger Kunden, was die Margen weiter unter Druck bringt - ein Teufelskreislauf.
Und der betrifft am Ende auch die Mitarbeiter. Denn wie es um ein - börsennotiertes - Unternehmen steht, drückt schließlich der Aktienkurs aus. Fällt der zu stark, geraten auch die häufig als Lockmittel eingesetzten Optionen der Mitarbeiter "unter Wasser", was bis zum Verfall der Papiere führen kann. "Oft genug haben hoch qualifizierte Leute dann die Nase voll, wollen um jeden Preis zu den sicheren Arbeitgebern", sagt Edward Kerschner, der die krisenfesten Aktien für die UBS Warburg in einer Studie analysiert hat. So kommen die "Großen" auch noch günstig an das Personal, das sich andere zu Boom-Zeiten mühsam und teuer zusammengesucht haben.
Doch auch Top-Leute, die im Laufe der Rezession auf der Straße landeten, können für die gut aufgestellten Unternehmen ein gefundenes Fressen sein. "Das Bankhaus Lehman Brothers zum Beispiel, hat durch striktes Kostenmanagement und Verzicht auf kostspielige Zukäufe seine Ertragssituation sehr stabil gehalten", so Kerschner. Während andere Banken im Bärenmarkt reihenweise ihre Investmentbanker feuerten, pickt sich Lehman nun antizyklisch die besten heraus - und rüstet sich bereits wieder für den erhofften Aufschwung.
Es gibt weitere Beispiele von Unternehmen, die in der Krise die Basis für ein großes Comeback legen. "Cisco Systems ist sicher eine solche Firma", sagt ABN-Mann Jäkel. Der Netzwerkausrüster aus San Jose habe bereits 1994 und 1998 schwere Krisen zu meistern gehabt, sei beide Male als großer Sieger aus dem Verdrängungswettkampf hervorgegangen. So könnte es auch diesmal laufen: Cisco baute seinen Marktanteil bei Routern, den "Internet-Kreuzungen", im vierten Quartal 2001 auf 69 Prozent aus, der einst gefürchtete Konkurrent Juniper rutschte von 32 auf 27 Prozent ab. "Und mit seiner gesunden Kapitaldecke kann Cisco auch wichtige Investitionen in Forschung und Entwicklung tätigen", so Jäkel. "Auf diese Weise nutzt die Firma die Rezession, um an deren Ende mit einem technologischen Vorsprung in die nächste Runde zu gehen."
Im Rohstoff-Bereich hat UBS-Analyst Kerschner den Aluminiumverarbeiter Alcoa als Top-Wert ausgemacht. "Die Lücke zum Hauptwettbewerber Alcan hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter vergrößert", meint Kerschner. Das lag nicht an der Größe allein. Alcoa lege eine für das kapitalintensive Rohstoffgeschäft einzigartige Effizienz an den Tag, und das Management kann mit Akquisitionen warten, bis der richtige Zeitpunkt gekommen ist. "In den vergangenen Monaten ist Alcoa günstig zwei strategische Beteiligungen eingegangen", so Kerschner. Und vergangene Woche meldete mit der US-Firma Kaiser ein weiterer Konkurrent Konkurs an.
Gestärkt aus der Krise kommen - das geht sogar am Neuen Markt. Bestes Beispiel: Singulus, Hersteller von Maschinen zur CD- und DVD-Produktion. "Das Management hat die Firma über Jahre hinweg mit Weitblick zum Technologieführer gemacht", sagt Karl Fickel, der bei Lupus Alpha einen Fonds für das Wachstumssegment managt. Auf dem Weg an die Spitze schüttelte Singulus die Konkurrenten 4M und Toolex - beide pleite - ab, die deutsche Steag Hamatech ist in unruhiges Fahrwasser geraten. "Den Abschwung hat Singulus sogar dazu genutzt, durch Zukauf eines Spritzgussanlagenherstellers die Wertschöpfungskette günstig zu erweitern", lobt Fickel.
Zu bedenken ist freilich, dass für Markt- oder Technologieführerschaft an der Börse in der Regel bereits ein Aufschlag gezahlt wird. "Qualität ist eben nie billig", sagt Analyst André Jäkel. "Die verbesserten Aussichten für die Zeit nach der Krise machen den höheren Preis in zukunftsträchtigen Branchen aber allemal wett."
Quelle: DieWelt.de