Die Grundsätze für mehr Börsenerfolg


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das Zentrum d.:

Die Grundsätze für mehr Börsenerfolg

 
14.03.02 14:25
Die Grundsätze für mehr Börsenerfolg 608068
Disziplin entscheidet über den Anlageerfolg

Oft überleben die einfachsten Weisheiten. Vielleicht der berühmteste Satz der 1976 verstorbenen Wall Street-Legende Benjamin Graham lautet: „Das größte Problem für Anleger - und ihr schlimmster Feind - sind wohl sie selbst.“

Bis heute boomen die Tipps, wie denn die Investoren diesen ihren schlimmsten Feind, den gar nicht so weise handelnden „Homo sapiens“ überwinden können, um sich zumindest auf dem Börsenparkett in den rational entscheidenden „Homo oeconomicus“ zu verwandeln.

Die Sinnhaftigkeit der meisten dieser Grundsätze ist allgemein akzeptiert. FAZ.NET hat zehn lehrbuchhafte und gewinnversprechende Anlagevorsätze gesammelt und stellt sie in dieser Woche in einem Dossier vor.

Regeln zu erkennen ist das eine ...

Tatsächlich zielen alle diese Anlageregeln letztlich darauf, menschliche „Schwächen“ zu korrigieren, also am Kapitalmarkt „unmenschlicher“, das heißt emotionsloser, rationaler und disziplinierter zu agieren. Denn die Börse verzeiht menschliche Schwächen am wenigsten, so scheint es.

Aber Vorsicht: Trotz aller Verhaltensregeln und Strategietipps für den Anlageerfolg ist die Zahl der Verlierer an der Börse nicht geringer geworden. Denn sinnvolle Verhaltensregeln zu erkennen, ist nur der erste Schritt zum Erfolg.

... sie zu befolgen, das andere

Sie auch zu befolgen, ist ungleich schwieriger, wie professionelle Anlageexperten immer wieder selbstkritisch bestätigen. Im entscheidenden Moment kommt nämlich wieder das menschliche Element ins Spiel. Die rational anerkannte Regel scheint in eben diesem Augenblick nicht gültig zu sein, und der Homo sapiens vertraut auf seine „Intuition“ - oft zu seinem eigenen Schaden.



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das Zentrum d.:

Grundsätze eins und zwei

 
14.03.02 14:27
Über eigene Ziele klar werden und Entscheidungen überprüfen

Die Grundsätze für mehr Börsenerfolg 608070

11. März 2002 Der erste, grundlegende Anlagegrundsatz klingt einfacher, als er ist. Können Sie eigentlich erklären, was Sie mit Ihrer Aktienanlage bezwecken?

Sind Sie sich über Ihren Anlagehorizont im Klaren? Sind Sie sicher, dass Ihr Depot einen benötigten Betrag zur gewünschten Zeit ohne Schaden freigibt? Können Sie wirklich mit dem Risiko Ihrer Anlagen leben?

Regel Nr. 1: Über eigene Ziele klar werden

Am Anfang einer Vermögensanlage sollten Sie sich also über Ihre Ziele, Ihre Strategie und Ihre Risikobereitschaft klar werden. Um ein Gefühl für die Ihren Zielen angemessenste Strategie zu bekommen, sollten Sie die grundlegenden Ansätze kennen (vgl. etwa unser Dossier „Anlagestrategien“ im Link).

Haben Sie sich für einen persönlichen Strategieansatz entschieden, ist es wichtig, Ihre Entscheidungen auch strategiekonform umzusetzen. Dazu gehört vor allem die Frage, ob eine Anlageentscheidung nach dieser Strategie nicht schon zu riskant ist, also noch in Einklang mit Ihrer Risikobereitschaft steht. Grundsätzlich besteht ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Chancen und Risiken einer Anlage. Dabei sollten Sie auch den bei einem bestimmten Risiko erzielbaren Erfolg nicht überschätzen.
Setzen Sie zum Beispiel auf möglicherweise unterbewertete Titel mit hohem Substanzwert, aber bescheidenem Wachstum, werden Sie in einem haussierenden Markt nicht denselben Anlageerfolg verbuchen können, wie wenn Sie auf Wachstumswerte gesetzt hätten. Dafür gehen Sie allerdings auch ein erheblich geringeres Risiko ein.

Nur wenn Sie strategiekonform handeln, können Sie den Erfolg Ihrer Strategie objektiv kontrollieren und sie gegebenenfalls Ihren Anlagezielen entsprechend korrigieren.

Regel Nr. 2: Entscheidungen laufend überprüfen

Die wichtigste Maßnahme, den Sinn der eigenen Strategie zu erkennen, ist eine kritische Nachbetrachtung der eigenen Kauf- und Verkaufsentscheidungen. Stellen Sie Ihre Anlageentscheidungen laufend auf den Prüfstand!

Vielleicht zeigt sich nach kurzer Zeit, dass Sie die verfügbaren Daten falsch interpretiert haben. Mit wenigen Ereignissen können sich aber auch die Bedingungen am Kapitalmarkt grundlegend ändern, und eine Anpassung ihrer Depotauswahl nötig machen. Aber auch die Auswahl eines Einzelwertes kann sich infolge einer neuen Information als Fehlentscheidung erweisen, die korrigiert werden muss.

Dadurch, dass Sie ihre Käufe und Verkäufe kritisch hinterfragen, können Sie allmählich ein Gefühl dafür entwickeln, ob Sie die Auslöser Ihrer Entscheidung richtig interpretiert haben. Dabei gilt es, objektive, also allgemein nachvollziehbare Kriterien für Ihre Anlageentscheidungen zu entwickeln.

Entsprechend erweist es sich in aller Regel als falsch, eine „emotionale Bindung“ zu einem Titel einzugehen, nach dem Motto „zwar passt der Titel nicht mehr in meine Strategie, aber ich mag ihn eben“. Ihre Anlageentscheidungen sollten Sie grundsätzlich an objektiven Fakten festmachen, nicht am „Kribbeln im rechten Zeh“.


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Grundsätze drei und vier

 
14.03.02 14:28
Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen

Die Grundsätze für mehr Börsenerfolg 608074

12. März 2002 Beinahe schon anmaßend klingt die Börsenregel: „Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen.“ Schließlich ist dies der Urgedanke an der Börse oder besser gesagt jeden kaufmännischen Handelns. Nämlich möglichst günstig kaufen und teuer verkaufen.

Aber wenn dies so einfach ist, warum fällt die Umsetzung denn so schwer. Warum häufen sich gerade die Klagen von Investoren gegen Unternehmen am Neuen Markt oder gar die Telekom. Hätten beispielsweise Anleger die T-Aktie 1997 bei 20 Euro gekauft und im Frühjahr 2000 bei 100 Euro wieder verkauft, so müssten heute nicht die Anwälte die Köpfe raufen.

Doch statt unten zu nehmen und oben  zu geben, springen viele Investoren erst zu spät auf den Zug auf und - was das Schlimmste ist - bleiben darauf sitzen. Erfolgreiche Börsianer haben aber eines gemeinsam: Sie beherrschen das Verlustmanagement.

Regel Nr. 3: Verluste begrenzen

Die einfachste Hilfe hierbei sind Stopps. Börsenexpertin Fleur Platow beispielsweise setzt grundsätzlich unterhalb von zehn bis 15 Prozent ihres Einstiegskurs einen so genannten Stopp. Wenn sich die Aktie dann nicht in die gewünschte Richtung entwickelt und der Kurs auf diese Marke fällt, dann verkauft sie die Aktien automatisch. „Gerade in der derzeitigen volatilen Zeit reagieren die Kurse oft sehr heftig auf negative Nachrichten“, erklärt Platow immer ihren Kunden.

Der Vorteil von einer Stopp-Marke ist in erster Linie, dass die eigenen Emotionen ausgeschaltet werden. Denn mit dem Verkauf einer Aktie mit Verlust müssen sich Investoren eingestehen, dass sie kein glückliches Händchen hatten und ihre Wette nicht aufging. Die eigene Schwäche zu offen zu legen, fällt aber den Menschen gemeinhin schwer. Daher neigen Investoren dazu, dass sie an Verlustpositionen festhalten. Sie reden sich ein, dass sich der Markt kurz einmal irrt, die Aktie später schon noch die gewünschte Richtung einschlagen wird.

Und mit dieser Haltung sitzt der Anleger womöglich noch bei Kursen von 14 Euro auf der T-Aktie. Dabei war der Weg nach unten genauso lang wie der Aufstieg, Zeichen für einen Ausstieg gab es genug.

An falschen Ideen zu lange festhalten bedeutet sogar in zweifachen Hinsicht Schaden für den Aktionär. Nicht nur, dass das eingesetzte Kapital keine Rendite bringt. Der Anleger erleidet auch einen Opportunitätsverlust, weil das in den Verlustbringern geparkte Kapital für alternative Investments, die möglicherweise Gewinne abwerfen würden, fehlt.  

Regel Nr. 4 Gewinne laufen lassen

Aber auch Investoren, die ihre Verluste in Zaum halten, müssen die Gewinne hegen und pflegen. Der größte Feind hierbei ist die Gier. „Wer sich reich rechnet, rechnet zwei Mal“, so eine alte Börsenregel. Sie beschreibt das Phänomen, dass Anleger gerne hochrechnen, wenn ihre Aktie weiterhin so steigt, wie viel Gewinn sie dann in einer Woche, einem Monat et cetera verbuchen könnten. „Mit den Dollarzeichen im Auge lassen sich aber selten kluge Entscheidungen treffen“, sagt ein Händler. Denn dann verpassen Anleger oft die ersten warnenden Signale, der Blick nach oben versperrt das Gespür für das Gewitter im Rücken.

Sinnvoll ist es auch bei steigenden Aktienkursen mit Stopps zu arbeiten und diese dann sukzessive nach zu ziehen. Ließe man die Verkaufsmarke unter dem Einstandskurs stehen, so wären die schönen zwischenzeitlichen Gewinne wahrscheinlich aufgefressen, bevor der Anleger die Aktien verkauft. Daher sollte diese Marke auf dem Weg nach oben ebenfalls angehoben werden.

Das zweite Problem bei gut laufenden Aktien ist, dass Investoren zu früh Gewinne realisieren. Nach dem Motto: „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“, schließen sie ihre Positionen, obwohl die Aktie noch weiteres Potenzial hat. Auch hier geben nachgezogene Stopp-Kurse das nötige Sicherheitsgefühl.  

„Gewinne laufen laufen und Verluste begrenzen.“ Eine banale Regeln, über die es sich aber lohnt, einmal inne zu halten. Und das eigene Handeln daran zu messen. Und schon klingt die Handlungsanweisung gar nicht mehr so simpel.


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Grundsätze fünf und sechs

 
14.03.02 14:30
Hin und her macht Taschen leer

Die Grundsätze für mehr Börsenerfolg 608077

13. März 2002 Was die Werbung nicht alles verspricht. In einer davon werden fünf gute Gründe genannt, um Kunde bei einer Direktbank zu werden. Ein Grund lautet: „schnell und günstig traden“. Das klingt gerade so, als ob das die entscheidenden Kriterien für eine erfolgreiche Anlagestrategie sein sollten. Insgeheim wird suggeriert, jedermann könne mit ein paar schnellen Börsengeschäften innerhalb kurzer Zeit zu einem Vermögen kommen.

Das ist zwar grundsätzlich nicht ausgeschlossen, dürfte allerdings alles andere als die Regel sein. Denn erfolgreiches „Trading“ an der Börse ist nur mit viel Erfahrung möglich, bedeutet harte, disziplinierte Arbeit und führt nur im Durchschnitt zum Erfolg. Selbst professionelle Anleger würden niemals davon ausgehen, bei jedem Einzelgeschäft erfolgreich zu sein. Sondern sie setzen darauf, in der Mehrheit der Fälle Gewinne zu erzielen. Dabei sind selbst bei ihnen längere verlustreiche Phasen möglich. Diese können sie nur mit einer fundierten Kapitaldecke überstehen und die Verluste später wieder ausbügeln.

Regel Nr. 5: Hin und Her macht Taschen leer

Für den normalen Anleger dürfte eher gelten, hin und her macht Taschen leer. Wer hektisch agiert und viele Geschäfte macht, fördert zunächst erst einmal seine Bank oder seinen Broker. Denn der verdient an jedem Geschäft über Courtagen und andere Provisionen. Manche eher unseriösen Gesellschaften haben es sogar  gerade darauf abgesehen. Ohne Rücksicht auf die Erfolgsaussichten der Aktivitäten werden die Konten teilweise sogar mehrfach täglich umgeschichtet - bis unter Umständen nichts mehr da ist.

Natürlich lässt sich das überblicken, solange man die Aufträge selbst erteilt. Aber im Hinterkopf sollte immer der Gedanke an anfallende Spesen eine Rolle spielen. Denn diese mindern neben der anfallenden Spekulationssteuer und der Geld-Brief-Spanne das Ergebnis sämtlicher kurzfristigen Transaktionen. Wer dabei häufig falsch liegt, verliert damit doppelt. Er muss sich nicht nur die Kursverluste ans Bein streichen, sondern dazu kommen die ganzen Nebenkosten und die verschwendete Zeit. Die hätte sicherlich ertragreicher verwendet werden können, beispielsweise für ganz normale Arbeit.

Regel Nr. 6: Trends und Momentum spielen

Was machen erfolgreiche Anleger anders? Sie schielen nicht permanent auf die kurzfristig eintrudelnden Neuigkeiten und reagieren darauf nicht mit hektischen Börsenorders. Sondern sie konzentrieren sich auf die Identifikation relativ eindeutiger Chancen und nutzen diese für eine längerfristige Anlage. „Selektion führt zum Erfolg“, sagte etwa Fondsmanager Carsten Osswald bei der PEH Wertpapier AG. Er selektiert die Aktien nach fundamentalen und technischen Kriterien und investiert dann gleichmäßig in die wenigen übrig gebliebenen.

Mit diesem Vorgehen lassen sich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen wird diversifiziert - und nicht alles auf eine Karte gesetzt. Zum anderen werden „hoffnungslose Fälle“, wie etwa Unternehmen mit hoher Verschuldung oder mit massiven Verlusten übergangen. In der Regel werden Aktien übrig bleiben, die schon in der Vergangenheit einen schönen Aufwärtstrend hingelegt haben oder bei denen sich auf Basis solider Daten einer abzeichnet. Dann heißt es nur noch, Einsteigen und die „Welle reiten“, bis sie auf die Klippen trifft.

Als „Rettungsring“ kann sich der Anleger dabei „wandernde Stopp-Loss-Marken“ anlegen, die er auf dem Weg nach oben anpasst. Aussteigen - sprich verkaufen - wird er frühestens dann, wenn die Kursdynamik erlahmt. Denn vorher vergibt er weitere Ertragsmöglichkeiten. Die Reißleine wird er aber spätestens dann ziehen, wenn der langfristige Aufwärtstrend gebrochen wird. Denn dann hat sich sehr wahrscheinlich etwas am Umfeld geändert. Gerade auch am Neuen Markt hätten sich mit dieser „Ausstiegsmethode“ viele Verluste rechtzeitig vermeiden lassen.


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Maramures:

Danke !! Weiter so..... o.T.

 
14.03.02 14:40
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C.F.Gauss:

Klingt alles ganz toll, ist aber das übliche alte

 
14.03.02 16:06
Gefasel, wie man es schon tausend mal gehört hat. Und die inneren Widersprüche der einzelnen Empfehlungen sind immer noch da. Bestimmt macht die eine oder andere Regel für sich genommen in einzelnen Fällen Sinn, aber das ist genausowenig eine Anlagestrategie für jedermann wie die, die jeder hier im Board empfehlen könnte.

Schon die Regeln "Hin und her..." und "Verluste begrenzen..." bergen einen Widerspruch. Sobald jemand ausgestoppt wird, wird er das Geld wieder reinvestieren, wird dann mit großer Wahrscheinlichkeit wieder ausgestoppt usw. usw....
Es gibt da in der Wahrscheinlichkeitstheorie die sogenannte Theorie der Random Walks. Das trifft auf das Verhalten der Kurse ziemlich genau zu, wenn man leichte Trends in eine Richtung vernachlässigt. Auch in einem Aufwärtstrend kann es einen Rückschlag geben. Sinnvoller ist doch dann die Regel, seine Anlageentscheidung immer wieder zu überdenken und nicht dieses stupide Stop-Loss. Was habe ich schon Geld verloren, weil so ein Stop-Loss genau am Tiefstpunkt ausgelöst wurde und der Kurs dann wieder gestiegen ist.

Auch die letzte Regel ist doch für die Katz. Zum einen wird vorausgesetzt, daß der angesprochene Anleger zu jeder Zeit uptodate ist. Das paßt nicht mit einer langfristigen Anlagestrategie zusammen, bei der sich der Anlager Unternehmen aussucht, indem er sie lange analysiert, ein bißchen auf der Welle reitet und dann wieder verkauft, wenn sein nachgezogener Stop unterschritten wird. Der normale Langfristanleger wird einmal in der Woche auf n-tv seinen Börsenkurs feststellen, das wars auch. Wenn der steigt, dann wird er nicht gleich einen top-Kurs nachziehen. Die Regel widerspricht demnach einer Langfriststrategie.

Meiner Meinung nach sind Regel 1 und 2 gut, um sich generell über seine Strategie im Klaren zu sein. Die anderen Regeln kann man getrost vergessen, denn alles weitere ergibt sich aus 1 und 2.

Gauss  
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das Zentrum d.:

Grundsätze sieben und acht

 
15.03.02 07:46
Streuen - aber nie die Übersicht verlieren

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14. März 2002 „Lege nie alle Eier in einen Korb, denn es könnte ein Loch darin sein“, lautet ein Ratschlag erfahrener Börsianer an den „Neueinsteiger“. Denn die haben als „alte Hasen“ schon einiges gesehen: Unternehmen, die zuerst vielversprechend erschienen, kometenhaft aufstiegen - nur um wenige Monate später in der Pleite zu enden. Oder selbst große, vermeintlich „sichere Wetten“, die trotz aller ursprünglichen Solidität in Schwierigkeiten gerieten. Wie Swissair und Fokker, um zwei konkrete Namen zu nennen.

Aus diesem Grund sollten Anleger nie alles auf eine Karte setzen, sondern auf verschiedene Anlageformen bauen. Etwa einen Teil in Anleihen und den anderen in Aktien. Wählt er Staatsanleihen solider Industriestaaten und hat die Absicht, diese bis zum Verfall zu halten, so braucht er sich nicht mehr weiter darum zu kümmern. Die Zinsen werden regelmäßig eintreffen und die Rückzahlung wird pünktlich erfolgen.

Streuen - nicht verzetteln

Den Aktienanteil sollte er jedoch im Blick behalten. Denn auf Grund der Wirtschaftsdynamik sind Unternehmen immer wieder dazu gezwungen, ihre Strategie an die Aktualität anzupassen. Dabei kann immer etwas schief gehen und zu Schwierigkeiten führen. Genau aus diesem Grund ist es wichtig, die Aktien verschiedener Unternehmen ins Depot zu legen. Legt eine davon eine unterdurchschnittliche Entwicklung hin, können das die anderen immer noch ausgleichen.

Zu viele dürfen es allerdings nicht werden, sonst geht die Übersicht verloren. Denn gerade bei seltenen, außergewöhnlichen Entwicklungen kann auch einmal ein schneller Verkauf notwendig werden, um weiteren Schaden zu vermeiden. Genau aus diesem Grund sollte ein Anleger immer die wesentlichen Entwicklungen bei „seinen Unternehmen“ im Blick und im Hinterkopf haben. Beim Zeitunglesen, Fernsehen oder Internetsurfen muss es sofort „klick“ machen, wenn er kritische Nachrichten hört. Vorteil: bei positiven Nachrichten wird auch regelmäßig sein Wohlbefinden steigen.

In der Praxis genügen schon etwa sieben Aktien aus unterschiedlichen Branchen, um eine angemessene Streuung zu erreichen. Mit viel mehr Unternehmen wird sich der normale Anleger in der Regel auch nicht intensiv genug beschäftigen können. Deswegen lautet das Fazit: Aktien streuen - sich aber auf keinen Fall verzetteln.

„Fundamentales“ mit Charttechnik kombinieren

Wie lassen sich die „richtigen“ Aktien finden? Zunächst einmal sicherlich über die fundamentalen Kennzahlen. Macht ein Unternehmen Gewinn, wieviel Umsatz macht es, welche Gewinne und Umsätze sind in der Zukunft zu erwarten, wie wird sich voraussichtlich die Branche entwickeln und - wie sieht das „Preis-Leistungs-Verhältnis“ aus? Oder anders formuliert - der Aktienkurs in Relation zu den erwarteten Gewinnen.

Dabei gibt es allerdings ein Prognoseproblem. Denn wer kann die Gewinnentwicklung schon genau und präzise voraussagen? Es gibt zwar viele Experten. Aber selbst ihre „durchschnittliche“ Meinung hat sich in der Vergangenheit immer wieder einmal als falsch erwiesen.

Anders sieht es dagegen mit Fachleuten aus, die direkt in der jeweiligen Branche tätig sind und ganz genau wissen, wie der Hase läuft. In der Regel sind auch sie Anleger. Auf Grund präziserer Informationen kaufen oder verkaufen sie jedoch früher als viele andere Marktteilnehmer. Nicht selten sogar gegen den Trend. So kann es sein, dass sich der Fall einer Aktie längst abbremst, obwohl die Stimmung für das Unternehmen noch sehr negativ ist. Umgekehrt kann sich der Kursanstieg abflachen, obwohl die Meinung im Markt noch euphorisch ist.

Genau das zeigt sich aber in der Kursentwicklung. Dort lässt sich ganz nüchtern ablesen, was an der Börse tatsächlich passiert. Und nur das ist entscheidend, nicht die Stimmung. Folglich lassen sich „Marktveränderungen“ anhand von Charts oder anderen technischen Instrumenten ablesen, lange bevor die Stimmung umschlägt. Geschickt ist deswegen eine Kombination zwischen fundamentaler technischer Analyse.

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das Zentrum d.:

Regel 9 und 10

 
16.03.02 14:03
Nur ein klarer Kopf hilft beim Aktienkauf

16. März 2002 Wer kennt sie nicht, die angeblich einmaligen Anlagechancen am Aktienmarkt? Und wenn sich dann zu einer sexy Story auch noch steigende Kurse gesellen, dann ist die Versuchung groß, mitverdienen zu wollen.

So ähnlich ist es lange Zeit auch am Neuen Markt abgelaufen. Bevor dann eines Tages die Blase platzte und es zu einem bösen Erwachen kam. Negative Erlebnisse wie diese, können besonnene Anleger, wenn auch vielleicht nicht ganz vermeiden, so doch zumindest stark einschränken.

Regel Nr. 9: Den gesunden Menschenverstand einschalten

Sie müssen dazu nur die Habgier zurückschrauben und stattdessen den normalen Menschenverstand einschalten. Denn der hilft auch am komplexen Aktienmarkt am ehesten weiter. Im Klartext heißt das: Immer wenn sich die vermeintlich todsichere 100-Prozentchance bietet, sollte man sich zunächst erst einmal zurücklehnen und durchatmen.

Ist die Sicht dann wieder klar und nicht mehr von Dollarzeichen in den Augen vernebelt, geht es darum, Chancen und vor allem Risiken objektiv gegeneinander abzuwägen. Oft wird einem dann sehr schnell ein flaues Gefühl beschleichen und man wird sich die Frage stellen, ob man tatsächlich auf eine Goldader und nicht auf einen Rohrkrepierer gestoßen ist.

Wer seine eigenen Erfahrungen Revue passieren lässt, wird vermutlich feststellen, dass die besten Anlageentscheidungen mit Bedacht getroffen wurden. Gerade die ohne große Vorschusslorbeeren versehenen Positionen entwickeln sich oft zu Dauerbrennern. Die heißen Tipps oder die auf vage Gerüchte hin gekauften Titel entpuppen sich dagegen oft als Nieten.

Die Schlussfolgerung daraus: Nie unter zeitlichen Druck setzen lassen und sich nicht von Euphorie zu unüberlegten Schnellschüssen verleiten lassen. Gefragt ist dagegen Geduld und rationales Handeln.

Regel Nr. 10: Selbstüberschätzung unbedingt vermeiden

Klingt eigentlich alles ganz plausibel, ist in der Praxis aber dennoch allzu oft nur schwer zu beherzigen. Zumal auch diejenigen Anleger, die rational, eigenverantwortlich und überlegt handeln, in Gefahr sind. Denn in diesem Fall ist es bis zur Selbstüberschätzung ebenfalls nicht mehr weit. Und die Überschätzung des eigenen Könnens ist erwiesenermaßen eine der größte Fallstricke für Börsianer. Das Motto muss daher lauten, nicht nur alle externen Ratschläge kritisch zu hinterfragen und ihnen nicht blauäugig nachzulaufen, sondern auch die eigenen Fähigkeiten immer wieder ohne Vorbehalte zu überprüfen.

Ob man selbst gefährdet ist, lässt sich unter anderem dadurch überprüfen, inwieweit man in der Vergangenheit schon bereit war, sich eigene Fehler einzugestehen und vor allem dann auch die notwendigen Konsequenzen gezogen hat. Dazu gehört auch die Disziplin, auf manches heiße Geschäft zu verzichten, wenn man die Tätigkeit des Unternehmens nicht ausreichend versteht.

Letztlich wandeln Börsianer aber immer auf einem schmalen Grad. Denn einerseits muss man zwar das Ego ein Stück weit zurückdrängen um nicht im eigenen Sumpf zu ersticken. Andererseits darf man aber auch nicht mit der Masse schwimmen, da es noch fataler als Selbstüberschätzung wäre, sich ein Denken im Konsens anzugewöhnen. Diese Haltung würde nämlich ganz bestimmt mit Verlusten enden.
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das Zentrum d.:

Gottfried Hellers Kriterien zum Börsenerfolg

 
16.03.02 14:05
15. März 2002 Gottfried Heller blickt auf eine lange Erfahrung an den internationalen Börsen zurück. Zusammen mit Börsenlegende André Kostolany gründete er bereits 1970 seine eigene Vermögensverwaltung.

Heute verwaltet der Chef der Fiduka Depotverwaltung in München neben Einzeldepots für private und institutionelle Investoren auch vier internationale Investmentfonds. FAZ.NET fragte ihn nach seinen Investmentgrundsätzen.

Herr Heller, welche Grundsätze würden Sie Aktienanlegern ins Stammbuch schreiben?

Mein erster Rat: Moden meiden! Wer das kauft, was gerade in Mode ist, kann nicht erwarten , dass er davon profitiert, denn Mode ist immer schon teuer. Zum Schlussverkauf ein Jahr später wird sie günstiger zu haben sein. Die günstigsten Kaufkurse bestehen vielmehr stets, wenn der Pessimismus am höchsten ist, die besten Verkaufskurse bei überschwänglichem Optimismus.

Nächste wichtige Regel: Nur in etwas investieren, das man versteht! Es gilt der Rat von Warren Buffett, sich nur innerhalb seines „circle of competence“ zu bewegen. Bin ich ein Biochemiker, werde ich auch das Geschäft von Biotechunternehmen besser verstehen - bin ich keiner, werde ich diese Firmen meiden. Aus demselben Grund bin ich auch sehr skeptisch gegenüber Hedge Fonds, deren Tun und Lassen völlig intransparent ist. Der Anleger ist hier den Managern völlig ausgeliefert, ob sie gut sind oder schlecht.

Des weiteren gilt: Immer Werthaltiges kaufen! Folgender Ausspruch von Oscar Wilde ist mir immer präsent: „Ein Zyniker ist jemand, der von allem den Preis kennt, und von nichts den Wert.“ Ich kenne viele solche Akteure an der Börse. Der Preis ist immer nur eine Hausnummer und sagt per se nichts über den Wert aus. Wenn Sie mich fragen, ob ich ein Value- oder Growth-Investor bin, würde ich salomonisch antworten: Ich würde immer den Value zuerst ermitteln wollen, und Value-Aktien mit Growth kaufen, aber ich würde immer die Finger von Growth-Aktien lassen, die keinen Value aufweisen.

Bei der Auswahl der Aktien würde ich immer das „Tengelmann-Prinzip“ gelten lassen, also die Auswahl nach den Kriterien „Attraktiv und Preiswert“. Ein Unternehmen kann für mich noch so attraktiv aussehen, und doch ist die Aktie für mich kein Kauf, wenn der Preis gleichzeitig zu hoch ist. Deswegen habe ich Cisco oder etwa EM.TV nie gekauft. Ich suche Firmen, die herausragend sind, weil sie einen Wettbewerbsvorteil und ein gutes Management aufweisen. Um das Bild eines Schlosses zu bemühen: Ich suche Schlösser mit einer Berglage oder einem Wassergraben, deren Schlossherr ehrlich und fähig ist. Nebenbei bemerkt: Ist er fähig und unehrlich, ist das die ungünstigste Kombination!

Ein weiterer wichtiger Punkt für mich ist antizyklisches Handeln. Nehmen wir einmal die Situation des 11. September und der folgenden Tage als Beispiel. Damals war die Welt im Schock, und mit wenigen konnte man sich rational über den Fortgang der Börse unterhalten. Doch haben wir in diesen schweren Tagen systematisch zugekauft, am meisten übrigens am 21. September. Natürlich wusste ich nicht, dass das der Tiefstpunkt war. Aber wenn sich werthaltige Titel halbiert haben, ist das Restrisiko eben sehr gering. In solchen Momenten muss man zu denjenigen gehören, die die Nerven behalten und Disziplin bewahren. Dieses antizyklische Handeln bescherte den von uns verwalteten Depots dann auch das weit überdurchschnittliche Jahresergebnis von minus fünf bis plus zehn Prozent.

Vielen Dank für diese strategischen Hinweise. Nun noch eine Frage zu Diversifikation: Wie viele Titel sollte ein Privatanleger maximal in sein Depot legen?

Ich neige eher dazu, stärker zu diversifizieren. Wenn Markowitz sagt, mit 14 gut diversifizierten Titeln seien bereits 92 Prozent des Renditebetrags abgedeckt, ist das zwar richtig, aber man sollte auch die menschliche Psychologie nicht vernachlässigen. Wenn sich bei zehn Titeln eine Aktie halbiert, habe ich fünf Prozent meines Depots verloren. Die Gefahr ist dann groß, das ich die Aktie in Panik herauswerfe, auch wenn ich sie eigentlich nachkaufen sollte. Ich neige daher dazu, den Prozentsatz einer Aktie im Depot nicht fünf bis sechs Prozent übersteigen zu lassen.

Wie beurteilen Sie die augenblickliche Börsensituation? Ist die Baisse vorbei?

Ich glaube, dass wir schon im Aufwärtstrend sind. Aber: Die Margen sind nach oben begrenzt, weil die Hauptmärkte, insbesondere die amerikanischen, bei einer Bewertung angelangt sind, die etwa doppelt so hoch ist wie bei vergleichbaren Situationen. Meistens wies der S&P 500-Index am Ende einer Baisse ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von zehn bis 15 auf. Heute liegt es bei rund 30. Deswegen werden die Börsen volatil bleiben, und die Kunst des professionellen Stock-Picking wird wichtiger. Die Zeit der Laienspieler, die nach dem Motto „The trend is your friend“ investieren konnten, ist vorbei. Wir werden längere Jahre mit schwierigen Börsen sehen, wenn auch das Zinsszenario die Kurse tendenziell stützt. Der eigentliche Wachstumsimpuls muss jedoch von den Unternehmensgewinnen kommen.

 
Das Gespräch führte Detlev Landmesser.

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